Vereinssport im Jahr 2016: Bewegende Momente mit guter Perspektive

Von: Hans-Peter Leisten
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Aachens Lust auf Sport steigt: beim Firmenlauf genauso wie bei Angeboten für Senioren und Kleinkinder. Foto: Andreas Schmitter
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Aachens Lust auf Sport steigt: beim Firmenlauf genauso wie bei Angeboten für Senioren und Kleinkinder. Foto: Andreas Steindl
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Vielfältige Angebote: Ob ältere Menschen, die sich fit halten wollen, oder die ganz Kleinen – der PTSV bietet für jede Altersklasse Kurse an. Um die Bedürfnisse der Mitglieder noch besser zu befriedigen, werden diese im Herbst Foto: Andreas Steindl
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Bewegen im Kennedypark: Die Aktion „Sport im Park“ ist ein Erfolg. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Es kommt Bewegung in unsere Stadt. Die handelnden Akteure sind in diesem Falle die Bürger selbst. Die Zahl der Veranstaltungen im Breitensport nimmt seit einigen Jahren unübersehbar zu. Sport in Aachen ist angesagt. Ein offensichtlicher Beleg war im Jahr 2016 der Firmenlauf rund um den Campus Melaten. Er verzeichnet einen nicht zu erwartenden Zulauf. Rekordverdächtig.

Was in anderen Städten bereits ein Erfolgsmodell war, sollte 2012 auch in Aachen getestet werden. 2600 Laufbegeisterte oder -interessierte gingen bei der Premiere am Hangeweiher an den Start. Die Initiatoren freuten sich über den Starterfolg, hätten aber in kühnsten Träumen nicht gehofft, dass bis zur fünften Auflage 2016 die Zahl der Starter und Starterinnen auf gut 7000 hochschnellen sollte.

„Ein klares Indiz für das Laufinteresse der Öcher“, sagt Daniel Gier. Der Geschäftsführer von MedAix war einer der Hauptinitiatoren und ist heute Cheforganisator des Firmenlaufs. Er ist Netzwerker und hat eine klare Parole herausgegeben: „Wir wollen die Bevölkerung breit in Bewegung bringen.“

Dies ist offensichtlich zu weiten Teilen gelungen – oder gar nicht mehr nötig, denn ein Blick in den Aachener Laufkalender zeigt eine enorme Vielfalt. Es gibt seit Jahrzehnten den ATG-Winterlauf, den Sylvesterlauf des DLC, den Benefizlauf rund ums Waldstadion, den B2Run-Lauf der DAK als Firmenlauf am Reitstadion, den actimonda-Tivolilauf mit Alemannia, den Printen-Crosslauf der ATG, den Kitzenhauslauf von Inde Hahn, den Soli-Lauf für die Arbeitslosenprojekte, den Lousberglauf der RWTH, diverse Sponsorenläufe, den Nachtlauf, den Friedenslauf der Schulen von Pax Christi und seit zwei Jahren auch den ATG-Herbstlauf als jüngstes Kind.

Hier darf wirklich gesagt werden: für jeden etwas dabei. Hier sieht Gier genau wie Günter Drießen, Leiter der ATG-Leichtathletikabteilung, direkte Zusammenhänge. Sie sind sich einig: Firmenläufer von heute sind Sylvesterläufer von morgen und die Winterläufer von übermorgen. In diesem Satz steckt eine zweite wichtige, indirekte Aussage für die Landschaft der Aachener Sportvereine: Sie suchen viel mehr die Kooperation als die Konkurrenz. Auch Günter Drießen sagt: „Wir wollen das Miteinander, wir wollen die Menschen bewegen.“

Erfolgreicher „Sport im Park“

Ansätze haben sich gerade im Jahr 2016 vermehrt. Zum Beispiel durch die Aktion „Sport im Park“, die Premiere gefeiert hat. Einfacher geht Sporttreiben nicht mehr – das Angebot ist kostenlos, unverbindlich, jeder kann mitmachen. In Aachens Parkanlagen wurden so im ersten Jahr über sechs Wochen 275 Sportkurse angeboten. Am Ende wurden 7200 Teilnehmer gezählt, die geschätzte 5,5 Millionen Kalorien verbrannt und dabei 785 Kilo verloren haben. Bemerkenswert ist, dass es hier bereits zu einer erfolgreichen Kooperation von kommerziellen Sportanbietern und Vereinen gekommen ist, die Stadt saß als Partner mit im Boot.

