Verein zeigt, wie es ist, mit einer körperlichen Behinderung zu leben

Von: Julia Gröbbels
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Lehrreiche Erfahrung: Schüler des Geschister-Scholl-Gymnasiums haben zusammmen mit Vertretern des Vereins „Gips“ gelernt, wie es sich anfühlt, als Blinder unterwegs zu sein. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Mit diesem abgewandelten Star-Wars-Zitat „Möge die Dunkelheit mit euch sein“ begrüßt Horst Boltersdorf die Schülerinnen und Schüler der Klasse 6c des Geschwister-Scholl-Gymnasiums. Und dunkel wird es bald tatsächlich für sie.

Nachdem die Schüler ihre „Verdunkelungsbrillen“ aufgesetzt haben, tasten sie sich – ausgerüstet mit einem Blindenstock – vorsichtig Schritt für Schritt durch einenParcours aus Stühlen und Mitschülern, die verschiedene Hindernisse im Straßenverkehr darstellen sollen. Auf diese Weise erfahren sie hautnah, was für Boltersdorf, der sich den Schülern nur mit seinem Vornamen Horst vorstellt, alltäglich ist. Sie lernen, wie es ist, blind zu sein.

„Wir möchten den Schülern zeigen, was Menschen mit einem körperlichen Handicap alles selbstständig machen können“, so der Geschäftsführer des Vereins „Gips Spielen und Lernen“, Hans Diederen. Die Abkürzung „Gips“ steht für „Gehandicapt Informationsprojekt Schule“. Dahinter verbirgt sich ein Verein, der vor 25 Jahren in Maastricht gegründet wurde und inzwischen in Deutschland, Belgien und den Niederlanden insgesamt 175 Mitarbeiter zählt. „Jährlich besuchen wir etwa 6000 Schüler zwischen zehn und zwölf Jahren und zeigen ihnen, wie es ist, mit einem Handicap zu leben“, so Diederen. Seit diesem Jahr ist der Verein unter der Leitung von Horst Boltersdorf auch in der Städteregion Aachen tätig.

Das Geschwister-Scholl-Gymnasium ist die erste Schule der Städteregion, in der das Projekt startet. An verschiedenen Stationen lernen die Sechstklässler beispielsweise Grundbegriffe der Gebärdensprache kennen, können die Blindenschrift erkunden oder in einem Rollstuhl-Parcours ihr motorisches Geschick unter Beweis stellen. Begleitet werden die Schüler an den einzelnen Stationen von Mitgliedern des Vereins, die selbst im Rollstuhl sitzen, blind oder gehörlos sind. „Ein Ziel des Projektes ist es, die Barrieren abzubauen, die im Umgang mit behinderten Menschen besonders in den Köpfen immer noch existieren“, sagt Diederen. Bei Kindern im Alter zwischen zehn und elf Jahren sei dies am noch am Besten möglich. Später, in der Pubertät, sei ein solches Projekt schwerer umzusetzen. Und weiter meint er: „Das zeigt sich besonders in der Fragestunde, die ebenfalls Teil des Projektes ist. Dort scheuen sich die jungen Schülerinnen und Schüler nicht, Fragen zu stellen, die häufig auch sehr privat sind; bei Jugendlichen und Erwachsenen ist die Hemmschwelle da oft schon zu groß“.

Selbstbewusster auftreten

Dabei könnten durch direktes Nachfragen häufig Missverständnisse vermieden werden, die durch ein„Lieber-Nicht-Nachfragen“ entstünden, so Diederen. Aber nicht nur für die Schüler bringe das Projekt eine Wahrnehmungsänderung mit sich. „Durch ihre Mitarbeit beim Schulprojekt akzeptieren viele unserer Mitglieder ihre Behinderungen mehr und können viel selbstbewusster auftreten“, stellt Diederen fest. Wer Interesse habe mitzumachen, könne sich gerne beim Verein melden. „Wir brauchen immer engagierte Menschen, die Lust auf die Arbeit mit Kindern haben“, sagt er. Schließlich sei es ein abwechslungsreiches Projekt, das viel Spaß macht und von dem beide Seiten enorm profitieren.

Menschen mit einer körperlichen Behinderung, die sich für die ehrenamtliche Mitarbeit bei „Gips“ interessieren, können sich unverbindlich per Mail unter boltersdorfhw@googlemail.com melden.

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