Unterwegs gegen Rassismus und Wohnungsnot

Von: Kathrin Albrecht
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Demonstration „Gemeinsam für ein gutes Leben für Alle!“, ab Bahnhof Rothe Erde (PK, 5.7./mh)

Aachen. „Gemeinsam für ein gutes Leben für alle“ – unter diesem Motto ging ein Bündnis aus mehreren politischen Gruppen und Initiativen in Aachen am Samstag auf die Straße. Zu der Demo aufgerufen hatte die „Antirassistische Offensive Aachen“, um ein Zeichen zu setzen gegen zunehmende Armut und rassistische Hetze.

Bei der Startkundgebung am Bahnhof Rothe Erde stellten die Organisatoren noch einmal heraus, worum es geht. Bis zu zwölf Millionen Menschen lebten in Deutschland in Armut, vor allem Kinder, Jugendliche, Alleinerziehende und Arbeitslose seien betroffen, fasste Igor Gvozden, Mitorganisator der Demo, zusammen.

Europaweit sei das Phänomen des wachsenden Sozialabbaus zu beobachten. Hinzu komme die Wohnungsnot. Sozialschwache konkurrierten hier mit Studierenden und Geflüchteten, die ebenfalls nach geeignetem Obdach suchten. Rechte Brandstifter nutzten diese Probleme, um einen Keil in die Bevölkerung zu treiben und ausgerechnet Flüchtlinge für diese Probleme verantwortlich zu machen. „Dem stellen wir uns entgegen, wir lassen und nicht spalten“, stellte Gvozden klar.

Christian Walter, Initiator des Bündnisses „Containern ist kein Verbrechen“ lenkte den Blick auf ein zurzeit laufendes Verfahren gegen zwei Aachener, die noch genießbare Lebensmittel aus Abfallcontainern eines Supermarktes in Brand mitgenommen hatten.

Gute Nahrung als Menschenrecht

Müll gilt in Deutschland als Eigentum, wer ihn entwendet, begeht Diebstahl. Das gelte es zu ändern, betonte Walter, denn jährlich würden elf Millionen Tonnen Lebensmittel einfach weggeschmissen. Über 100 000 Menschen hätten per Online-Petition dieses Anliegen bereits unterstützt. „Gute und ausreichende Nahrung ist ein Menschenrecht“, betonte Walter. Sollte es zur Anklage kommen, werde das Bündnis dies mit Protestaktionen begleiten, kündigte er an.

Für angemessene Löhne setzt sich das Bündnis „Mehrwert Aachen“ ein. Die Initiative hatte sich während des Streiks der Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst gegründet. „Prekäre Arbeitsverhältnisse sind kein Einzelfall, sondern ein Trend,“ stellte Mario Esser heraus. Doch gerade die Arbeit mit Menschen sei eine Arbeit mit Mehrwert, die entsprechende Entlohnung voraussetze.

Nach den Eröffnungsreden setzte sich der Zug über den Adalbertsteinweg Richtung Innenstadt in Bewegung. Sah es zu Beginn noch nach einer eher versprengten Demonstrantengruppe aus, wuchs die Teilnehmerzahl doch auf die erwarteten 200 an. In der Augus-tastraße legte der Zug einen Zwischenstopp ein, um an die mutwillig beschädigten „Stolpersteine“ zu erinnern, die hier zu Ehren von NS-Opfern eingelassen worden sind. „Das Vergessenmachen der Opfer ist ein Grundanliegen aller Neonazis“, sagte ein Sprecher des VVN-Bund der Antifaschisten. Dem gelte es entgegenzutreten.

Weiter ging es Richtung Willy-Brandt-Platz, wo der Zug ein zweites Mal kurz innehielt, um auf die extrem schwierige Wohnsituation in Aachen aufmerksam zu machen. Vertreter der „Antirassistischen Initiative“ und von „Diskursiv“ kritisierten das aus ihrer Sicht mangelnde Engagement von Politik und Verwaltung in Aachen, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Weil Arme nicht mehr in das Konzept der neuen Innenstädte passten, würden Sozialschwache buchstäblich an den Rand gedrängt. Rufe wie „Gute Bildung, schönes Leben, sollte es für alle geben“, skandierend, zogen die Demonstranten über die Wilhelmstraße Richtung Hauptbahnhof weiter, wo die Initiative für ein neues Soziales Zentrum und „YXK“, der Verband der Studierenden aus Kurdistan, die Schlussbeiträge gestalteten.

Den Zug begleiteten zwölf Einsatzkräfte der Polizei. „Die Demo verlief ruhig und problemlos“, resümierte Einsatzleiter Walter Frantzen. Auch Igor Gvozden zog eine positive Bilanz: „Wir haben viele Flyer verteilt, viele waren an unseren Anliegen interessiert.“

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