Was von vielen Experten durchaus als Modell der Zukunft angesehen wird. Sie sehen den Trend zu mehr Sport als eine gesamtgesellschaftliche Entwicklung. Viele Menschen wollen möglichst fit ein höheres Alter erreichen. Gepaart mit den flexibleren Anforderungen des Berufslebens stellen sich viele Sportinteressierte ihr eigenes, zeitlich flexibles Programm zusammen. Die Kombination aus Vereinssport, Studio und Personal Coach wird immer beliebter. Und die Berührungsängste zwischen den Beteiligten schwinden zusehends. So haben sich bei „Sport im Park“ zahlreiche Fitnessanbieter und Gesundheitsstudios an die Seite der ATG und Aachen Vampires gestellt.

Auch die Vereine reagieren mit ihren Angeboten auf die veränderten Anforderungen. Zum Beispiel der PTSV, der sich mitnichten alleine über die Volleyballerinnen „Ladies in Black“ definiert. Mit rund 3250 Mitgliedern (eigene aktuelle Angabe) ist der Verein der drittgrößte. Trotz der Bundesligistinnen versteht sich der PTSV als „Dienstleister in Sachen Breitensport“, wie der Vorsitzende Dr. Frank Schidlowski bei der Präsentation des Zukunftskonzeptes unterstrich.

Der Verein vom Eulersweg setzt auf qualifizierte Übungsleiter und den Ausbau des Angebotes – personell wie baulich. Hier sollen neben den jüngeren Sportinteressierten stärker die älteren angesprochen werden. Der „Best Ager“ wird immer interessanter – nicht zuletzt, weil das Gesundheitsbewusstsein zunimmt.

Dieser Trend hat einen positiven Nebeneffekt, der sich im steigenden Sponsoring einiger Sportartikelhändler an vielen Aachener Veranstaltungen spiegelt. Sie finden einen wachsenden Markt von der Bekleidung bis zur Fitnessuhr als Smartwatch mit GPS. Die sind bei den Aachener Firmenläufen gewiss nicht nötig.

Diese sind als Teambuilding-Maßnahmen der Unternehmen ins Leben gerufen worden, bieten aber den perfekten Start in eine Läuferkarriere. Im Schutz der Gruppe braucht niemand Angst vor blamablen Zeiten zu haben – das Gemeinschafts- steht zunächst vor dem Sporterlebnis. Auch der große Firmenlauf 2017 dürfte wieder die Maximalzahl von 7000 Teilnehmern erreichen. Er wird wieder auf dem Campus Melaten stattfinden – am Freitag, 29. September.

Unabhängig vom Trend zum Breitensport hat auch der Spitzensport durchaus ein erfolgreiches Jahr 2016 hinter sich. Dem PTSV ist es mit einem Kraftakt gelungen, Erstliga-Volleyball in Aachen zu erhalten. Die größte Erfolgsgeschichte hat aber sicherlich der TK Blau-Weiß Aachen geschrieben, der sich neben dem mehrfachen Deutschen Meister TK Kurhaus überraschend früh in der 1. Tennis-Bundesliga etabliert hat.

Auch die Damen haben den Wiederaufstieg in die 1. Liga geschafft. Michael Nobis, Blau-Weiß-Präsident, spricht von einem Transfer in die Jugend: „Die jungen Leute sind noch motivierter, Leistung zu zeigen und aus ihrem Talent mehr zu machen.“ Die Nachfrage nach Trainingszeiten steigt enorm. „Genau das haben wir uns von dem Schritt in die oberste Liga versprochen“, unterstreicht Nobis. So konnte man jüngst auch einen weiteren hochqualifizierten und erfahrenen Trainer für den gesamten Trainingsbereich gewinnen. 735 Mitglieder, davon 223 Jugendliche, hat Blau-Weiß inzwischen. Der Klub ist in der Erfolgsspur.

Kehrseite: Gerade im Winter fehlen unübersehbar Platzkapazitäten, und das für die Jugendlichen genauso wie für die Spitzenspieler. Teilweise fahren die Aktiven bis Kerkrade, um das Racket zu schwingen. Die Trainer tingeln, die Spieler tingeln – was den Trainingsbetrieb nicht vereinfacht. „Die Stadt steht uns mit Rat und Tat zur Seite – aber wir brauchen Platz für den Winter.“ Im Verbund mit anderen Vereinen wird am Projekt einer eigenen Halle gefeilt. Ein Projekt, das konkrete Formen annimmt. „Wir wollen nichts geschenkt und planen derzeit alles in Eigenregie. Aber wir warten noch auf grünes Licht von der Stadt.“

Die Hallenproblematik, die im Großen die Aachener Sportszene begleitet, findet sich auch in kleineren Varianten wieder. Das Lied der fehlenden großen Halle wird gewiss 2017 um eine weitere – und nicht die letzte – Strophe fortgeschrieben. Immerhin hat OB Marcel Philipp jüngst nicht mehr das „ob“ einer Halle, sondern nur noch das „wie“ und „wo“ skizziert. Die größte Aufgabe für die Aachener Sportlandschaft bleibt.

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