Urbane Gärtner verteidigen ihr Konzept: Grüne empört

Von: Robert Esser
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Keine Gefahr? Was auf dem städtischen Spielplatz aus Sicherheitsgründen absolut tabu ist, steht nebenan bei „HirschGrün“ an der Richardstraße – die Initiatoren freut es. Foto: Michael Jaspers
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Keine Gefahr? Was auf dem städtischen Spielplatz aus Sicherheitsgründen absolut tabu ist, steht nebenan bei „HirschGrün“ an der Richardstraße – die Initiatoren freut es. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Mit viel Vehemenz verteidigen die Initiatoren des Vereins „HirschGrün“ ihren 1200 Quadratmeter großen urbanen Garten an der Richardstraße im Suermondtviertel. Dort gärtnern zwei Dutzend Aachener seit vier Jahren auf einer ehemaligen Brachfläche, wie es ihnen gefällt.

Der Verein hatte die Fläche später – quasi zum Nulltarif – offiziell von der Stadt gepachtet. Mittlerweile wachsen dort aber nicht nur Gemüsebeete, sondern auch diverse „Kunstwerke“ aus dem Boden – darunter ein Geflecht aus Fahrradspeichen und grob gezimmerte Holzmöbel.

Die CDU hatte jüngst auf Missstände hingewiesen: für Kinder gefährliche Sperrmüllmöbel unmittelbar neben einem brandneuen Spielplatz und unhygienische Zustände bei frei zugänglichen kostenlosen Ausgabestellen für Obst und Gemüse.

Die Union verwies auf eine Sitzung der Bezirksvertretung Aachen-Mitte aus dem März 2016, in der von der Kommunalpolitik mehrheitlich die Suche nach einem Alternativstandort für die „urbanen Gärtner“ befürwortet wurde. Ins Auge gefasst worden war damals eine Fläche an der Barbarastraße in Rothe Erde – was allerdings einige Kilometer von Nachbars Garten im Suermondtviertel entfernt ist.

Deshalb stellt SPD-Geschäftsführerin Daniela Lucke auch klar: „Der urbane Garten muss nicht jedem gefallen, für manche mag er hässlich aussehen – damit muss man leben. Allerdings muss die Stadt reagieren, sobald dort von dem Areal neben dem Kinderspielplatz eine Gefährdung ausgeht“, sagt sie. Und fügt hinzu: „Es macht keinen Sinn, nach einem Alternativstandort für die urbanen Gärtner zu suchen, wenn sie diesen nicht annehmen – aber einen Beschluss der SPD gibt es nicht.“

Die Grünen sehen das naturgemäß anders: „Der Zeitungsbericht ist eine schallende Ohrfeige für die Menschen im Quartier, die sich um ökologischen Anbau und lokale Versorgung inmitten der Stadt bemühen, die für urbane und naturnahe Lebensqualität sensibilisieren möchten, außerhalb von Schrebergärten und Vereinshäuschen“, empört sich Lisa Lang, wirtschaftspolitische Sprecherin der Aachener Grünen.

„In meinen Augen ist es unverantwortlich, solche Gärten zu kritisieren, nur weil es nicht dem Schönheitsideal eines mit der Nagelschere polierten Gartens entspricht“, ergänzt Kaj Neumann, umweltpolitischer Sprecher der Grünen. „Das Projekt urbanes Gärtnern ist ein wichtiger Teil des Gesamtkonzepts Suermondt-Park und muss natürlich an dieser Stelle erhalten bleiben“, sagt Sabine Göddenhenrich.

Die grüne Ratsfrau betont: „Erst im November 2015 hat die Stadt einen neuen unbefristeten Vertrag mit dem Verein Urbane Gemeinschaftsgärten Aachen e.V. geschlossen.“ Das Thema Sicherheit und Sauberkeit taucht hier allerdings bei den Grünen, den Erfindern der Hygiene-Ampel für den Lebensmittelhandel und die Gastronomie, nicht auf.

Die Stadt will nun alle 14 Tage auf dem Areal an der Richardstraße nach dem Rechten sehen. Es sei dort zwar unordentlich, aber die Verantwortung – insbesondere bei Unfällen auf dem nicht eingezäunten Gelände neben dem Kinderspielplatz – liege bei dem Verein „HirschGrün“, erklärt Harald Beckers vom städtischen Presseamt. Noch sehe man keine Notwendigkeit einzuschreiten – zumal der Verein auf Betreiben der Stadt eine Haftpflichtversicherung habe abschließen müssen und der Pachtvertrag jederzeit mit einer Frist von sechs Monaten kündbar sei.

Alexandra Kessler vom „HirschGrün“-Vorstand erläutert, dass man sich auf die fünfte Pflanzsaison an der Richardstraße freue – und sich der urbane Garten Jahr für Jahr weiterentwickelt habe. „Wir bemühen uns auch um eine attraktive Gestaltung“, sagt sie. Bis zu 20 Vereinsmitglieder und doppelt so viele Unterstützer seien vor Ort aktiv.

Nachbarn freuen sich, dass statt der früheren Brache endlich mehr Grün im Viertel eingezogen ist. Tomke Banse betont, dass auch die kostenlose Verteilung von Lebensmitteln auf dem Gelände nach dem Konzept „Foodsharing“ bestens funktioniere – auch wenn nicht immer alles ordentlich sei. Bürgermeisterin Hilde Scheidt unterstützt „HirschGrün“, warnt aber davor, den Garten zu überfrachten. Der Verein sieht indes keine Sicherheitsgefahren – auch wenn der Kinderspielplatz nebenan direkt ins „Abenteuerland HirschGrün“ übergeht.

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