Vergebliches Warten auf das Jobcenter

Von: Matthias Hinrichs
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Aachen. Am Ende wird Sascha G. seinen langen Kampf gegen die Mühlen der Jobcenter-Bürokratie möglicherweise verlieren.

Die Rechtslage, befinden gegenüber der AZ jedenfalls die Experten in der Eschweiler Amtszentrale, sei eindeutig: G. habe schlicht keinen Anspruch mehr auf Rückerstattung der Nebenkosten für seine Wohnung. Nach seiner Rechnung beläuft sich die offene Summe inzwischen auf 1137,94 Euro aus den Jahren 2012 und 2013.

Allein: „Zum Zeitpunkt der jüngsten Anträge war er nicht mehr unser Klient, sondern bereits in Rente“, stellt Behördensprecher Christian Neuß klar. In der Tat wechselte G. im April 2013 in den Ruhestand. „Damit gibt es für uns keinen Handlungsspielraum, wir sind nicht mehr zuständig“, sagt Neuß. Selbstverständlich könne G. Widerspruch gegen einen entsprechenden Bescheid einlegen. Was er zu tun gedenkt, sobald der Schrieb in seinem Briefkasten gelandet ist.

Doch dies war zumindest bis vor wenigen Tagen noch nicht der Fall – und genau dieser Umstand bringt den ehemaligen Hartz-IV-Empfänger besonders in Rage. „Da ich die Nebenkostenabrechnung für meine Wohnung immer erst im Oktober des darauf folgenden Jahres erhalte, kann ich natürlich auch erst zu diesem Zeitpunkt einen Antrag auf Erstattung stellen“, betont G.

Dies habe er umgehend, nämlich Mitte Oktober 2013 (für 2012) sowie Mitte Oktober 2014 (für 2013) erledigt. „Statt sich um mein Anliegen zu kümmern, hat man mich aber immer wieder abgewimmelt – unter anderem sogar mit dem Hinweis, derzeit bestehe wegen akuten Personalmangels und einer aktuell laufenden Umstellung auf eine neue Computer-Software sowieso keine Chance, ihn rechtzeitig zu bearbeiten“, zürnt G.

Das weist Neuß allerdings zurück. „In der Tat wird unser Computer-System bis Juni kommenden Jahres nach und nach umgestellt; zu längeren Wartezeiten kommt es aufgrund dessen aber in der Regel nicht.“

Dennoch: Warum auch G.s Antrag aus dem Jahr 2013 trotz etlicher Anfragen über viele Monate hinweg nicht beschieden wurde, kann auch der Behördensprecher nicht erklären: „Da ist offensichtlich etwas schief gelaufen.“

Sacha G. setzt jetzt auf Unterstützung durch einen Anwalt. Der habe ihm erklärt, dass er sehr wohl Anrecht auf eine Kostenerstattung habe. Und: „Ich verstehe einfach nicht, warum das Jobcenter mich so lange einfach hat hängen lassen“, sagt er. „Ich kann mir kaum vorstellen, dass ich der einzige bin, dem es so geht.“

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