Vergessener Fund aus den 60er Jahren

Von: Oliver Schmetz
Letzte Aktualisierung:
windowbildzwei
Verdreckt, versteckt, vergessen: Aachens ältestes archäologisches Fenster an der Rathausfront soll aufgemöbelt werden. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Es ist ein Fenster, aber man kann nicht hindurchsehen. Es ist sogar ein archäologisches Fenster, weil unter ihm wichtige Relikte aus der Karolingerzeit schlummern - aber man sieht ja nichts. Und es ist so alt und so in Vergessenheit geraten, dass vielen Aachenern seine Existenz fast schon wieder wie eine archäologische Entdeckung erscheinen mag.

Dabei liegt Aachens ältestes archäologisches Fenster an prominenter Stelle: an der Vorderfront des Rathauses im Marktpflaster, direkt neben dem „Postwagen”. Bloß sieht es eher aus wie ein altes Kellerloch - mit einer Abdeckung aus dickem, dreckigem und blickdichtem Glas, das teils zersprungen ist.

Wenn man ganz genau hinschaut, kann man durch ein kleines Loch einen Blick auf wucherndes Unkraut erhaschen. Aber das Ganze sieht eher so aus, als hätte schon seit vielen Jahren keiner mehr so genau hingeschaut.

Schon Hugot hatte diese Idee

Was wohl auch so ist: Aachens Stadtarchäologe Andreas Schaub schätzt, dass das erste archäologische Fenster der Stadt in den 60er oder 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts entstanden sein muss: „Dafür war wohl noch Leo Hugot verantwortlich.” Interessant findet Schaub, dass es bereits unter dem damaligen Dombaumeister und Stadtkonservator „die Idee gab, archäologische Funde dauerhaft sichtbar zu machen”.

Der aktuelle Trend, an verschiedenen Stellen der Stadt Fenster in die Vergangenheit zu öffnen, sei somit gar nicht so neu. Allerdings verpuffte die Idee damals wieder, wofür der heutige Stadtarchäologe auch Hugots plötzlichen Tod im Jahr 1982 verantwortlich macht: „Damals hat die Stadtarchäologie in Aachen einen Knacks bekommen.” Das archäologische Fenster am Rathaus geriet mit und mit in Vergessenheit - bis heute.

Denn nun soll das Guckloch im historischen Marktpflaster aufgemöbelt und somit jedermanns Blick in die Rathausvergangenheit neu geschärft werden. Zu sehen sind dort Reste der karolingischen Originalsubstanz des Bauwerks. Und da die Karolinger an dieser Stelle auch Teile eines römischen Grabsteins zweitverwertet haben, „trifft dort die Antike aufs Mittelalter”, erklärt Schaub. In jedem Fall werfe die (Wieder-)Entdeckung einen „ganz netten Spot” auf die Stadtgeschichte, der gut in die Serie der jüngsten archäologischen Funde in der Innenstadt passe, meint der Stadtarchäologe.

Erneuert werden soll das Fenster in der zweiten Jahreshälfte, erklärt Christiane Gastmann, Leiterin des städtischen Fachbereichs Stadtentwicklung und Verkehrsanlagen, auf Anfrage. Was das kostet, ist noch unklar. „Es gibt erst eine ganz grobe Planung”, sagt Gastmann. Aussehen soll es aber ähnlich wie das Guckloch an der Klappergasse, das auf einem eigenen „Korpus” erhöht liegt. „Das ist für die Passanten zum Hineingucken einfacher”, sagt Gastmann. Vor allem, wenn man dann auch wieder durchs Glas hindurchsehen kann.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert