„Urban Slam“: Junge Architekten präsentieren Ideen und Konzepte

Von: ik
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Erste „Urban Slammerin“ des Abends: Eva Kampfmann berichtete über ihre Masterarbeit zum Thema „Mobilität der Zukunft. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Spektakuläre Konstrukte, außergewöhnliche Fassaden und vieles mehr. Die Ideen junger Architekturstudenten strömen nur so aus deren Köpfen. Jedoch oft nur in Form von 2D-Plänen oder in 3D-Mini-Modellen. Selten werden sie verwirklicht, selten schaffen es die Visionen über die Hochschulgrenzen hinaus. Das kreative Potenzial bleibt häufig von der Öffentlichkeit unbeachtet.

Genau das soll sich ändern. Und zwar durch den „Urban Slam“, ein neues Unterhaltungsformat, das nun im Ludwig Forum Weltpremiere hatte. Der Wunsch der Architektenkammer NRW, die den „Urban Slam“ initiierten, ist, den Dialog mit Bürgern und vor allem jüngeren Menschen zum Thema „Architektur“ zu suchen, so Kammerpräsident Ernst Uhing.

Architekten, Landschaftsplaner, Städtebauer und Künstler wurden vorab als Slammer eingeladen, ihre Projekte, Ideen und Konzepte für die „Stadt der Zukunft“ vorzustellen. Bewusst suchte die Kammer angehende Architekten oder Absolventen. Denn, so Uhing, gerade junge Köpfe machen oft das „Undenkbare realisierbar“.

Urban Slam – der Titel erinnert nicht zufällig an Poetry oder Science Slams: Das Format ist dasselbe nur Themen und Akteure unterscheiden sich. Denn auch beim Urban Slam geht es darum, das Publikum von sich und seinem Vortrag in kürzester Zeit zu überzeugen. In zehn Minuten genauer gesagt.

Fünf Slammer wagten den Schritt auf die Bühne. Zunächst jedoch skizzierte Rolf-Egon Westerheide, Professor für Stadtplanung an der RWTH Aachen, in einem Impulsvortrag den urbanen Raum der Zukunft: zunehmende Verstädterung, die wachsende Weltbevölkerung, der Klimawandel und der Kampf um Wasser und Energie sind nur einige der Herausforderungen, die er benannte. Und die fänden sich zwangsläufig in den Denkprozessen von Architekten und Stadtplanern wieder.

Die Slammer setzten genau bei den von ihm beschriebenen Herausforderungen an. Mobilität der Zukunft war beispielsweise das Thema von Eva Kampfmann. Sie entwarf das Szenario, Verkehr insgesamt in der Stadt drastisch zu reduzieren und irgendwann Parkhäusern mit vielfältiger Nutzung einen anderen Sinn zu geben.

Jan Kampshoff, späterer Publikumsgewinner, beschäftigte sich damit, was mit einer von Arbeit und Industrie geprägten Stadt passiert, wenn Unternehmen abwandern und Brachflächen zurücklassen. Am Beispiel einer Ein-Mann-Sauna – errichtet mitten in urbaner Wüste – zeigte er, dass man ungenutzte Flächen nicht unbedingt mit großen Neubauten bespielen muss. Stattdessen reichten kleine Projekte, die Leben an solche Ort bringen.

Anne Eaton, ebenfalls ehemalige Aachener Studentin, trat dafür ein, sich in der Stadtplanung „nicht von Veränderungen schocken zu lassen, sondern neue Potenziale und Herausforderungen in Angriff zu nehmen“. Am Beispiel der von Erbeben zerstörten Großstadt Christchurch in Neuseeland zeigte sie kleine soziokulturelle Projekte, die das Chaos und die Zerstörung nutzen, um Neues zu schaffen. Diesen Ansatz wandte sie auf das Beispiel eines Eifelorts an, der von vielen Leerständen und ungenutzten Flächen geprägt ist: Auch hier gelte es, den Bürgern Möglichkeiten zu schaffen, sich den öffentlichen Raum wieder zurückzuerobern.

Ähnlich ist der Ansatz von Andreas Klozoris. Er kritisierte: „Wir verlernen das Leben in der Stadt“. Problem seien „monofunktionale“ öffentliche Räume, also dass Innenstädte häufig nur noch als Einkaufsmeilen genutzt werden und außerhalb der Öffnungszeiten ausgestorben seien. Auch er forderte, ganz kämpferisch ausgedrückt, die zivile Rückeroberung öffentlicher Lebensräume.

Das Format „Urban Slam“ soll ab sofort durch Nordrhein-Westfalen touren. Nächste Station: Ruhrgebiet, so Ernst Uhing.

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