Verschärfter Bebauungsplan lässt Erotik-Geschäft kalt

Von: Robert Esser
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Das horizontale Gewerbe bleibt: Nachdem ein Matratzengeschäft ausgezogen ist, will der Erotikfachhandel Orion einen „Fetish-Shop“ am Adalbertsteinweg, Ecke Ottostraße, eröffnen. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Das horizontale Gewerbe bleibt dem Adalbertsteinweg – quasi – treu. Während Politik und Stadtverwaltung gerade mit hohem bürokratischem Aufwand Bebauungspläne für den Aachener Osten verschärfen, um ohne Wettbüros, Spielhallen, Sexshops und Bordelle das Geschäftsleben zwischen Kaiserplatz und Josefskirche aufzuwerten, geschieht in der Praxis das Gegenteil.

Neben dem bereits existierenden Tipico-Wettbüro und diversen Spielhallen plant der Erotik-Fachhandel Orion die Eröffnung eines „Fetish-Shops“. Zuvor war in dem Geschäftslokal mit der Hausnummer 11-13 an der Einmündung zur Ottostraße ein Matratzen-Outlet-Center beheimatet. Derzeit wird umgebaut.

Am 12. September will Orion – 1962 vom Kaufmann Werner Sudemichel im mittelhessischen Heuchelheim gegründet – die zweite Aachener Filiale einweihen. Deutschlandweit sind es über 150. Da die Ladenkette zwar tausende Artikel der Erotikbranche, nicht aber Kabinen mit schlüpfrigen Filmchen im Geschäftskonzept vorsieht, gilt solch ein Orion-Laden als „normaler Einzelhandel“, wie die Stadt auf AZ-Nachfrage erklärt.

Planungsrechtlich sei diese Geschäftseröffnung – wenn auch unerwünscht – nicht zu verhindern, heißt es. Auch gewerberechtlich drohe dem Betreiber keinerlei Einschränkung, so lange keine „Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung nach Paragraf 14 des Ordnungsbehördengesetzes“ gegeben sei.

Trotz aller Bemühungen hält somit der „Trading-Down-Effekt“ – die Abwärtsspirale durch Leerstände, Billigläden und Verwahrlosung der Häuser – weiter an. Genau diesen Trend wollte der Stadtrat mit der Änderung entsprechender Bebauungspläne eigentlich stoppen. Einen Steinwurf entfernt möbliert die Stadt unterdessen den Rehmplatz und weitere Flächen zu kinder- und familienfreundlichen Spielwiesen: Mit Hollywood-Schaukel, Fitness-Parcours, Bolzplatz, Wasserspielen und vielem mehr. Rund eine Million Euro Steuergelder werden hier investiert.

Wie viel Orion für seine kaum jugendfreie Spielwiese berappt, ist indes unbekannt. Klar ist, dass die Mieten entlang der Geschäftszeilen beidseits des Adalbertsteinwegs weiter fallen. Die Stadt will nun zumindest alles daran setzen, in Sachen „Schaufenster-Präsentation“ Einvernehmen mit dem Erotik-Geschäft zu erzielen. So sollen nicht allzu viele nackte Tatsachen den ohnehin starken Verkehr auf der Straße ablenken. Man wolle „aggressive Werbung“ verhindern, teilt die Stadt mit. Angewiesen ist die öffentliche Hand dabei allerdings auf das Wohlwollen des Gewerbetreibenden.

Also: kein Licht am Horizont. Bei der Umwandlung des Matratzenladens zum Erotik-Fachmarkt ist nicht mal eine Nutzungsänderung fällig. Beim „Fetish-Shop“ sind der Stadt sozusagen die Hände gebunden.

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