Aachen - Verschlussakte „Radarfalle” erstmals offen

Verschlussakte „Radarfalle” erstmals offen

Von: Robert Esser
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Endlich kommt die Wahrheit über die „Blitzer” ans Licht. Jahrelang hatte die Stadt unter Verschluss gehalten, wie viele Tempo- und Rotlichtsünder an welchem Starenkasten erwischt wurden.

Konkrete Presse-Anfragen dazu wurden abgewiesen. Dabei lässt sich nur durch solch eine detaillierte Analyse ergründen, ob die jeweilige Überwachungsanlage tatsächlich Wirkung erzielt. Erst nach einer offiziellen Ratsanfrage des FWG-Ratsherrn Hans-Dieter Schaffrath rückte die Stadt jetzt die bislang geheime „Blitzer-Bilanz” heraus. Ergebnis: Die „Hitliste der Starenkästen” führt die Hohenstaufenallee an. Dort hielt die Radarfalle 2011 die meisten Geschwindigkeitsverstöße unter den insgesamt acht Messstandorten im Bild fest. 5211 Autofahrer wurden zwischen Lütticher Straße und Couven-Gymnasium talwärts in der Tempo-50-Zone überführt - durchschnittlich mit 68 Stundenkilometern, 14 Blitzer pro Tag. Das entspricht einem Viertel der insgesamt 20.759 festgestellten Verstöße des Vorjahres. Wobei nicht klar ist, wie viele Wochen jeder Radarkasten tatsächlich mit einer Kamera bestückt und schussbereit ist. „Wir betreiben vier Kameras, die im Schnitt jede Woche den Standort wechseln”, teilt die Stadt auf AZ-Anfrage mit. Folglich steht die Hälfte der „Radarfallen” unbewaffnet am Straßenrand - wovon man sich aber ebenso Abschreckung und angepasste Geschwindigkeit der Verkehrsteilnehmer verspricht.

An der Turmstraße, wo in beide Richtungen geblitzt werden kann, scheint das Konzept noch nicht ganz aufzugehen: Dort summierten sich die Tempoverstöße an den zwei Starenkästen vergangenes Jahr auf 8527 Fälle.

FWG-Ratsherr Schaffrath wundert sich angesichts der Fallzahlen über „einen Aktionismus der Ordnungsbehörden inklusive Polizei, der an die Autobahnpolizei-Shows des ehemaligen Regierungspräsidenten Antwerpes erinnert”. Knapp 21.000 Temposünder an den Starenkästen seien im Verhältnis zu Millionen Autofahrten im Aachener Stadtgebiet eine verschwindend kleine Zahl, relativiert der FWG-Politiker. Daran änderten auch die von mobilen Radarwagen und per Laserpistole zusätzlich „geschnappten” Temposünder nichts. Schaffrath kritisiert, Polizei und Ordnungsamt würden die Dimension der Raserei im Straßenverkehr dramatisieren. „Die allermeisten Autofahrer in Aachen sind keineswegs Raser, das zeigen die Zahlen jetzt eindeutig”, sagt er.

An der Schleidener Straße in Walheim registrierte die Stadt in zwei Richtungen vergangenes Jahr 1550 beziehungsweise 2189 Geschwindigkeitsübertretungen. Am Berliner Ring wurden 2258 Autos geblitzt, auf der Horbacher Straße 762, in Friesenrath hingegen nur 262 Karossen. Durchschnittlich seien pro Verstoß „15 bis 25 Euro” fällig gewesen, teilt die Stadtverwaltung mit. Sämtliche Temposünder gemeinsam - also inklusive Starenkästen - schraubten den Betrag der Strafgelder aus Geschwindigkeitsübertretungen im Jahr 2011 auf gut 2,7 Millionen Euro.

Auffällig zudem: Die meisten Rotlichtverstöße zählte man an der noch recht neuen Blitzanlage an der Ecke Wilhelmstraße/Lothringerstraße. Aber nur 750 der 7506 Fotos führten zu einem Bußgeldverfahren. Die Fehlerquote sämtlicher vier Rotlichtüberwachungsanlagen liegt nämlich bei 10:1. Insgesamt wurden 1486 Rotlichtsünder überführt - bei 14 876 Fotos.

Laut Stadt und Polizei - die in der sogenannten Unfallkommission über Maßnahmen zur Verkehrssicherheit beraten - ist weder die Anschaffung weiterer Kameras, noch ein neuer Standort für einen Starenkasten geplant. Diverse Unfallschwerpunkte, die aufgrund überhöhter Geschwindigkeit entstanden seien, habe man entschärft. Noch bestehende Gefahrenschwerpunkte seien nicht auf Raserei zurückzuführen, heißt es nun von Seiten der Stadt. Auch das kam erst am Mittwoch offiziell ans Licht.

Die Polizei setzt ihre Schwerpunktaktionen zur Bekämpfung der Raserei fort: Am Donnerstag sind Radarkontrollen auf der Jülicher Straße geplant. Am Freitag ist die Vaalser Straße, am Sonntag sind Krefelder Straße und Trierer Straße besonders im Visier der Ordnungshüter. Aber auch anderswo müssten Autofahrer mit Radarkontrollen rechnen, teilte Polizeisprecherin Sandra Schmitz mit.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert