AZ App

Verfahren gegen drei wegen versuchten Mordes angeklagte Männer

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Im Verfahren gegen drei wegen versuchten Mordes angeklagte Männer aus Aachen geht es am Donnerstag mit Anträgen der Verteidigung des jüngsten Angeklagten, Boxer Denis S. (24), weiter.

Seine Anwältin Martina Nadenau ist sicher, dass ihr Schützling zu Unrecht von Zeugen und der Staatsanwaltshaft beschuldigt wird, am 17. Juni 2013 bei einer Schießerei überhaupt zugegen gewesen zu sein. In dem Verfahren vor einer Schwurgerichtskammer am Aachener Landgericht (9 Uhr, Raum A 0.009) wird die Beweislage gegen Denis S. und einen weiteren Angeklagten, den Security-Unternehmer Christian V. (36), dünner.

Also wird die Anwältin bei Richter Hans Wimmer erneut beantragen zu prüfen, ob ihr Mandant angesichts der Umstände, die sich bislang aus der Hauptverhandlung ergeben haben, umgehend auf freien Fuß gesetzt werden muss. Hintergrund ist eine Fehde zwischen vormals befreundeten Gruppen. Auf der einen Seite steht eine hauptsächlich an der Feldstraße/Ecke Metzgerstraße wohnende Familie.

Dort lebt die Mutter von vier Söhnen, denen wohl an jenem 17. Juni die Schüsse galten. Denis S. und Christian V. waren insbesondere mit einem der jungen Männer befreundet, traten oft sogar als Schutz für diesen auf. Die jungen Männer sollen auf Partys immer wieder in Schwierigkeiten insbesondere mit anderen Security-Kräften gekommen sein.

Doch das Klima änderte sich, als Denis S. von einem der Brüder aus nichtigem Anlass in einer Bar tätlich angegangen wurde. Schon gingen SMS-Nachrichten hin und her, die Lage schaukelte sich auf. Die Sache sollte zunächst „wie unter Männern“ im Kampf gegeneinander ausgetragen werden. Dann machte die Seite um die Brüder aus der Feldstraße mobil, die eifrig Unterstützer um sich sammelten.

So auch am Tattag, als die Situation eskalierte und die Schüsse fielen. Der dritte Angeklagte, Gabriel V. (29), hatte am vergangenen Verhandlungstag gestanden, an diesem Abend in der schwarzen Mercedes-Limousine gesessen und aus dieser heraus geschossen zu haben. Aber: Sein mitangeklagter Halbbruder Christian V. und der noch am gleichen Abend ebenfalls verhaftete Denis S. hätten keineswegs in dem Auto gesessen.

Denis S. sei eben nicht gefahren, sondern ein weiterer Freund, der sich kurz nach der Tat zunächst aus dem Staub gemacht habe. Doch später sei er, so Anwältin Nadenau, „mit gepackter Tasche“ zur Polizei gegangen und habe ein Geständnis abgelegt. Doch die Staatsanwaltschaft habe davon nichts wissen wollen, die Polizei ließ ihn laufen. Auch er wird heute als Zeuge vernommen. Als weitere Person habe im Wagen ein dritter Mann namens „Cem“ gesessen, der in der Türkei untergetaucht sei, heißt es.

Gleichfalls hatte einer von der Gegenseite – aus der Reihe der beschossenen Brüder – seine Aussage vor Richter Wimmer relativiert. Er sei sich nicht mehr sicher, ob er die beiden, Denis S. und Christian V., wirklich im Auto habe sitzen sehen, sagte er. Doch zwei seiner Brüder blieben wiederum bei ihren Aussagen. Sie zeigten jedoch erhebliche Belastungstendenzen, die vor Gericht meist nicht gut ankommen.

So wird der Verhandlungstag am Donnerstag mit Spannung erwartet. Heute wird erstmals als Sitzungsvertreter der Staatsanwaltschaft Wilhelm Muckel erscheinen, der die Ermittlungen von Beginn an leitet. Ein Zeichen?

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert