Aachen - Ungleiche „Kultfiguren” knacken die Klischees

Ungleiche „Kultfiguren” knacken die Klischees

Von: Matthias Hinrichs
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Ungleiches Gespann mit derselben Botschaft: Im Gespräch mit AZ-Redakteur Robert Esser (nicht im Bild) berichteten Peter Maffay (links) und Armin Laschet über höchst lebendige Beispiele für gelungene Integration. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Manchmal ist es eben schwierig, den Klischees zu entrinnen. Nicht nur im Blätterwald der führenden Medien sind den beiden „Stars des Abends” - Peter Maffay und Armin Laschet - schließlich die feinsten Lorbeerkränze geflochten worden.

Demnach hat das ungleiche Gespann, das es sich mit AZ-Redakteur Robert Esser auf dem Podium in den Burtscheider Kurparkterrassen nur äußerlich betrachtet bequem gemacht hat, zumindest dies gemein: Beide gelten als „Kultfiguren der Integration”.

So jedenfalls hat die „Welt” NRW-Minister Armin Laschet jüngst gepriesen. Die luzide Bestandsanalyse des Aachener CDU-Vorsitzenden, vor kurzem unter dem Titel „Die Aufsteigerrepublik - Zuwanderung als Chance” in Buchform erschienen, habe neue Leitsätze für die moderne Politik formuliert, jubilierte die „Zeit”.

Magier der Sonderklasse

Und Peter Maffay, gern tituliert als „Rockikone” und musikalischer Magier der Sonderklasse, dürfte allemal einer der prominentesten Gäste sein, die bislang in Laschets „Zukunftswerkstatt” Hand angelegt haben.

Im Gespräch mit Robert Esser zeigen die Protagonisten eindrucksvoll, dass hier zwei Herzen im gleichen Takt, wenn auch unter denkbar unterschiedlichen Hüllen schlagen.

Im feinen, beschlipsten Anzug der eine; der andere im offenen schwarzen Hemd, unter dessen kurzen Ärmeln kernige Tattoos hervorlugen - beide mit der selben Botschaft: Integration ist nicht nur möglich, sondern unbedingte Voraussetzung für die weitere gedeihliche Entwicklung dieses Landes.

„Irgendwann sind wir uns über den Weg gelaufen”, antwortet Maffay, Jahrgang 1949, lässig auf die Frage nach den Anfängen einer fruchtbaren Allianz zwischen Minister und Musiker. Und berichtet, ebenso wie Laschet, Jahrgang 1960, vor rund 200 sichtlich gebannten Gästen von der gemeinsamen Reise Ende 2008 nach Israel, wo Künstler und Politiker ein ambitioniertes Austauschprogramm aus der Taufe gehoben haben.

40 Millionen Tonträger

Klar: Nicht nur wegen seiner einzigartigen Karriere - mit rund 40 Millionen verkauften Tonträgern, darunter allein 13 Nummer-eins-Alben - darf Maffay als Paradebeispiel für den viel zitierten Wanderer zwischen Welten gelten, die „der Gesellschaft etwas zurückgeben”, wie es im Flyer zur Veranstaltung formuliert ist.

Davon dürfte auch die neue Biografie „Auf dem Weg zu mir” künden, die sich neben ungezählten Autogrammen ebenso wie Laschets Publikation im Anschluss reger Nachfrage erfreuen wird.

Leibhaftig erzählt der gebürtige Rumäne Maffay vorab, wie er als 14-Jähriger 1963, mitten im Kalten Krieg, mit seinen Eltern den Eisernen Vorhang hinter sich ließ, um die eigene Zukunft in einem ihm bis dahin völlig unbekannten Land in die Hand zu nehmen.

Wie er, längst etabliert als Topkünstler deutscher Zunge, die Maffay-Stiftung ins Leben rief, um traumatisierten Jugendlichen auf Mallorca neue Hoffnung zu geben.

Menschen seines Schlages stellt auch Laschet, der „Mutmacher” (WAZ), mit locker-eleganter Schreibe in seinem Werk vor. Amüsant und tiefgründig zugleich erzählt er von Begegnungen mit prominenten „Migrantenkindern” wie der Erfolgsautorin Hatice Akyün (Jahrgang 1969), bricht souverän argumentierend mit altbekannten Vorurteilen wie der Behauptung, dass vor allem die unterschiedlichen Religionen sich als Barrieren für eine geeinte Gesellschaft erwiesen hätten.

Mit seinem Fazit erntet Laschet an diesem Abend mindestens so viel Applaus wie sein prominentes Pendant: „Wir haben uns durch jahrzehntelange Realitätsverweigerung an zahllosen Jugendlichen versündigt.”

Heute gelte es deshalb, alles dafür zu tun, um den Erben der „Gastarbeiter” bestmögliche Chancen, sprich Bildung, zu bieten: „Allein in Aachen stellen sie heute rund 40 Prozent der Kinder. Ohne sie gibt es keine Zukunft für unsere Gesellschaft.” Und das ist nun wahrlich kein Klischee.
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