Aachen - Unterwegs mit einem Geschichtenerzähler

Unterwegs mit einem Geschichtenerzähler

Von: Peter Schopp
Letzte Aktualisierung:
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Kein gewöhnlicher Wanderführer: Willi Schwoll präsentiert sein neues Buch "Wandern von Aachen nach Luxemburg" mit (v.l.) Irmgard Meyer-Purpar und Martina Flissenkemof vom Verlag Meyer & Meyer sowie Anne Schulte-Diefhans von der Mayerschen Buchhandlung. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. „Eigentlich ist Wandern ja etwas anderes!“ Willi Schwoll lässt bei der Vorstellung seines neuesten Buches „Wandern von Aachen nach Luxemburg – Eine Reise in 11 Etappen“ keine Zweifel daran, dass die 200 Kilometer lange Strecke keine Herausforderung ist – und es auch gar nicht sein soll.

Für ihn sind solche Unternehmungen lange Spaziergänge, zu denen er gerne mit leichtem Gepäck und eher vagen Vorstellungen von der Route aufbricht und in deren Verlauf er sich von Menschen genauso beeinflussen lässt wie von Eindrücken, die er am Wegesrand einsammelt. Und so sieht er seine Form des Wanderbuches auch etwas neben dem Mainstream: „Ich schreibe keine klassischen Wanderführer, bei denen man am zweiten Baum hinter der Kirche abbiegen muss“, sagt er.

Geschehnisse und Begegnungen machen für Schwoll die Reise aus. „In St. Vith bin ich zwei Tage umhergelaufen, habe mich von der Atmosphäre dieses kleinen Städtchens an der Schnittstelle von Eifel und Ardennen vereinnahmen lassen, viele Fragen gestellt und so den Zugang zu Geschichte, Geschichten und den Menschen geschafft.“

Dies hat er bereits mehrfach so gemacht, ist von Koblenz nach Aachen und von Aachen nach Trier über den Matthiasweg „spaziert“, jeweils in elf Etappen, die nun jeweils in seinem Werk geschildert werden. Den Jakobsweg ist er auch schon gegangen, das nennt selbst Schwoll dann wandern. Er selbst ist Berliner, im richtigen Leben Anwalt und hat seinerzeit den Verlag Meyer & Meyer, in dem seine Werke erscheinen, anwaltlich vertreten. Das Rheinland, die Eifel und die Ardennen sind eine bevorzugte Spaziergegend für ihn, weil er die Menschen dort für nicht so verkrampft hält.

Er mag es, Fünfe gerade sein zu lassen. Er hat nie ein Auto besessen, ist immer viel zu Fuß unterwegs und schlicht der Auffassung, dass man die Welt nur beim Gehen richtig wahrnimmt. Irmgard Meyer-Purpar, Geschäftsführerin des Verlags, unterstreicht dies. „Auch mein Mann und ich besprechen viele Dinge auf Spaziergängen, für uns ergeben sich da oft kreative Lösungen.“

Die Idee zu Schwolls Tour nach Luxemburg entstand übrigens im Rathaus von Köpenick, wo er beruflich zu tun hatte. Dort, am Wirkungsort des legendären Hautmanns von Köpenick, kam Schwoll auf die Idee, das Grab des Schusters Friedrich Wilhelm Voigt in Luxemburg zu besuchen. Natürlich nicht einfach so, sondern im Rahmen eines zweiwöchigen Spaziergangs. Das Ergebnis ist eine Mischung aus Wanderführer und Tagebuch, dazu erzählt er Geschichten über die Orte, die er besucht – alles gespickt mit Humor und einem gewissen Augenzwinkern.

Kleine Geschichten über die Müllabfuhr am Rastplatz an der Warche bei Malmedy oder das Eierfest am 15. August jedes Jahres sind unterhaltsam, zeigen Bewusstsein für den Augenblick und geben Einblick in die örtliche oder geschichtliche Situation. Nach den Stationen Eupen, Sourbrodt, Malmedy, St. Vith, Ouren, Dasburg, Vianden, Bollendorf, Echternach, Gonderange und Luxemburg steht Schwoll schließlich am Grab des Hauptmanns, wo Weg und Buch enden – nicht ohne eine letzte kleine Anekdote von der Beerdigung Voigts zu erzählen . . .

 

Willi Schwoll: Wandern von Aachen nach Luxemburg – Eine Reise in 11 Etappen, Meyer & Meyer Verlag

ISBN 978-3-89899-938-0,

19,95 Euro, 224 Seiten, 193 Fotos, 11 Übersichtskarten

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