Aachen - Verkehrs- und Umweltverbände fordern konsequentere Maßnahmen

Verkehrs- und Umweltverbände fordern konsequentere Maßnahmen

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Verkehr auf der Wilhelmstraße: Die Umweltverbände sehen auch durch die Baustelle „Aquis Plaza“ weitere Belastungen für die Luftqualität auf die Bürger zukommen.

Aachen. Die jüngsten Messergebnisse für Luftschadstoffe in Aachen zeigen nach Ansicht von ADFC, BUND und VCD, dass noch ein weiter Weg zu einigermaßen gesunder Luft in Aachen zurückgelegt werden muss. Die Umweltverbände fordern daher in einer Presseerklärung verstärkte Anstrengungen auf breiter Basis.

Die beschlossenen Maßnahmen müssten beschleunigt, noch konsequenter umgesetzt werden und weitere effektive Maßnahmen vor allem im Verkehrsbereich müssten hinzukommen. Die Verbände haben hierzu eigene Maßnahmenvorschläge bei der Bezirksregierung Köln eingereicht.

Andere Maßnahmen nötig

Die Stadt Aachen freue sich in einer Pressemitteilung über den positiven Trend der letzten Jahre bei der Verbesserung der Luftqualität. Sie sehe darin einen Erfolg der Aachener Strategie, statt der Ausweisung einer Umweltzone auf andere Maßnahmen zu setzen, die den Schadstoffausstoß verringerten.

Hierzu zähle u.a. die Förderung der umweltfreundlichen Verkehrsmittel Fuß, Rad und Öffentlicher Personennahverkehr. Die Verbände tragen die Aachener Strategie vom Grundsatz her mit. Angesichts der neuen Messergebnisse für 2013 teilen sie die kürzlich geäußerte Euphorie der Stadt über das Erreichte jedoch nicht.

Stickoxide: Der Gesetzgeber schreibe im Jahresmittel einen Gehalt in der Luft von maximal 40 Milligramm/m³ vor. Seit 2007 ist dieser Wert an der Messstelle Wilhelmstraße erst von 55 Milligramm/m³ um fünf Milligramm/m³ auf 50 Milligrammg/m³ gesunken.

Bis zur Unterschreitung des Grenzwerts blieben noch weitere zehn Milligramm/m³. „Auf dem Weg zu einigermaßen guter Luft in Aachen haben wir erst das erste Drittel zurückgelegt. Der größte Teil der Aufgabe liegt noch vor uns“, stellt Ralf Oswald vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) klar.

Feinstaub: Auch dabei sehen die Verbände die Entwicklung mit Sorge. Im Jahr 2013 seien an der Wilhelmstraße mit 46 Tagen mehr Überschreitungen als in den vergangenen sechs Jahren gemessen worden. Gesetzlich erlaubt seien maximaol 35 Überschreitungstage. „Aachen ist damit einer der Spitzenreiter im negativen Sinne in Nordrhein-Westfalen und auch in Deutschland“, führt Norbert Rath vom ADFC aus.

Nur fünf Städte in Deutschland hätten noch mehr Überschreitungstage als Aachen. Die Stadt Aachen führe die hohen Feinstaub-Belastungen 2013 auf die Großbaustelle am Kaiserplatz zurück. Von den Verbänden sei schon im November nachgewiesen worden, dass allein im Zeitraum Januar bis April 2013 – vor Baubeginn – 28 Überschreitungstage zu verzeichnen waren.

Von der örtlichen Bauleitung sei den Umweltverbänden bestätigt worden, dass die staubintensiven Abbrucharbeiten erst ab Mai durchgeführt wurden und vorher nur archäologische Grabungen stattgefunden hätten. Mit Abschluss der Bauarbeiten werde noch eine neue Schadstoffquelle hinzukommen: die neue Tiefgarage des Aquis Plaza mit 650 Plätzen werde zu erheblich mehr Autoverkehr im Bereich Kaiserplatz und Wilhelmstraße führen.

Für Aachen, wo erfreulicherweise immer noch ein hoher Anteil der Einwohner in der Innenstadt wohne und das auf seinen Titel als Kurstadt setze, seien die Schadstoffwerte weiterhin völlig inakzeptabel. Die Verbände warnen davor, zuviel Hoffnung in die allgemeine Modernisierung der Fahrzeugflotte im Aachener Stadtgebiet zu setzen, weil durch die Abwrackprämie der Bundesregierung im Jahr 2009 bereits viele „Dreckschleudern“ aus dem Verkehr gezogen worden seien.

Wer wirklich gesunde Luft für Aachens Einwohner wolle, der komme an einer wesentlichen Verringerung des motorisierten Kraftfahrzeugverkehrs und einen Umstieg vieler Menschen auf den ÖPNV, das Rad oder die eigenen Beine nicht herum.

Kurzfristige Verbesserungen

Die Umwelt- und Verkehrsverbände sehen sich in der Verantwortung und haben einen umfangreichen Maßnahmenkatalog erarbeitet, welchen sie bei der Bezirksregierung Köln im Rahmen der anstehenden Überarbeitung des „Luftreinhalteplans 2014“ eingereicht haben. Mit diesen Maßnahmen ließen sich auch kurzfristig Verbesserungen bei der Luftqualität erreichen.

Dazu zähle die Einführung von Tempo 30 auf weiteren Straßen wie z.B. dem Grabenring, ein Vorrangnetz für den Radverkehr von den Außenbezirken in die Innenstadt, höhere Preise für das Parken im Straßenraum und zusätzliche Kapazitäten im Busverkehr auf den stark belasteten Hauptachsen.

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