Aachen - Verein der Kehlkopfoperierten hilft Betroffenen seit 45 Jahren

Verein der Kehlkopfoperierten hilft Betroffenen seit 45 Jahren

Von: Rolf Hohl
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Wege heraus aus der Isolation und zu einem normalen Leben: Der Aachener Verein der Kehlkopfoperierten hilft den Betroffenen seit 45 Jahren - auch in Kooperation mit der HNO-Klinik des Aachener Universitätsklinikums. Auch Gäste schauen bei den Treffen vorbei, wie hier Sänger Mario Tagadhossi. Foto: Andreas Herrmann: Foto: Andreas Herrmann:

Aachen. Mehr als 17.000 Menschen erkranken jedes Jahr in Deutschland an Krebs im Kopf-Hals-Bereich – alleine rund 4000 davon an Kehlkopfkrebs. Trotzdem führen die Betroffenen oft ein Leben in der gesellschaftlichen Abgeschiedenheit, bedingt durch die eigene Unsicherheit und die Ausgrenzung durch andere Leute.

Der Bezirksverein der Kehlkopfoperierten Aachen stemmt sich seit über 45 Jahren dagegen und macht Hilfesuchenden Mut für die Zeit nach der Operation.

Diese Zeit, so beschreibt es Hildegard Dudda, sei für viele wie ein zweites Leben. Sie ist die Vorsitzende des Vereins und selbst vor einigen Jahren schwer erkrankt. Die Kehlkopfoperation hat ihr das Leben gerettet, aber um sich unterhalten zu können, benötigt sie seither eine Sprechhilfe. So geht es den meisten der derzeit 63 Mitgliedern des Vereins, die sich mit regelmäßigen Treffen im Café „Zur Hüls“ und gemeinsamen Unternehmungen die Lust am Leben nicht verderben lassen.

„Wir bieten schon vor einer Operation umfassende Aufklärung für Betroffene an und sorgen danach dafür, dass sie nicht orientierungslos dastehen, sobald sich die Kliniktüren hinter ihnen schließen“, erklärt Dudda. Dabei ziehen Kehlkopferkrankungen wie Entzündungen, Zysten, Geschwüre und Krebs oft nachhaltige Beeinträchtigungen nach sich: Weil sich an dieser Stelle viele Nerven bündeln, die etwa die Stimmbänder und den Schluckvorgang steuern, können eben diese Funktionen je nach Schwere der Erkrankung nach einer Operation dauerhaft verloren gehen.

Diese Gefahr ist es, die die Diagnose zu einem drastischen Einschnitt im Leben der Betroffenen macht. Deswegen gibt es schon seit jeher eine Kooperation zwischen der HNO-Abteilung der Uniklinik und dem Verein der Kehlkopfoperierten Aachen. „Von Anfang an ist diese Zusammenarbeit sehr wichtig, damit die Patienten die Geschichten von anderen Menschen kennenlernen, die eine solche Erkrankung schon gut überstanden haben“, sagt Martin Westhofen, HNO-Klinikdirektor an der Uniklinik Aachen.

Denn mit den gesundheitlichen Folgen, so betont er, gingen häufig auch wirtschaftliche und familiäre Probleme einher. Es ist also auch als ein Hilferuf zu verstehen, wenn der Vereinsslogan fordert: „Kein Leben im Abseits!“ Dieses muss noch nicht einmal durch die distanzierte Haltung der Mitmenschen bedingt sein, sondern ebenso durch den Verlust der eigenen Stimme oder den eingeschränkten Geruchssinn. Selbst das Hören kann nach einem Eingriff am Kehlkopf beeinträchtigt sein.

So stellt sich nach einer Diagnose eine Reihe von Fragen zum künftigen Leben: Wie reagieren Freunde und Familie auf die neue Situation? Wie wirkt sich die Beeinträchtigung auf das Essen und Trinken aus? Und wie kann das Sprechen neu erlernt werden? All dies sind offene Fragen, auf die die Mitglieder des Vereins der Kehlkopfoperierten – die oft selbst Betroffene sind – Antworten geben können.

Ein großes Hindernis jedoch sei, so beklagen sie, dass es in der Öffentlichkeit kaum bekannt sei, dass es den Verein überhaupt gibt. Für Menschen, die also Beratung, Gesellschaft und Hilfe auf ihrem schwierigen Weg suchen, finden sich Termine und Kontaktmöglichkeiten im Internet unter: www.kehlkopfoperierte-aachen.de.

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