Aachen - Verkaufsoffene Sonntage: Für Verdi „ein Frontalangriff”

Verkaufsoffene Sonntage: Für Verdi „ein Frontalangriff”

Von: Sarah Sillius
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Gewerkschaftssekretär Christian Lindner ist gegen die Arbeit an Sonntagen. Foto: Michael Jaspers

Aachen. „Das macht mich traurig, aber auch sauer”, sagt Christian Lindner, Verdi-Gewerkschaftssekretär. Vor ihm hat er seinen offenen Brief liegen. Daneben die Antwort von OB Marcel Philipp, mit der Lindner ganz und gar nicht zufrieden ist.

Lindners Brief an den OB und die Ratsfraktionen nimmt mit kämpferischen Formulierungen Bezug auf die geplanten verkaufsoffenen Sonntage des Märkte- und Aktionskreises City (MAC). Lindner nennt die Pläne eine „Dreistigkeit”.

Prinzipiell dagegen

Verdi spricht sich prinzipiell gegen verkaufsoffene Sonntage aus. Insbesondere geht es der Gewerkschaft um den 1. Mai, den „Internationalen Kampftag” und einzigen Feiertag in der Verfassung des Landes NRW, schreibt Lindner. Dies sei „ein Frontalangriff auf die Gewerkschaften”. Auch einen verkaufsoffenen Sonntag am 2. Oktober prangert er an. Lindner stützt sich dabei auf eine Befragung von 400 Einzelhandelsbeschäftigten. 44 Prozent würden unter schlechten Arbeitsbedingungen leiden.

Auf AZ-Anfrage nimmt MAC-Geschäftsführer Manfred Piana Stellung zu den Vorwürfen. „Es ist nie ein Problem, Personal für die Sonntage zu finden”, erklärt er. Viele würden an diesen Tagen gerne arbeiten, es gebe ja auch Zuschläge für diese Zusatzdienste.

„Freiwilligkeit eine Farce”

Lindner sieht das anders. Von Seiten der Arbeitgeber werde zwar betont, dass die Arbeitnehmer gerne und freiwillig sonntags arbeiten. „Aber diese Freiwilligkeit ist eine Farce! Würde ein Leiharbeitnehmer, der auf einen festen Arbeitsplatz hofft, die Arbeit am Sonntag ablehnen?” Piana verweist in dem Punkt auf die Betriebsräte, die dafür sorgen würden, dass die vertraglichen Bedingungen eingehalten werden.

Lindner ärgert sich auch über die Reaktion des OB. „Marcel Philipp hat in seiner Email mit nur zwei Sätzen geantwortet. Die Beschäftigten im Einzelhandel scheinen ihm ziemlich egal zu sein”, lautet sein Vorwurf. Philipp bestätigt gegenüber dieser Zeitung, dass er ein solches Gesprächsangebot nicht annehmen wollte. „Der Stil des Briefes ist nicht geeignet als Grundlage für ein sachliches Gespräch”, wiederholte er den zweiten Satz seiner Email. Allerdings wünsche er sich ein einvernehmliches Konzept. Er gehe davon aus, dass die beiden umstrittensten Sonntage am 1. Mai in Burtscheid und am 2. Oktober in Walheim nicht in den Entwurf aufgenommen werden. Einige Ratsleute haben Bedenken geäußert, wie auch Piana bestätigte.

Lindner wird sich damit wohl kaum zufrieden geben. „Ich bin verwundert, wie sich die Politik von der Wirtschaft treiben lässt.” Er erwarte eine intensive Auseinandersetzung der Fraktionen mit dem Thema. Dabei solle sich die CDU an ihr „C” erinnern und die SPD an ihre Wurzeln. Darüber hinaus plant Lindner, eine „Allianz für den freien Sonntag in Aachen” ins Leben zu rufen.
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