Aachen - Verdi-Streik: Die meisten Kitas bleiben dicht

Verdi-Streik: Die meisten Kitas bleiben dicht

Von: Matthias Hinrichs
Letzte Aktualisierung:
Streik Kita
Transparente statt Tagesbetreuung: Die meisten Kitas, wie hier an der Weißwasserstraße, blieben erneut geschlossen. Foto: Steindl
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Mindestens 300 Erzieher allein aus Aachen sind laut Verdi mit zur Kundgebung nach Dortmund gefahren. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Funktionierende familiäre Netzwerke – will sagen: Oma, Opa und Co. – blieben in Sachen Kinderbetreuung am Mittwoch gefragt wie selten zuvor. Und Improvisationstalent könnte noch eine Weile nötig sein, wenn es darum geht, Platz für „individuelle Lösungen“ im Terminkalender freizuschaufeln.

Am Mittwoch jedenfalls blieb der überwiegende Teil der städtischen Kitas erneut größtenteils oder komplett verwaist. Nach der Komba, die am Montag einen Teil der „Betreuungslandschaft“ brach liegen ließ, rief diesmal Verdi zum neuerlichen Streik auf.

„Blutorangerote Warnkarte“

„Mindestens 300 Kolleginnen und Kollegen allein aus Aachen sind mit zur Kundgebung nach Dortmund gefahren“, bilanzierte Verdi-Gewerkschaftssekretär Mathias Dopatka. Aus der ganzen Städteregion sowie Düren beteiligten sich laut Dopatka knapp 700 Beschäftigte. Etwa 150 Erzieher(innen) hätten ihre Arbeitsplätze links liegen lassen, ohne in die Busse Richtung Ruhrpott zu steigen.

Laut Dopatka blieben die Türen von mindestens 45 der 57 städtischen Einrichtungen „definitiv“ geschlossen, etwa ein halbes Dutzend hätten den Betrieb über Notgruppen nur teilweise aufrechterhalten können. Die Stadt machte indessen eine andere Rechnung auf. „Wir haben sämtliche Adressen abtelefoniert, von 26 haben wir keine Rückmeldung erhalten können“, erklärte Björn Gürtler vom Presseamt – was natürlich auf Streik hindeute, jedoch angesichts des verlockenden Frühsommers auch durch Ausflüge bedingt gewesen sein könnte.

„Definitiv geschlossen waren jedenfalls zehn Einrichtungen, 21 waren offen – davon allerdings 14 nur mit Notkräften besetzt“, bilanzierte Gürtler. Unterm Strich hätten lediglich drei Einrichtungen ohne jede Einschränkung arbeiten können.

„Am Vortag der vierten Verhandlungsrunde im aktuellen Tarifstreit haben wir den Arbeitgebern die ultimative, blutorangerote Warnkarte gezeigt“, bekräftigte Dopatka. „Wenn die Arbeitgeber am Donnerstag immer noch kein Angebot vorlegen, werden wir vor dem nächsten Gesprächstermin am 20. und 21. April zumindest wieder punktuelle Aktionen starten.“

Selbstverständlich halte Verdi an seinen Forderungen fest – ein Plus von zehn Prozent in den Lohntüten stehe nach wie vor im Raum. Bislang habe die Arbeitgeber-Kommission stets bereits in der ersten Gesprächsrunde zumindest erste Vorschläge unterbreitet. „Diesmal will man uns offenbar weiter bis in den Mai hinein vertrösten“, wetterte Dopatka. „Am Ende werden wir gegebenenfalls nicht zögern, auch in den Erzwingungsstreik zu treten.“

Oberbürgermeister Marcel Phi-lipp wies Dopatkas Kritik der „Salamitaktik“ unterdessen zurück. Es sei durchaus normal, dass ein Angebot erst nach den ersten Verhandlungsrunden unterbreitet werde, sagte er der AZ. Die aktuellen Forderungen der Gewerkschaften seien zudem „keinesfalls realistisch – wenn wir die übrigen Beschäftigten in städtischen Diensten in gleichem Maße bedenken wollten, würde das ein Loch in der Größenordnung von rund 20 Millionen in die Haushaltskasse reißen. Das wäre im gegenwärtigen Etat schlichtweg nicht machbar.“

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