Versöhnt und doch irgendwie enttäuscht

Von: Robert Flader
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Na dann Prost: Alemannia-Profi Zoltán Stieber gibt seinen Ausstand und feiert mit den Fans den Saison-Abschluss. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Das Ende ist gekommen, und Werner Kempen lächelt gütig und zufrieden unterhalb der Südtribüne. Die Alemannia-Saison 2010/11 steht nach einem langen Fußball-Sonntag voller Spiele, Abschiede und jeder Menge Bier in den Geschichtsbüchern.

„Es war wirklich besser als noch vor zwölf Monaten”, sagt Kempen, eingefleischter Fan, versöhnlich nach dem letzten Saisonspiel, einem schmeichelhaften 1:1 gegen den Absteiger aus Bielefeld.

Wehmut kehrt ein

Doch der Blick in die Zukunft beginnt für den 43-Jährigen erst einmal mit einem Schritt zurück in die Vergangenheit. Und da setzt dann doch Wehmut und Enttäuschung ein. Ein bisschen jedenfalls. „Ich habe”, sagt Kempen, „mir jahrelang für den Verein auf dem Würselener Wall die Füße plattgestanden und wollte mir eigentlich noch das ein oder andere Erinnerungsstück ersteigern. Zum Beispiel eine Sitzschale, wo ich dann mal meinen Allerwertesten draufsetzen könnte.”

Daraus wurde nichts, die große Sause auf dem alten Tivoli inklusive Auktion ist wegen Randalen und Vandalismus am vorvergangenen Samstag, beim letzten Saisonspiel der Amateure, abgesagt worden - sehr zum Unwohl vieler „richtiger” Fans. Denn auch wenn Schalen und Rasenstücke nun in den Fanshops zu erwerben sind: Ein wirklicher Ersatz ist das nicht. Vielen geht es auch ganz einfach darum, noch einmal die Stätte der großen schwarz-gelben Erfolge zu betreten. „Ich war letzte Woche beim Spiel und habe es kommen sehen”, sagt Werner Kempen, der Mitglied und Sponsor in Personalunion ist. „Man muss die Entscheidung des Vereins akzeptieren, wobei sich viele Fans sicherlich gerne persönlich vom alten Stadion verabschiedet hätten.”

Der Stimmung in der aktuellen Alemannia-Heimstätte tut das am Sonntag keinen Abbruch: Die schwarz-gelben Anhänger feiern nach dem letzten sportlichen Vergleich die Mannschaft, die verabschiedeten Profis und natürlich auch sich selbst. Aber nicht auf den Rängen, sondern rund um die Bierbuden unter der Südtribüne, wo Schlachtgesänge wie „Humba” und „Kaiserstadt AC” angestimmt werden.

Auch die Profis feiern mit, sie wechseln für einen Moment die Rolle und schenken fleißig Bier aus. „Zwei zum Preis von einem” steht als Motto bei Zoltán Stieber, Andreas Korte und Co. hoch im Kurs. Profis und Fans haben sich den Saisonabschluss sicher ein bisschen anders vorgestellt. Improvisation gehört aber auch zum Fußball, denn den 83 Jahre alten Tivoli werden sie nicht wieder betreten können. Bald rollen dort Bagger anstatt Fußbälle und die werden das Stadion für immer verschwinden lassen.

Im neuen Tivoli hat man auf verantwortlicher Ebene damit abgeschlossen. Sportdirektor Erik Meijer verspricht den Fans mit Abpfiff der Saison, dass er noch ein paar „gute Spieler” nach Aachen holen wird. Er wünscht sich für die neue Saison vor allem eines: „Mehr Heimsiege!” Die Fans sollen sich mit dem neuen Stadion endlich identifizieren können, nicht nur bei Pokalspielen.

Der Blick geht längst nach vorn, der vieler Fans aber erst einmal zurück, wenige hundert Meter weiter. Dorthin, wo die Natur längst Einzug hält. Der alte Tivoli erlebt seine letzten Stunden, und so richtig zufrieden sind die Fans nicht, wenn sie darauf angesprochen werden. Kempen drückt es so aus: „Die Emotionalität wäre heute sicherlich nochmal ganz anders, wenn alle gemeinsam drüben gefeiert hätten.”

Jetzt lächelt er nicht mehr gütig, der Tivoli ist eben eine Herzensangelegenheit. Und die wird den Anhängern nun genommen - ohne dass sie „Tschö” sagen konnten.
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