Vera Sous präsentiert ihre Werke in der Citykirche

Von: Eva Onkels
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Gelungene Vernissage: Fünf große Wandteppiche von Vera Sous schmücken nun die Citykirche St. Nikolaus. Foto: Andreas Steindl
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Mutter und Tochter bei der Präsentation von fünf Wandteppichen in der Citykirche: Ana und Vera Sous. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Wer derzeit in den Aachener Dom hineingeht, der kommt nicht umhin, sie zu bemerken: Die großen, von der Aachener Künstlerin Vera Sous gestalteten Banner, die in der Vorhalle des Doms hängen und so auf die Aachener Pforte der Barmherzigkeit hinweisen, dürften jedem auffallen, der bis zum Herbst 2016 den Dom besucht.

Die Banner zum derzeitigen Heiligen Jahr der Barmherzigkeit entstanden in enger Zusammenarbeit mit jungen und minderjährigen Flüchtlingen. Die Initiative inspirierte Vera Sous zu einem neuen Projekt. Vor drei Monaten kam die Künstlerin in die Citykirche St. Nikolaus und rollte vor Dieter Spoo, Pastoralreferent der Kirche, einen großen grünen Wandteppich aus.

Unter dem Titel „Exodus“ verarbeitete sie in diesem Teppich ihre Eindrücke von der Flüchtlingskrise. Schnell war die Entscheidung gefallen: Die von Sous vorgeschlagene Ausstellung sollte realisiert werden. Drei Monate später wurde nun mit fünf Wandteppichen Vernissage gefeiert. Es war eine lustige, ansprechende, aber in ihrer Tiefe auch sehr bewegende Eröffnung.

„Es war ihr ein inneres Bedürfnis nach Auseinandersetzung mit dem, was wir in den Medien sehen oder aus dem Austausch mit den neuen Freunden erfahren“, so beschreibt Ana Sous, Tochter der Künstlerin, das Werk ihrer Mutter. Und diese Auseinandersetzung ist in den Teppichen spürbar. Sie tragen biblische wie weltliche Titel, die sich gekonnt zu einem Gesamtbild fügen.

Besonders eindrucksvoll: „Promised Land“. Auf dem Teppich sieht man grüne Landschaften, die friedlich vor einer Bergkulisse liegen, doch der vordere untere Bildrand wird von Nato-Draht dominiert. Andere Teppiche zeigen eine Weltkarte, ein Flüchtlingsboot oder Menschen, die in Scharen ihre Heimat verlassen müssen. Anders als die Banner im Dom hat Vera Sous die Teppiche nicht in Zusammenarbeit mit Flüchtlingen gestaltet, sich aber einerseits von ihnen inspirieren lassen und sie andererseits aktiv an der Vernissage teilhaben lassen.

Souverän stellten sich einige von ihnen vor, die meisten aus Afghanistan. Als die jungen Menschen begannen, in ihrer Muttersprache, die zwar kaum einer der Anwesenden verstand, zu sprechen, sah man in ihnen nicht mehr die namenlosen Personen, die abends in einer 15-minüten Zusammenfassung des Weltgeschehens über die Bildschirme wandern. Greifbar wurden die Einzelschicksale der jungen Menschen, die sich nichts mehr wünschen als ein sicheres Leben.

Dass die Entscheidung, sein Heimatland zurückzulassen und in die Fremde zu gehen, auch bedeutet, Geliebtes und Gekanntes zurückzulassen, konnte man merken, als Homayon Moradi, selbst afghanischer Flüchtling und erst relativ kurz in Deutschland, mit seiner Gitarre ein bekanntes afghanisches Lied vorsang: „Bia ke berim ba mazar“. Nach nur wenigen Takten erkannte man nicht nur das musikalische Talent des jungen Mannes, sondern konnte auch die anderen afghanischen Jugendlichen mitsingen hören – eine Erinnerung an längst vergangene Tage.

Die Ausstellung ist in der Citykirche St. Nikolaus in der Großkölnstraße noch bis Freitag, 3. Juni, zu besichtigen. Der Eintritt ist kostenlos.

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