Unangenehmer Geruch, ohnmächtige Schülerin: Großeinsatz am „Einhard“

Von: Stephan Mohne
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Die Robert-Schuman-Straße war wegen des großen Fahrzeugaufkommens teils gesperrt, Chemieexperten nahmen Messungen vor. Foto: Ralf Roeger
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Großeinsatz im Einhard-Gymnasium: Rund 75 Feuerwehrleute, Notärzte und Rettungssanitäter rückten an, nachdem eine Schülerin ohnmächtig geworden war und es einen unangenehmen Geruch gab. Foto: Ralf Roeger
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Feuerwehrchef Jürgen Wolff gab schließlich Entwarnung. Foto: dmp

Aachen. Mathe, Deutsch, Englisch? Eher uninteressant, wenn gerade Heerscharen von Feuerwehrleuten, Ärzten, Sanitätern die Schule entern, Messgeräte auspacken, nach möglicherweise gefährlichen Chemikalien suchen und auf dem Schulhof auch noch der Rettungshubschrauber landet. Diese Szenerie bietet sich an diesem Donnerstagmorgen am Einhard-Gymnasium. Großeinsatz ist angesagt, die ganz große Nummer.

Es ist gegen zehn Uhr, als in der Feuerwehrleitstelle an der Stolberger Straße ein Alarm eingeht. Der kommt aus der Schule an der Robert-Schuman-Straße in Burtscheid. Eine Schülerin ist auf einem Flur im Trakt der naturwissenschaftlichen Fachräume ohnmächtig zusammengebrochen. Gleichzeitig ist ein unangenehmer Geruch wahrnehmbar, wird seitens der Schulleitung Richtung Leitstelle durchgekabelt. Die Feuerwehr eilt.

Noch auf der Anfahrt gibt es Nachrichten über weitere Schülerinnen und Schüler, die sich unwohl fühlen, wie Jürgen Wolff später vor Ort erzählt. „Da haben wir die ganze Maschinerie hochgefahren“, so der Aachener Feuerwehrchef.

Das kann man hören und sehen. Immer mehr Einsatzfahrzeuge rollen Richtung „Einhard“. Da sind Spezialkräfte für Chemie-Einsätze dabei, da sind Löschfahrzeuge und Gerätewagen, da sind zwei Züge der Freiwilligen Feuerwehr, und da sind mehrere Notarzt- und Rettungswagen. Mit als erstes ist der ADAC-Hubschrauber „Christoph Europa 1“ in Burtscheid, der eine Notärztin an Bord hat. Zum Glück ist die ohnmächtige Schülerin da schon wieder bei Bewusstsein.

Sie wird versorgt und dann in ein Krankenhaus gebracht. Mehrere Trupps der Feuerwehr analysieren die Lage im Gebäude, nehmen Messungen vor. Doch sie können rein gar nichts finden. „Eine kritische oder gar gefährliche Chemikalie haben wir nicht feststellen können“, fasst Jürgen Wolff nach einiger Zeit des Suchens zusammen. Mysteriös. Der unangenehme, als schwefelig beschriebene Geruch, den auch Lehrer wahrgenommen haben, ist da längst verflogen. „Wir haben sofort alle Fenster und Oberlichter geöffnet und die Räume dort gründlich gelüftet“, sagt Schulleiter Ralf Gablik.

Die Feuerwehr sucht dennoch fast zwei Stunden lang, während in anderen Gebäudeteilen der Unterricht (fast) normal weitergeht. Die Robert-Schuman-Straße ist mittlerweile längst zum Parkplatz für die Armada der Einsatzfahrzeuge geworden und teils gesperrt.

Sie stehen dort aufgereiht wie auf einer Perlenschnur – natürlich abgesehen von den Fahrzeugen, die sich im Eingangs- und Zufahrtsbereich der Schule versammelt haben. So um die 75 Helfer sind alles in allem im Einsatz. „Angesichts der Meldungen, die wir bekommen haben, ist das keineswegs ungewöhnlich“, sagt der Feuerwehrchef. Schließlich könnte es etliche Verletzte geben. Gibt es aber zum Glück nicht.

Trotzdem: In der Schule richten die Rettungskräfte eine Art provisorischen Untersuchungsraum ein. Währenddessen werden am Parkplatz des Waldfriedhofs Einheiten von Transportfahrzeugen platziert. Für den Fall der Fälle. „Die könnten notfalls eine Art Pendeldienst zwischen der Schule und Krankenhäusern sicherstellen“, erklärt Jürgen Wolff diese Maßnahme.

Da nun schon eine ganze Reihe von Schülern über Unwohlsein klagt, wird beschlossen, gleich zwei ganze Klassen – 58 der insgesamt rund 1000 „Einhard“-Schüler – zu untersuchen. Jeder einzelne Schüler wird „gesichtet“, Patientendokumentationen werden angelegt. Ein weiteres Kind wird schließlich zur weiteren Untersuchung in ein Krankenhaus gebracht. Der Feuerwehrchef ist am frühen Mittag zuversichtlich: „Ich denke, dass wir alle anderen Schüler gleich wieder in den Unterricht entlassen können und dass der Schulbetrieb wieder ganz normal verlaufen kann.“

Alter Behälter als Ursache?

Zum Gesundheitszustand des kurzzeitig ohnmächtigen Mädchens kann die Feuerwehr zunächst nichts sagen. Auch nicht dazu, was letztlich die Ursache gewesen sein könnte. Nicht ins Reich des Unmöglichen verbannt der Feuerwehrchef den Gedanken, der seitens der Schule geäußert wird, dass sich jemand einen „Scherz“ in Form eines Stinkbombenwurfs erlaubt hat.

Die seit Generationen von Schülern nicht kleinzukriegenden „Juxartikel“ verursachen einen üblen Geruch nach „faulen Eiern“, der durchaus zu den ersten Beschreibungen von Schwefelgestank passen könnte. Sie sind nämlich zumeist mit in Wasser gelöstem Schwefelwasserstoff gefüllt – sozusagen Elisenbrunnen hoch drei. In hoher Konzentration kann die Chemikalie übrigens durchaus gesundheitsschädlich sein. Eine Bestätigung für einen Stinkbombeneinsatz findet sich jedoch nicht.

Die wahrscheinlichste Ursache für den Geruch sieht die Feuerwehr in Arbeiten an einem Behälter, in dem früher „komplett ungefährliche Laugen und Säuren neutralisiert wurden.“ Der Behälter ist lange nicht mehr in Betrieb und wird zurzeit von einem Spezialunternehmen komplett geleert und dann demontiert. So oder so: Gegen 14 Uhr können alle Helfer den Einsatzort verlassen.

Die Feuerwehr erntet indes zum Schluss des Großeinsatzes ein dickes Lob von Schulleiter Gablik und dem Schulpressesprecher Ali Daccour: „Das war hier alles perfekt koordiniert“, sagen sie. Alles sei enorm schnell und ohne Panikmache vonstatten gegangen. Ralf Gablik drückt es so aus: „Zumindest wissen wir jetzt, dass wir in guten Händen sind, wenn wirklich einmal etwas Schlimmeres passiert.“

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