Aachen - Verräterisches Moos knabbert am Dom

Verräterisches Moos knabbert am Dom

Von: Marie Eckert
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Am Dom geht‘s hoch hinaus: Mit einem Hubwagen werden derzeit Schäden an der Chorhalle unter die Lupe genommen. Das ist auch dank des Karlsvereins-Dombauvereins mit seinem Vorsitzenden Hubert Herpers (kleines Bild) möglich. Foto: Andreas Steindl
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Die Untersuchung des Doms ist auch Dank des Karlsvereins-Dombauvereins mit seinem Vorsitzenden Hubert Herpers möglich. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Auf dem Münsterplatz direkt neben der Chorhalle des Doms zieht ein riesiger Hubwagen die Aufmerksamkeit auf sich: Der Arm des Wagens reicht bis zur Spitze des Doms, fünf Personen dürfen auf der Plattform mitfahren – also drei neben einem Techniker und Dombaumeister Helmut Maintz.

Der ist nämlich momentan auf der Hubarbeitsbühne rund um die Chorhalle unterwegs, um einen Blick auf Steine, Fugen und Figuren zu werfen.

Ganz langsam und ruhig fährt die Plattform erst nach oben und dann an die Chorhalle des Doms heran – so nah, dass man mit ausgestrecktem Arm problemlos die Figuren neben den großen Fenstern tätscheln könnte. Auf einer Höhe von 20 Metern macht Maintz den ersten Zwischenstopp: Ein paar harmlose Flechten und nicht ganz so harmloses Moos haben sich auf einem der Pfeiler breit gemacht.

„Moos deutet auf Feuchtigkeit hin“, merkt Maintz an. Mit einem kleinen Eisenstab klopft der Dombaumeister Steine und Pfeiler ab, um die Festigkeit zu prüfen, schabt über die Fugen, um offene oder lose Stellen zu finden. Insgesamt 14 verschiedene Steinsorten sind im Aachener Dom verbaut – viel zu viele, sagt Maintz.

„Das ist in den letzten Jahrhunderten zustande gekommen und ein Nachteil, denn jeder Stein ist anders, kann zum Beispiel unterschiedlich viel Wasser aufnehmen.“

An einigen Fenstern der Chorhalle ist der schützende Mineralanstrich abgeblättert und auch neben den obersten Fenstern ganz oben auf ungefähr 35 Metern Höhe findet Maintz noch die ein oder andere lockere Fuge an den Pfeilern, durch die Feuchtigkeit kommen könnte – dennoch ist der Dombaumeister soweit zufrieden.

Momentan ist er noch dabei, die gesamte Chorhalle äußerlich zu sichten. „Das sieht bisher im Großen und Ganzen in Ordnung aus“, sagt Maintz, als der Hubwagen wieder unten ist und die Füße der Passagiere fest auf dem Münsterplatz stehen. Vor 15 Jahren wurden die letzten Renovierungsarbeiten an der Chorhalle vorgenommen, insofern sei es zu erwarten gewesen, dass ein paar leichte Schäden entstanden sind. „Da muss jetzt eine pflegende Hand zum Einsatz kommen“, stellt er zwinkernd fest.

Mithilfe seines Werkzeugs hat der Dombaumeister die Möglichkeit, einzelne Steine herauszunehmen und mit einem Hammer nachzubearbeiten – ob der Hubwagen jedoch für die gesamten Arbeiten zum Einsatz kommt oder doch ein Gerüst aufgestellt werden muss und wann die Ausbesserungen stattfinden, muss noch entschieden werden.

Die Chorhalle ist eines der Projekte aus der Aktion „7 für ´14“ im Karlsjahr: Für insgesamt 240.000 Euro sind in diesem und dem vergangenen Jahr sieben Baumaßnahmen am Aachener Dom vom Karlsverein-Dombauverein ermöglicht worden. Die Hälfte der Summe stiftete der Verein, die andere Hälfte wurde durch Spenden finanziert.

So hat die Vorhalle ein neues Dach bekommen, die 29 Außentüren aus Holz sind repariert und einheitlich und wetterfest gestrichen worden und die Holztüren auf dem Westturm haben ebenfalls einen neuen Anstrich für den Wetterschutz bekommen.

In der Nikolaus- sowie der Ungarnkapelle waren Feuchtigkeit und Schimmelbefall die Hauptprobleme, dort schafft eine unterirdische Heizstation, die kalte Luft ansaugt, erwärmt und in den Raum bläst, Abhilfe. Aktuell wird also noch an der Chorhalle sowie an der nördlichen Turmkapelle gearbeitet: Dort hat der gescheckte Nagekäfer ganze Arbeit geleistet, so dass der gesamte Dachstuhl überarbeitet werden muss.

Das neue Projekt des Karlsvereins-Dombauvereins mit seinem Vorsitzenden Hubert Herpers ist die Erneuerung des Dachs für das Sechzehneck. Insgesamt 700 Quadratmeter ist die Bleieindeckung groß und wurde zuletzt vor 55 Jahren erneuert – laut des Vereins müssen Löcher und Risse im Dach mehr als 200 Mal pro Jahr geschweißt werden.

Eine Schwachstelle des Doms also, für die bis zum Jahr 2016 nun drei Bauabschnitte geplant sind – alles, um das Unesco-Welterbe Aachens mit so viel Originalsubstanz wie möglich erhalten zu können.

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