„Urban Girls“ feiert am 9. Januar Premiere

Von: Julia Gröbbels
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„Urban Girls“ am Theater Aachen: Regisseurin Jenke Nordalm (links) und Bühnenbildnerin Jelena Nagorni freuen sich auf die Premiere des Stücks am 9. Januar. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Zwischen Kapitalismus und Feminismus: Das Stück „Urban Girls“ feiert am 9. Januar im Theater Aachen Premiere. Dabei verschmelzen zwei Geschichten über Frauen zu einer.

„Ey du, hör zu, diese Geschichte, stell sie lauter, ich trage sie zu euch wie Blut in geballter Faust. Ich bin neunzehn und ich brauch‘ keine Persönlichkeit, denn ich habe Charakter. Und mit der schafsdämlichen Gefühlsduselei werden wir auch noch fertig“.

In „Urban Girls“ bahnen sich – in zwei getrennt erzählten Geschichten – Irmgard Keuns Großstadtpflanze „Gilgi“ und Dorota Masowskas „Reiherkönigin MC Doris“ ihren Weg durch die abgründigen Verlockungen und den uferlosen Dreck der urbanen Welt. Sie beobachten scharf, sie lieben und wollen frei sein. Sie sind ihrer Zeit voraus und wissen, was die Stunde geschlagen hat.

Die Rolle der Frau

In dem Stück, das am 9. Januar in der Kammer des Theaters Aachen Premiere feiert, werden zwei Romane zusammengebracht, die auf den ersten Blick – so scheint es – nicht viel miteinander zu tun haben. Irmgard Keuns Roman „Gilgi, eine von uns“ erschien im Jahr 1931 und spielt im Köln der 1920er Jahre. Dorota Masowskas Roman hingegen erschien 2004 und spielt im Polen der Jahrtausendwende.

Und obwohl es etwa drei Generationen sind, die zwischen beiden Autorinnen liegen, haben ihre Protagonistinnen doch eine Menge gemein. „Beide Romanhandlungen spielen in einer Zeit, in der sich der Kapitalismus am Zenit befindet“, beschreibt Dramaturgin Inge Zeppenfeld den historischen Kontext der Romane. Und weiter: „Überall glitzert die Mode in den Schaufenstern, aber was ist mit denen, die von diesen Dingen gar nicht zu träumen wagen?“

Ein weiteres gemeinsames Thema ist die „Position der Frau in der Gesellschaft“, deren Wandel in beiden Romanen eine zentrale Rolle spielt. „Obwohl auch die Verletzlichkeit der beiden Protagonistinnen (beide gespielt von Emilia Rosa de Fries) in beiden Stücken anklingt, finden sie beeindruckend klare und deutliche Worte für die gesellschaftlichen, politischen und ökonomischen Missstände“, sagt die Regisseurin Jenke Nordalm.

„Langsam dämmert einem, dass sich die gezeigten existentiellen Probleme wie Arbeitslosigkeit und sozialer Abstieg trotz des angeblichen ‚Fortschritts’ auch nach einem Jahrhundert noch nicht in Luft aufgelöst haben“, so Zeppenfeld. Aber „Gilgi“ und „MC Doris“ werden die Gelegenheit nicht verstreichen lassen und dem Publikum unverblümt von den Missständen berichten, die sich bis in die Gegenwart erstrecken, verspricht sie.

So wirft „Urban Girls“ auf humorvolle Weise viele Fragen rund um Liebe, Frauenrollen, Gleichberechtigung, Selbstbestimmung und soziale Ungerechtigkeit auf, die manch einer für „lange schon beantwortet“ gehalten hätte.

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