Aachen - Unverzichtbar: Die stillen Helden des CHIO

Unverzichtbar: Die stillen Helden des CHIO

Von: Stefan Herrmann
Letzte Aktualisierung:
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„Ich freue mich auf jeden Tag.“: Hans Mommer ist seit 35 Jahren ehrenamtlich beim ALRV aktiv. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Zugegeben, wer das erste Mal auf Hans Mommer trifft, der kommt unter Umständen nicht direkt auf die Idee, das Öcher Unikum als „stillen Held“ zu bezeichnen. Denn Mommer hat immer etwas zu erzählen, von seinen Erlebnissen, von der Arbeit, von seiner Jugend, von seiner Leidenschaft Theaterspielen ebenso wie vom Karneval und – natürlich – immer wieder von seinem CHIO.

Denn beim „Weltfest des Pferdesports“ gehört der 81-jährige Mommer wie die Verabschiedung der Reiter mit dem wedelnden Taschentuch einfach dazu. „Ich kenne jeden Stein, der hier gebaut wurde“, blickt sich der Rentner im zweiten Stock der ALRV-Geschäftsstelle um, dort, wo seit zehn Jahren gewissermaßen sein Reich ist. Denn seit der Eröffnung des CHIO-Museums im Rahmen der Reit-WM 2006 ist Mommer dort ehrenamtlich aktiv.

Während der Turnierwoche in Vollzeit, ansonsten zusammen mit fünf Kollegen jeweils mittwochs und freitags. Das ganze Jahr über. Warum? „Weil ich hier auflebe. Ich liebe das!“, sagt das Original mit einem Funkeln in den Augen, und zieht den Besucher direkt einen Raum weiter.

Die Uniform, die Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen vergangenes Jahr zur Eröffnung der Reit-EM getragen hat, ist dort zu sehen. Oder der strahlende silberne Grand-Slam-Pokal, den der Brite Scott Brash samt Millionen-Preisgeld 2015 durch seinen Sieg in Aachen einsackte. Schnell gewinnt man das Gefühl, Mommer hat zu jedem Ausstellungsstück ein „Ameröllchen“ zu erzählen.

Damit dürfte er dieser Tage nicht alleine sein. Denn die rund 350 000 Besucher, die bis zum Turnierende die Soers besucht haben werden, treffen überall auf die fast immer freundlichen Menschen, die einem den Weg weisen, die helfen, beraten oder die wahrlich im Hintergrund still Dienst tun, damit alles rund läuft beim CHIO.

„Ehrenamtler sind bei uns in allen Bereichen eingesetzt“, erklärt der Pressesprecher des Aachen-Laurensberger Rennvereins, Niels Knippertz. Ob in seiner Abteilung, beim exklusiven Fahrdienst für die VIP-Gäste, der Könige, Sportler, Pop- und Filmstars kutschiert, oder eben mitten im Getümmel auf dem Turniergelände als Ordner – stets gut zu erkennen am grünen Jacket. Insgesamt 1200 sind während der CHIO-Woche im Einsatz, mehrere hundert jeden Tag.

Sie sind der Kitt des Turniers, ohne den auch ein Multimillionen-Euro-Spektakel wie das „Weltfest des Pferdersports“ nicht funktionieren würde, oder wie Turnierdirektor Frank Kemperman sagt: „Die Ehrenamtler sind Herz und Seele des Vereins.“

Ein bisschen wie Beckenbauer. . .

Sein Herz hat Hans Mommer schon früh an den Reitsport verloren. Mit 14 Jahren war er das erste Mal in der Soers. Als Lehrling hatte er von seinem Chef eine Karte geschenkt bekommen. „So musste ich mich nicht durch eine Lücke im Zaun reinschmuggeln“, erinnert sich Mommer grinsend an seine Turnierpremiere. Apropos Premiere: Bei Hans-Günter Winklers erstem Weltmeister-Titel, den er 1955 in Aachen feierte, war Mommer dabei.

So wie all die Jahre danach als Besucher. Vor 35 Jahren dann fragte er einfach mal an, ob er denn nicht als Ordner mitmachen könne. Konnte er. Und ist mittlerweile nicht mehr wegzudenken aus der Soers. „Ich bin schließlich ein Allroundmensch. Ein bisschen wie der Franz Beckenbauer“, wechselt der 81-Jährige für einen lockeren Spruch mal kurz die Sportart, bevor er wieder zu seinem CHIO zurückkehrt. Denn da, erzählt er, habe er fast in jedem Winkel des Geländes als Ordner gestanden. 2006 erreichte er dann die Altersgrenze von 70 Jahren und musste das grüne Jackett an den Nagel hängen.

Doch eine glückliche Fügung führte ihn ins damals neue CHIO-Museum. Ans Aufhören denkt er auch zehn Jahre danach nicht. „Ich freue mich auf jeden Tag, den ich kommen darf“, sagt er und schweigt dann doch einmal kurz und blickt sich verträumt um.

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