Aachen - Vera Blazek: Große Ehre für die Frau mit Doppelheimat

Vera Blazek: Große Ehre für die Frau mit Doppelheimat

Von: Hans-Peter Leisten
Letzte Aktualisierung:
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Ein stolzer Moment: Vera Blazek erhielt die Medaille „Artis Bohemiae Amicis“ im „Haus“ von OB Marcel Philipp aus den Händen des tschechischen Botschafters Rudolf Jindrak (Mitte). Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Man kann nicht behaupten, dass die Stadt Prag und das benachbarte Kladno vor der Haustür Aachens liegen. Dass dennoch eine beachtliche Gruppe von Frauen und Männern aus dem Herzen der Tschechischen Republik am Freitag nach Aachen gekommen waren, spricht für sich. Und vor allem für Vera Blazek. Sie – die Frau, der es immer um die Sache geht – stand unbestritten im Mittelpunkt des Geschehens im Weißen Saal des Rathauses.

Der ist bekanntlich hinter dem Krönungssaal Aachens zweitbedeutendste Stube, wenn es gilt, besondere Menschen auszuzeichnen. Ob Vera Blazek nun will oder nicht – sie gehört ganz offensichtlich zu besonderen Menschen. Zum einen, weil sie den wichtigsten Kulturpreis der Tschechischen Republik erhielt – die „Medaille der Kulturministerin der Tschechischen Republik Artis Bohemiae Amicis“. Zum anderen, weil ihr dies am Freitag ausnahmslos sämtliche Gäste glaubwürdig bescheinigten.

Vera Blazek, die 1973 mit ihrem heutigen Mann aus der damals kommunistischen CSSR nach Aachen floh, ist Gründerin und Vorsitzende des Kulturvereins Aachen-Prag, der in diesem Jahr seinen 15. Geburtstag feiert. Und diese Rolle hat die studierte Kunstwissenschaftlerin und Textilgestalterin bis heute mit so viel Herzblut, Ausdauer und Begeisterung ausgefüllt, dass dies eben auch den höchsten tschechischen Kulturverantwortlichen in längst freundschaftlichen Zeiten nicht verborgen geblieben ist. Insofern war auch die gestrige Auszeichnung für die Anwesenden eine mehr als logische Folge.

„Was wäre Aachen ohne den Kulturverein Aachen-Prag?“, fragte Oberbürgermeister Marcel Philipp eher rhetorisch bei seiner Begrüßung. Denn er weiß sehr wohl, dass die Zusammenarbeit zwischen Aachen und Prag dank Vera Blazek längst über die historische und kulturelle zur menschlichen Gemeinsamkeit gelangt ist. „Und das ist das Verdienst von Vera Blazek. Wir sind stolz auf Sie!“

Die derart Gelobte wird wohl auch die Worte des – so der offizielle Titel – „außerordentlichen und bevollmächtigten Botschafters der Tschechischen Republik in der Bundesrepublik Deutschland“, Rudolf Jindrak, mit sehr viel Freude gehört haben. Der packte sogar einige Superlative aus, mit denen er die Preisverleihung adelte: Vera Blazek stehe „jetzt an der Tür zur Ruhmeshalle“, gehöre jetzt schon zu den „Kulturriesen“ seines Landes. Der Kulturverein sei längst zu einem Instrument der Völkerverständigung geworden. Die Arbeit der Ausgezeichneten werde auch in vielen Jahren noch spürbar sein.

Der tosende Applaus zeigte dem Botschafter, dass er genau richtig lag. Genau wie Ramona Fendeisz, die als wissenschaftliche Referentin die EU-Abgeordnete Sabine Verheyen vertrat und „tiefste Dankbarkeit und Respekt“ übermittelte. Auch der Oberbürgermeister der Stadt Kladno, Dan Jiranek, war eigens nach Aachen gereist, um die Bedeutung des Engagements von Vera Blazek und deren Einsatz für die Völkerverständigung zu würdigen. Sie sehe nicht die Arbeit und die Kosten, sondern nur die Beziehung zwischen den beiden Städten. Die Arbeit des Kulturvereins mache sie zu ihrer Herzenssache – wie die Pflege ihres Mannes, ihrer Kinder und des Enkelkindes.

Derart mit Lob überschüttet, musste die neue Trägerin der Kulturmedaille kurz durchatmen, trat aber dann doch glücklich ans Rednerpult und schilderte ihre Gemütslage: „Meine Freude ist wirklich groß. Und das aus persönlichen Gründen: Ich werde von einem Land ausgezeichnet, das meine erste Heimat ist und das an einem Ort, der meine zweite Heimat ist.“ Es gebe aber noch einen weiteren Grund, der sie in Staunen versetzt habe. Sie erfülle ihre Aufgabe beim Kulturverein immer mit viel Freude – eine Arbeit, die stets ihr Herz erwärme. Umso größer sei die Überraschung gewesen, dass gerade sie die Medaille verliehen bekomme. Zugleich sehe sie diese Auszeichnung aber gerade als eine Herausforderung an, die Ziele des Kulturvereins nach allen Kräften zu erreichen.

Mit einem Lächeln verneigte sie sich kurz vor den zahlreichen Gästen und ihrer Familie im Weißen Saal: „Ihre Anwesenheit ist für mich eine außerordentliche Ehre.“ Vera Blazek hat nicht nur Durchhalte- sondern auch Standvermögen, denn die Liste der Gratulanten war enorm und stellte eine kleine physische Herausforderung dar. Auch die meisterte die Brückenbauerin zwischen zwei Städten, zwei Ländern und zwei Nationen charmant.

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