Verdi ruft zum Warnstreik auf

Von: Oliver Schmetz
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Aachen. Droht ausgerechnet einem Wohlfahrtsverband, der sich das Wohl der Arbeiter auf seine Fahnen geschrieben hat, ein Arbeitskampf? Die Gewerkschaft Verdi jedenfalls hat für den Freitag ihre Mitglieder in Aachen, Düren und im Rhein-Erft-Kreis zu einem ganztägigen Warnstreik aufgerufen.

Anlass sind die aktuellen Tarifverhandlungen mit der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in NRW, die landesweit rund 36.000 Mitarbeiter beschäftigt – und die sich laut Verdi bislang am Verhandlungstisch unnachgiebig zeige. Denn während in früheren Jahren stets eine Einigung über eine weitgehende Angleichung des AWO-Tarifvertrags an das entsprechende Tarifvertragswerk für den öffentlichen Dienst gefunden worden sei, würde dies nun glatt zurückgewiesen, sagt Gewerkschaftssekretärin Annegret Hackmann: „Diesmal steht die Arbeitgeberseite da wie eine Wand.“

Für die Mitarbeiter sei dies fatal, schließlich bekämen die Erzieherinnen in den AWO-Kitas bereits jetzt 170 Euro pro Monat weniger als ihre Kolleginnen in städtischen Einrichtungen. Und auch in der Altenpflege betrage die Differenz 90 Euro, sagt Hackmann: „Und das wird dann ab sofort noch mehr.“

Die Arbeitgeberseite sieht das – naturgemäß – völlig anders. So wirft die Arbeiterwohlfahrt in NRW Verdi vor, eine „ungewöhnliche Schärfe“ in die Verhandlungen zu bringen, indem man schon nach der ersten Verhandlungsrunde zu Warnstreiks aufrufe. Außerdem gingen die Forderungen der Gewerkschaft „weit über das Leistbare und weit über den letzten Abschluss im Öffentlichen Dienst hinaus“ und sprengten „jeden Rahmen“. Verdi fordert nach eigenen Angaben eine Erhöhung der Monatseinkommen um einen Sockelbetrag von 100 Euro zuzüglich 3,5 Prozent, 100 Euro monatlich mehr für die Azubis sowie einen Tag mehr Urlaub. Die Arbeitgeberseite beziffert das Volumen der Forderungen indes auf durchschnittlich 7,5 Prozent.

„Als Träger in der Bredouille“

Gabriele Niemann-Cremer, Geschäftsführerin des AWO-Kreisverbandes Aachen-Stadt, betont derweil, dass man die Mitarbeiter natürlich gerecht bezahlen wolle, dass aber zusätzliche Verdi-Forderungen „uns als Träger in die Bredouille bringen“ würden: „Wir kriegen diese Kosten über die Leistungsvereinbarungen mit der Stadt nicht refinanziert.“

Ob in Aachen die AWO-Kunden den Streik zu spüren bekommen – in der Stadt wären fünf Kitas mit 317 Kindern und zwei Seniorenheime betroffen – ist aber noch unklar. Die Gewerkschaft rechnet hierzulande nicht mit großer Resonanz auf den Streikaufruf. In den Kitas sollen die Eltern rechtzeitig informiert werden, für die Seniorenzentren würde man für den Fall der Fälle Notdienstvereinbarungen abschließen, um die Versorgung zu gewährleisten, sagt Hackmann.

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