Aachen - Verbund Psychosozialer Prozessbegleitung: Betreuer, Begleiter und Berater

Verbund Psychosozialer Prozessbegleitung: Betreuer, Begleiter und Berater

Von: Julia Kessen
Letzte Aktualisierung:
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Psychosoziale Prozessbegleiterinnen: Claudia Brötsch, Nina Körner, Monika Bulin und Verena Steinbusch (v.l.) helfen. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Einen Strafprozess als Opfer zu durchleben, ist eine ohnehin aufwühlende und belastende Situation, vor allem dann, wenn es um häusliche oder sexuelle Gewalt geht. Davon sind in den meisten Fällen Frauen oder Kinder betroffen. Dank des „Aachener Verbund Psychosoziale Prozessbegleitung“ müssen die Opfer einen solchen Prozess nicht alleine durchleben.

„Bei unserer Arbeit geht es meistens um für uns völlig banale Dinge – wie die Frage, ob die Klientin gefrühstückt hat. Oft kommen die Frauen total bleich zum Gerichtsgebäude, weil sie vor Aufregung nichts essen konnten“, so Monika Bulin, Koordinatorin des Verbundes. Mit Claudia Brötsch, Nina Körner und Verena Steinbusch hilft sie Frauen von der Anzeigenstellung bis zum Abschluss des Gerichtsverfahrens. Der Verbund ist mit vielen Anlaufstellen vernetzt, so auch ganz aktiv mit dem Frauennotruf in Aachen.

„Wir sind vor allem dafür da, Ängste zu nehmen. Wenn die Klientin den Gerichtssaal schon einmal gesehen hat, sie schon einmal durch die Sicherheitsschleuse im Gerichtsgebäude gegangen ist oder man einfach nur den Hin- und Rückweg mit ihr bespricht, sind schon viele Dinge abgebaut, die einem vielleicht Angst machen können“, fügt Brötsch hinzu.

Seit 1. Januar hat jeder, der Opfer einer schweren Gewalttat wurde, ein Recht auf psychosoziale Prozessbegleitung. Für Minderjährige und Opfer, die besonders schutzbedürftig sind, ist diese kostenfrei. Dazu muss die Klientin einen Antrag bei Gericht stellen. Auch bei diesem Schritt hilft der „Aachener Verbund Psychosoziale Prozessbegleitung“. Wichtig für die Klienten ist, dass die Prozessbegleitenden immer neutral bleiben müssen, keinen juristischen Beistand ersetzen und vor Gericht kein „Zeugnisverweigerungsrecht“ haben.

Das heißt, auch sie können vom Richter zur Tat befragt werden. Für die Frauen heißt das, dass sie Bulin und ihren Kolleginnen nichts vom genauen Tathergang erzählen müssen. „Die meisten Frauen und Kinder, die Opfer von sexueller oder häuslicher Gewalt wurden, haben gar kein Bedürfnis, uns die ganze Geschichte nochmal zu erzählen. Vor allem die Kinder. Es geht bei unserer Arbeit mehr darum, in welcher Situation die Frauen oder Kinder jetzt sind und wie diese bewältigt werden kann“, so Steinbusch.

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