Verkaufsoffener Sonntag: Politik staunt teils über sich selbst

Von: Stephan Mohne
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Bild der Vergangenheit? Nach dem Ratsbeschluss gegen verkaufsoffene Sonntage wird nun nach einer Kompromisslösung gesucht. Auch Gegner des Einkaufssonntags signalisierten Gesprächsbereitschaft.

Aachen. Was ist denn jetzt passiert? Einige Ratsleute, die am Mittwoch die Hand gegen die verkaufsoffenen Sonntage gehoben hatten, schienen selbst am meisten überrascht. Denn plötzlich und erstmals gab es eine Ratsmehrheit gegen die vom Märkte- und Aktionskreis City (MAC) eingereichte Terminliste. Ein Knalleffekt.

Denn das bedeutet, dass es nach jetziger Beschlusslage gar keinen verkaufsoffenen Sonntag geben wird - weder in der City noch in den Bezirken oder in Burtscheid. Am Tag danach brach der Sturm der Entrüstung über manchen herein. Bei einigen Politikern stand das Telefon nicht mehr still, ebensowenig bei MAC-Geschäftsführer Manfred Piana, der den Rat bereits arg gerüffelt hatte („Die spinnen!”).

Motto am Donnerstag: Retten, was noch zu retten ist! Am Morgen kamen Piana und OB Marcel Philipp zusammen, um zu beratschlagen, wie man diese Kuh doch noch vom Eis zieht. Letzterer hatte schon nach der Ratssitzung die Fraktionschefs zum Krisengipfel gebeten. Auch in den vergangenen Jahren stimmten schon zunehmend mehr Ratsleute gegen diese Liste. Es blieb aber immer eine satte Mehrheit dafür.

Doch vor allem in der CDU hatte bei manchem ein - offenbar kurzfristiger - Sinneswandel stattgefunden. Aus Reihen der Christdemokraten hoben deutlich mehr Ratsleute die Hand gegen die Sonntagsöffnung, als Fraktionschef Harald Baal erwartet hatte: „Am Montag in der Fraktionssitzung sah das noch anders aus.” Ebenso wie die SPD und die Grünen hatte die CDU ihren Mitgliedern freigestellt, wie sie im Rat abstimmen.

Manfred Piana bekundete, „heiße Ohren” vor lauter telefonieren zu haben. Der Einzelhandel werde sich nun absprechen und am Ende wohl einen neuen Antrag einreichen. Das muss schnell gehen, schließlich benötigen verkaufsoffene Sonntage einigen organisatorischen Vorlauf.

Die nächste Ratssitzung findet erst am 21. April statt, der erste offene Sonntag war aber schon für den 25. April in Eilendorf beantragt. Und dann kommt bereits jener 2. Mai, der bei manchem Politiker als Termin für einen verkaufsoffenen Sonntag - so in der City, in Burtscheid, Laurensberg und Richterich geplant - besonders schlecht ankommt. Denn er hätte dem Handelspersonal ein längeres Wochenende beschert, ist doch der freie „Tag der Arbeit” ein Samstag.

Diesen 2. Mai muss sich der Handel aber wohl „abschminken”, er könnte bei einer möglichen neuen Abstimmung wieder die Kontra-Stimmen beflügeln. Zum Beispiel die Gegner in Reihen der Grünen verlangen eine deutliche Reduzierung der Termine, wie Fraktionssprecher Michael Rau deutlich machte. Er mahnte den MAC, demnächst besser vorher einmal das Gespräch mit der Politik zu suchen. Prinzipiell signalisierte er Gesprächsbereitschaft.

SPD-Fraktionschef Heiner Höfken bekundete: „Damit hatte wohl kaum jemand gerechnet. Bisher ist es ja noch immer gut gegangen.” Linke-Fraktionsvorsitzender Andreas Müller bezeichnete die Abstimmung als „Sternstunde”. Sie zeige dem Handel, dass der Rat „keine Abnickmaschine” sei. Die Linken wollen weiter bei ihrer kategorischen Ablehnung bleiben. Die FDP hält das für Unsinn: „Ein verkaufsoffener Sonntag ab 13 Uhr hält niemanden davon ab, in die Kirche zu gehen.

Und manche Verkäuferin will wegen der Zuschläge sogar am Sonntag arbeiten”, so Ratsfrau Sigrid Moselage. Von den „Kleinen” hatte indes nur FWG-Mann Hans-Dieter Schaffrath für den offenen Sonntag gestimmt. Er sei notwendig im Wettbewerb, aber auch für die eigenen Bürger eine Bereicherung.

Ein „Nein-Sager” vom Mittwoch hatte es am Donnerstag schwer: Ernst-Rudolf Kühn, CDU-Ratsherr in der City, wurde geradezu bestürmt. Am Donnerstag sagte er, sich durchaus weiter offene Sonntage vorstellen zu können - aber eben insgesamt weniger. Vieles deutet also auf Kompromisse hin. Manfred Piana betont, man werde versuchen, „die Situation zu heilen”. Seine Kritik hält er aufrecht: „Die Politik muss sich überlegen, ob Aachen ein Oberzentrum bleiben soll oder zur Provinzstadt wird.”
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