Aachen - Unterm Schlot qualmen Studentenköpfe

Unterm Schlot qualmen Studentenköpfe

Von: Thorsten Karbach
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Haben große Pläne für die alte Tuchfabrik: Architekt Philipp Hansen (rechts) und Generalunternehmer Christoph Borowski bauen ein gehöriges Stück Industriekultur an der Ottostraße in Wohnraum insbesondere für Studenten um. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. In der alten Tuchfabrik an der Ottostraße verknüpfen Architekt Philipp Hansen und Generalunternehmer Christoph Borowski prächtige Industriearchitektur und studentische Wohnwünsche.

„Wir sind zwar nicht auf Studenten fixiert, aber die Wohnungen sind bewusst WG-tauglich geschnitten”, erläutert Hansen.

An den massiven Steinmauern hatten sich in der Vergangenheit immer wieder Investoren die Zähne ausgebissen. Seit elf Jahren steht das Ensemble aus Pförtnerhaus, Verwaltungstrakt, Kessel-, Lager- und Haupthaus leer. Tuchfabrik ist es schon lange nicht mehr. Nach 1950 residierte ein Elektrobetrieb in den alten Mauern. Auch davon erzählt die Bausubstanz. Wie auch von Bombentreffern, die sich an der Fassade Richtung Heinrichsallee ablesen lassen.

Von dort aus haben Hansen und Borowski - hinter ihnen steht zudem eine Investorengruppe - den Bau fest im Blick. An der Rückseite des Haupthauses werden demnächst Balkonanlagen montiert. Wie bei jedem anderen Arbeitsschritt in enger Abstimmung mit der Denkmalpflege. Bögen wurden wieder hergerichtet.

Alte Gitter wurden gesandstrahlt, werden später wieder angebracht. Durch die hohen Fenster sehen Architekt und Generalunternehmer die ursprüngliche Treppe, die sich im Gebäude nach oben windet. Die Basaltstufen sind tief ausgetreten. Und Basalt ist eigentlich ein sehr harter Stein. Aber in einem Haus aus dem Jahr 1880 haben eben viele Menschen ihre Spuren hinterlassen.

Die greifen Hansen und Borowski auf. Wände werden nicht hinter Raufasertapeten versteckt, sie werden abgeschliffen und gestrichen, behalten ihre Struktur. So bleibt die Aachener Industriekultur auf 2400 Quadratmetern Wohnfläche - verteilt auf 16 Appartments (zwischen 28 und 40 Quadratmeter groß) und ansonsten Drei- und Vier-Zimmer-Wohnungen (zwischen 60 und 110 Quadratmetern).

Allgegenwärtig sind die Mitarbeiter der Borowski Bau GmbH, schließlich soll alles pünktlich zum Start des Wintersemesters - studentischer Wohnraum ist gerade überaus knapp - bezogen sein. Bis dahin werden auch 700 Quadratmeter Garten hinter dem Haupthaus bereitet.

Vor dem Haus wird das alte Kopfsteinpflaster von der später aufgetragenen Asphaltdecke befreit und Parkplätze geschaffen. Quasi vom Bett aus können die künftigen Bewohner an und in ihren vier (und mehr) Wänden viele spannende Details entdecken: Säulen, die sich seit 130 Jahren emporrecken, alte Anker im Mauerwerk, kunstvolle Steinstrukturen. Im Pförtnerhaus werden die alten Holztüren aufgearbeitet.

Seit zwei Jahren sitzen Hansen und Borowski an diesem Projekt. Hansen hat sich mit der Tuchfabrik selbstständig gemacht. Sie haben sich auch von eingestürzten Dächern nicht abhalten lassen. „Bei so einem Objekt ist man schnell mit besonders viel Herzblut dabei. Das hat ganz viel Potenzial”, sagt Hansen.

Doch aus Herzblut allein entsteht eben kein Wohnraum. Alle Dächer mussten neu gedeckt werden, neue Fenster wurden eingebaut, auch um energetisch die Ansprüche des frühen 21. Jahrhunderts an dem Haus aus dem späten 19. Jahrhundert zu sichern. Eine alte Halle links vom Haupthaus war eingestürzt. Sie wurde endgültig entfernt, dadurch lässt sich das Gebäude umrunden.

Der Weg führt aber auch zum Fuß des gewaltigen Schlotes, der - wenn die Denkmalschützer ihr Okay geben - angestrahlt werden soll. Moderne Technik und alte Industriekultur kommen so auf einen Nenner. Auf alten Blausteinböden wollen Architekt und Generalplaner weiterhin aufbauen, die Holztüre, die auf eine längst abgebrochene Brücke führte, wird hinter Glas konserviert. Auf der anderen Seite öffnet eine Gaube den Blick auf das Haupthaus der alten Tuchfabrik, hinter der künftig Studenten an ihrer Zukunft stricken sollen.
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