Vandalismus: Schon mehr als 1000 Taten

Von: Hans-Peter Leistenund Oliver Schmetz
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Ein faustgroßes Loch im Domfe
Ein faustgroßes Loch im Domfenster: Zum dritten Mal binnen zwei Monaten wurden die Scheiben der Chorhalle zerstört. Foto: Michael Jaspers

Aachen. „Nicht schon wieder”, wird sich Andrea Hoven-Borgmann gedacht haben, als sie Freitagmorgen ihr Haus in Burtscheid verließ. Denn die holzverkleidete Außenfassade ihrer Tiefgarage an der Ecke Forster Weg/Luise-Hensel-Straße war erneut beschmiert: In der Nacht hatte ein unbekannter Täter das Holz großflächig mit blauer Farbe besprüht.

„Langsam haben wir wirklich die Nase voll”, sagt die Frau, die dort noch gar nicht so lange wohnt, aber in Sachen Vandalismus dennoch schon einiges berichten kann. Im April 2011 hatte die Familie das Haus bezogen, nachdem sie es zuvor aufwendig saniert, ausgebaut und verschönert hatte. „Wir haben damals fast schon geahnt, dass so etwas passiert”, erinnert sich Andrea Hoven-Borgmann - und die Eheleute wurden in ihrer bösen Ahnung bestätigt. Die erste Schmiererei ließ nicht lange auf sich warten, nun kam die zweite hinzu.

Der Fall ist kein Einzelfall. Freitag wurden alleine in Burtscheid mehrere frische Schmierereien entdeckt, unter anderem auch an einer Stelle, die eigentlich gerade mit legalen Graffiti verschönert werden soll: Denn auch das alte „Milchbüdchen” am Kapellenplatz, soeben frisch renoviert, wurde über Nacht verunziert. Und wer mit offenen Augen durch manche Straßenzüge im Frankenberger Viertel läuft, entdeckt dort kaum eine Hausfassade, die nicht verschandelt worden ist. Jüngstes Beispiel: Die Außenfront des frisch renovierten einstigen Szene-Lokals „Kalymnos”, das heute wieder öffnet, ist großflächig beschmiert.

Die Polizei kann den subjektiven Eindruck mit Fakten untermauern. Denn in Sachen Vandalismus sind die Fallzahlen in Aachen förmlich explodiert: Registrierte man im ersten Halbjahr 2011 in der Städteregion noch 665 Sachbeschädigungen auf Straßen, Wegen und Plätzen, so waren es in den ersten sechs Monaten dieses Jahres 1041 Fälle - eine satte Steigerung um 56,5 Prozent. Burtscheid liegt da im allgemeinen Trend. Nach 23 Taten in der ersten Hälfte des Vorjahres waren es diesmal schon 40 Sachbeschädigungen.

Chorhalle dreimal betroffen

„Nicht schon wieder” waren übrigens auch die ersten Gedanken von Helmut Maintz, als der Dombaumeister am Freitag die Chorhalle des Domes betrat. Ein mehr als faustgroßes Loch prangte in einer der bunten Fensterscheiben. Und was den Ärger noch steigerte: Es war das dritte Mal in den vergangenen zwei Monaten, dass eines der hohen gotischen Lichtbänder Opfer von Zerstörung wurde. „Wer macht so etwas?”, fragt Maintz eher rhetorisch, „da hat wohl irgendjemand etwas gegen uns.” Wer das ist, ist völlig unklar. Zwar wurde Anzeige gegen Unbekannt erstattet, doch deren Aussicht auf Erfolg ist eher gering. Denn im Inneren der Chorhalle gab es bislang keinerlei Hinweise, weder Steine noch Flaschen oder etwa Projektile wurden gefunden. Fest steht hingegen, dass der Schaden ordentlich ins Geld geht. Auf 2000 bis 3000 Euro schätzt Maintz die jeweiligen Reparaturkosten. Zum Austausch muss stets ein Gerüst aufgebaut werden, der aktuelle Schaden befindet sich in etwa sechs Metern Höhe. Und erst bei genauer Betrachtung lässt sich der Aufwand der Reparatur ermitteln. „Wenn zum Beispiel das Bleinetz, das die Scheiben hält, kaputt ist, wirds teurer. Und wenn auf den zerstörten Glaselementen Figuren aufgemalt sind, wirds noch viel teurer”, weiß Maintz. „Vielleicht schreckt eine Veröffentlichung ja auch die Aachener auf”, hofft der Dombaumeister darauf, dass die Nachbarn oder auch Stadtbesucher nachts genauer auf das Geschehen rund um den Dom achten.

Auf aufmerksame Zeugen setzt auch die Polizei bei allen Arten von Vandalismus. „Deshalb konnten wir schon einige Täter auf frischer Tat ertappen”, sagt Iris Wüster. Und die Polizeisprecherin hat auch noch eine gute Nachricht für alle Aachener. Denn speziell beim Vandalismus gegen Autos seien die Zahlen entgegen dem Landestrend in Aachen stark zurückgegangen. Andrea Hoven-Borgmann wird das kaum trösten. Denn das Auto der Burtscheider Familie ist schon öfter zerkratzt worden. Bis es eines Morgens gar nicht mehr vor der Tür stand - sondern gestohlen war.
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