Vermerke eignen sich nicht mehr als böse Überraschung

Von: Thorsten Karbach
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Wenn das Halbjahreszeugnis mal nicht so gut ausfallen sollte, kann bis zur Versetzung noch viel aufgeholt werden. Foto: Ingo Latotzki

Aachen. Bei Silke Knauf gibt es keine Überraschungen. Wenn am Freitag die Viertklässler aus der Grundschule Brander Feld ihre Zeugnisse heimbringen, dann wissen die Eltern, was sie erwartet. Nicht nur in Sachen Noten.

Viel mehr noch, was den wichtigen Vermerk über die Eignung für eine weiterführende Schule betrifft. Denn auf dem Halbjahreszeugnis von mehr als 2000 Aachener Grundschülern steht dann, welche Schulform sie ab dem Sommer besuchen können.

Seit dem Schuljahr 2007/2008 ist diese Empfehlung bei der Schulwahl verbindlich. Das hatte viel Wirbel ausgelöst. Mittlerweile habe sich die Situation beruhigt, erzählt Schulamtsdirektorin Ulla Roder, auch weil die Empfehlungen der Schulen den Erwartungen der Eltern in der Regel entsprechen. Und das nicht zufällig.

In den Schulen gibt es einen intensiven Dialog mit den Eltern, wer wissen will, wie sein Kind abschneidet, der weiß es auch. Im Brander Feld gibt es bereits im November einen Elternsprechtag, in dem Lehrer wie Eltern ihre Vorstellungen austauschen. Gibt es Uneinigkeit, findet vor den Zeugnissen ein weiterer Sprechtag statt.

„Die Eltern sollen die Eignung nicht erst mit dem Zeugnis erfahren. Das klappt ganz gut”, sagt die stellvertretende Schulleiterin Knauf. „Es geht immer darum, einen gemeinsamen Weg zu finden. Wir führen ja nicht erst im vierten Schuljahr das erste Gespräch mit den Eltern”, erklärt Monika Wagner, stellvertretende Leiterin der Grundschule Driescher Hof.

Unterschieden wird bei der Eignung zwischen uneingeschränkter und eingeschränkter. Es ist also möglich, dass ein Kind eine Eignung für die Realschule und eine eingeschränkte Eignung das Gymnasium erfährt. In diesem Fall müssen sich die Eltern am Gymnasium beraten lassen. „Das ist verpflichtend”, sagt Roder. Unabhängig vom Ausgang dieser Beratung ist dann aber eine Anmeldung möglich. Ob das Kind dann an dem gewünschten Gymnasium genommen wird entscheidet alleine die entsprechende Schule. Gibt es dort mehr Anmeldungen als Plätze ist die eingeschränkte Empfehlung aber kein grundsätzlicher Grund zur Ablehnung. Hier stellt jede Schule eigene Kriterien auf.

Natürlich gibt es dennoch jedes Jahr unzufriedene Eltern. Die können dann Widerspruch einlegen. Wer Widerspruch einlegt, muss einen sogenannten Prognoseunterricht besuchen. Besteht der Schüler, darf er die nächste „höhere” Schulform besuchen - also ein Kinder mit Realschulempfehlung ein Gymnasium. Dafür müssen alle drei Lehrer, die den Prognoseunterricht leiten, einig sein. Unabhängig von Empfehlungen sind allein die Gesamtschulen, sie können von allen Schülern besucht werden.

Wer eine Realschulempfehlung hat, aber eine Hauptschule besuchen möchte, wird ebenfalls gebeten, am Prognoseunterricht teilzunehmen. „Zudem sind in solchen Fällen die Hauptschulen verpflichtet, in einem Beratungsgespräch daraufhin zu arbeiten, dass der Empfehlung gefolgt wird”, erklärt Roder. Auch wenn es absurd kling: Der einfachste Weg, dennoch die Hauptschule zu besuchen, ist es, sich im Prognoseunterricht möglichst schlecht anzustellen. Und das kommt vor.

43 Kinder im Prognoseunterricht

Landesweit wurden im letzten Jahr 2279 Widersprüche eingereicht - bei 176.000 Grundschülern. 826 Prognoseschüler erreichten anschließend ihre Wunschschulform. In Aachen gab es 47 Widersprüche, woraufhin 43 Kinder den Prognoseunterricht besuchten. Bei 2100 Schülern, die von der Grundschule in die Sekundarstufe I wechselten - macht kaum mehr als zwei Prozent. Zwölf Prognoseschüler überzeugten anschließend und durften eine „höhere Schule” besuchen.

Ansonsten herrschte Einigkeit. „Nach dreieinhalb Jahren hat es viele Gespräche gegeben, und Lehrer und Eltern entscheiden im einvernehmlichen Sinne für ihre Kinder”, sagt Johannes Menne, Leiter der Grundschule Bildchen. Überraschungen? „Die soll es nicht mehr geben.”

Zeugnisse sind immer wieder Auslöser von Konflikten zwischen Kindern, Eltern und Lehrern. Der Schulpsychologische Dienst der Stadt Aachen richtet daher zu den Zeiten der Zeugnisvergabe eine direkte Telefonhotline ein. Am Donnerstag, 28. Januar, von 12 bis 14 Uhr, und am Freitag, 29. Januar, von 9 bis 13 Uhr, sind die städtischen Schulpsychologinnen unter 0241/43245509 erreichbar. In Beratungsgesprächen geben die Schulpsychologinnen unmittelbar Hilfestellungen bei Fragen rund um Zeugnisse und Schul. Unter der Rufnummer ist der Dienst ganzjährig für Terminabsprachen erreichbar. Kontakt ist auch per E-Mail an schulpsychologie@mail.aachen.de möglich.
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