Aachen - Vater-Kind-Projekt arbeitet jüdische Schicksale auf

Vater-Kind-Projekt arbeitet jüdische Schicksale auf

Von: Peter Schopp
Letzte Aktualisierung:
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Kooproduktion von Vater und Tochter: Michael Kuhn (links) und Jennifer Riemek präsentierten mit Walter Vennen (Buchhandlung Schmetz) ihr neues Buch „Wir waren doch so jung“.

Aachen. Geschichten wie diese sind viele erzählt worden – und dennoch sind sie heute wichtiger denn je: Die Handlung des neuen Romans „Wir waren doch so jung“ des Aachener Historikers Michael Kuhn ist eingebettet in die Zeit der Judenverfolgung im Dritten Reich und schildert das Schicksal zweier jüdischer Aachener Familien. In der Buchhandlung Schmetz am Dom ist das neue Werk nun vorgestellt worden.

Wer das Schaffen des Romanautors Kuhn verfolgt, verortet ihn vornehmlich im Umfeld des frühen Mittelalters oder der Römerzeit. Doch als Historiker erarbeitete Kuhn im Auftrag der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit (CJZ) Aachen vor 21 Jahren eine Dokumentation und Sammlung historischer Dokumente und belegter Zeugenaussagen, die vor einiger Zeit seiner Tochter Jennifer Riemek in die Hände fielen.

Diese, mittlerweile selbst Geschichtsstudentin, war derart gefesselt von den Erzählungen, dass sie ihren Vater drängte, eine aktuelle Dokumentation zu erstellen. Doch Vater Kuhn hatte zwei Bedingungen: Erstens wollte er die Geschichten als Roman erzählen, und zweitens sollte Tochter Jennifer die historische Aufarbeitung im Nachgang erstellen. Der Weg zur CJZ war kurz, die Zustimmung zum Plan erfolgte alsbald, und so erarbeiteten sich Vater und Tochter in den folgenden Monaten gemeinsam Roman und Dokumentation.

Aus Achtung vor den Menschen, die die Shoah überlebten, sind die Namen der Protagonisten im Romanteil größtenteils fiktiv. „Aber die Schicksale der Menschen sind historisch, das durchlebte Grauen hat so stattgefunden“, schildert Kuhn. Für ihn war das Schreiben an seinem jüngsten Werk nicht viel anders als bei seinen bisherigen Geschichten. „Ich bemühe mich immer, durch eine spannende Romanhandlung den Lesern historische Fakten zu vermitteln.

Mein vorrangiges Ziel ist das Vermitteln von Geschichte“, stellt er seine Vorgehensweise vor. Deshalb beinhalten seine Bücher immer auch das besondere Etwas, die Dokumentation zum Roman. Und genau diese war ursprünglich ein Problem. Denn Kuhn fand zunächst keinen Verleger für seine besondere Art von Roman. Kurzerhand gründete er den Ammanius-Verlag und brachte seine Bücher selber in Umlauf.

Er scheint damit den richtigen Weg eingeschlagen zu haben, denn mittlerweile schreiben mehr als zehn Autoren für seinen Verlag, immer mit historischer Nachbereitung. Und grinsend fügt Kuhn hinzu, dass manch anderer Verlag diese Art der Veröffentlichung inzwischen übernommen habe. Für Ruprecht van de Weyer von der CJZ Aachen ist das Buch eine rundum gelungene Sache. „Ich habe während der Entstehung des Romans immer wieder Kapitel zum Lesen bekommen und immer sehnlichst auf die Fortsetzungen gewartet. Ein spannendes und wichtiges Werk“, ist er vom Erfolg überzeugt.

Für Jennifer Riemek ist das Schreiben bisher noch ein Abenteuer. Die erste gemeinsame Lesung steht nun an, einige andere sind in Planung. „Aber im Moment konzentriere ich mich vor allem auf mein Studium, das möchte ich zunächst beenden. Wenn mir dann noch einmal ein Thema über den Weg läuft, mal sehen“, zögert sie den Einstieg in Vaters Fußstapfen noch etwas hinaus. Eine Geschichte zum Thema Flüchtlinge könnte aber schon interessant sein, meint sie abschließend. Beide haben die Hoffnung, dass ihr Buch nicht nur für Betroffene oder Historiker interessant ist, sondern dass es vielleicht einmal im Schulunterricht besprochen wird.

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