Vernetzungsprojekt des Kinderschutzbundes: Hilfe kann nie zu früh sein

Von: Hans-Peter Leisten
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Das Team der „Frühen Hilfen
Das Team der „Frühen Hilfen”: die Familien-Hebammen Helga Remmen und Ruth Renz sowie Dorotheee Roeb-Flemming (von links). Foto: Andreas Steindl

Aachen. Schon der erste Blick auf den Prospekt macht Spaß. Da grinst den Betrachter ein neuer Erdenbürger so unverschämt positiv an, dass einem das Herz aufgeht. Und das ist ganz im Sinne der Verantwortlichen beim Aachener Kinderschutzbund, die den Flyer zu den „Frühen Hilfen” entwickelt haben: Neugeborene sind etwas Wunderbares und so sollen sie auch behandelt werden.

Und dabei leisten die „Frühen Hilfen” wichtige Hilfestellungen - wenn es denn nötig ist. Seit vier Jahren gibt es jetzt dieses Angebot des Kinderschutzbundes, das längst etabliert ist. Und so konnten Dorothee Roeb-Flemming und ihre Kolleginnen auch die Verabschiedung des neuen Bundeskinderschutzgesetzes Ende 2011 gelassen sehen. Vieles, was dort gefordert wird, wird in Aachen längst praktiziert.

„Wir haben ein gut funktionierendes Netzwerk aufgebaut”, sagt die Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeutin Dorothee Roeb-Flemming, „so haben wir die vielfältigsten Unterstützungsmöglichkeiten für Familien mit Säuglingen im Angebot und können die Hilfen individuell anpassen.” Unter der Federführung der Anlaufstelle Frühe Hilfen des Kinderschutzbundes haben sich viele Partner, u.a. Beratungsstellen, Hebammen, Geburtskliniken, Elterntreffs, familienentlastende Dienste, zusammengeschlossen, um Eltern den manchmal nicht ganz einfachen Start mit ihrem Säugling zu erleichtern. Die Stadt unterstützte den Aufbau der Frühen Hilfen von Anfang an und sicherte die Existenz durch die Übernahme in die Regelfinanzierung in 2008.

Inzwischen sind die Frühen Hilfen fest etabliert, was auch die jüngsten Zahlen belegen. 155 Anfragen im Jahr 2011 bedeuten eine Steigerung von knapp fünf Prozent. Die Anzahl der Kontakte stieg auf deutlich über 2000. Das mag daran liegen, dass die Kontaktaufnahme zum Kinderschutzbund so gut wie nie an Schwellenängsten scheitert. Vor allem die Mitarbeit der beiden Familienhebammen Helga Remmen und Ruth Renz sorgt für enormes Vertrauen. Als Hebammen sind sie nah dran an frischgebackenen Eltern und deren Sorgen, als Familienhebammen haben sie darüber hinaus eine zusätzliche Qualifikation, wenn es um psychosoziale Belastungen geht.

Die Anlaufstelle Frühe Hilfen ist zuständig für alle Familien bis zum vollendeten 1. Lebensjahr des Säuglings. Durch die Geburt eines Kindes ändert sich die Lebenssituation deutlich. „Die Unsicherheit ist groß, der Wunsch nach Unterstützung normal und kein Eingeständnis von Schwäche”, unterstreicht Roeb und versteht dies durchaus als Appell, sich zu melden. So freut sich das Team der Frühen Hilfen auch sehr darüber, dass sich immer mehr Eltern von selbst melden, um Hilfe und Beratung anzunehmen. Vielleicht fällt den Eltern die Inanspruchnahme von Hilfen hier so leicht, weil sie sicher sein können, dass sie in ihren Sorgen ernst genommen und in ihren elterlichen Fähigkeiten gestärkt werden.

Die Zahl der Anfragen stieg bislang von Jahr zu Jahr. Und das alles bei gleich bleibenden Kapazitäten von 50 Wochenstunden. Die Stadt finanziert 45 Stunden, der Rest stammt aus Spenden und Stiftungen. Nichtsdestotrotz gibt es jetzt einen neuen Ansatz, der eine Erfolgsgeschichte zu werden verspricht: die entwicklungspsychologische Beratung. Das ist ein videogestütztes Beratungsverfahren, das den Eltern hilft, die Signale ihrer Kinder besser „lesen” zu können und gut darauf zu reagieren. Die ersten Eltern, die mit dieser Methode gearbeitet haben, sind begeistert. „Der neue Beratungsansatz verbessert unsere Unterstützungsmöglichkeiten enorm. Die Bilder ihrer Kinder erreichen die Eltern viel besser als wir mit dem reinen Sprechen”, so Frau Remmen. Hinter dem Ausbau des Angebots steht allerdings noch ein finanzielles Fragezeichen, ein Antrag über 15 Wochenstunden ist schon bei der Aktion Mensch gestellt. Das Prinzip heißt Hoffnung. Noch sind die „Frühen Hilfen” aber auf selbige angewiesen.
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