Aachen - Umweltzone: Am Europaplatz droht eine Extrarunde

Umweltzone: Am Europaplatz droht eine Extrarunde

Von: Stefan Herrmann
Letzte Aktualisierung:
11535506.jpg
Ohne Plakette heißt es am Europaplatz bald: eine Extrarunde drehen und dann über die A544 zurück zum Autobahnkreuz. Ab 1. Februar gilt die Umweltzone im Großen und Ganzen innerhalb des Außenrings

Aachen. Ins Rotieren geraten allemal die Autofahrer, die ohne Plakette hinter der Windschutzscheibe ab dem 1. Februar über die A544 auf den Europaplatz rollen. Denn dort heißt es ab Anfang des kommenden Monats: eine Extrarunde bitte und zurückfahren ins Autobahnkreuz!

Denn auf den Autobahnen wird es keine Hinweisschilder geben, dass Aachen in Kürze nur „grüne“ Autos in die City lässt. Kurios. Schließlich hat das für die Autobahn zuständige Land der Stadt die Umweltzone „befohlen“, sieht sich aber selber offenbar nicht zu einem Beitrag willens oder in der Lage.

Besagte Umweltzone steht in den Startlöchern. Damit möglichst wenige Menschen von ihr ausgebremst werden, rotiert zumindest die Stadt und intensiviert ihre Info-Kampagne. Wer darf rein? Welche Ausnahmeregelungen gibt es? Wie werden Autofahrer aus dem benachbarten Ausland auf das bald geltende Sperrgebiet, das im überwiegenden Teil von den Außenringen (siehe Grafik) begrenzt wird, aufmerksam gemacht? Fragen gibt es viele. Antworten auch. Ein Überblick.

Was unternimmt die Stadt, um Bürger wie Auswärtige über die Umweltzone zu informieren?

Entlang der Straßen laufen die Vorbereitungen bereits seit Jahresbeginn auf Hochtouren. Insgesamt 95 Schilder werden derzeit an 50 Zufahrten aufgestellt, um Autofahrer darauf hinzuweisen, dass sie sich der Umweltzone nähern. Dazu weisen Plakate in den so genannten Megalights – den großflächigen Plakatwänden – entlang der Einfallstraßen viersprachig auf die Umweltzone hin.

Auf der Homepage der Stadt steht zudem ein umfangreiches Infopaket bereit. Die wesentlichen Punkte sollen ab kommender Woche auch auf Englisch, Französisch und Niederländisch abrufbar sein. Werbekampagnen sind jenseits der Grenze nicht angedacht. Allerdings veranstaltet die Stadt in Kooperation mit den Nachbarkommunen in den nächsten Wochen noch Pressekonferenzen in Eupen und Heerlen.

Gibt es die Möglichkeit, Ausnahmeregelungen für Fahrzeuge zu beantragen, die keine grüne Plakette bekommen können?

Theoretisch ja. Allerdings: „Die Hürden sind sehr, sehr hoch“, betont Heike Ernst, Leiterin der Straßenverkehrsbehörde der Stadt. So müssen Unternehmer wie Privatpersonen nachweisen, dass das Fahrzeug schon vor dem 1. Januar 2008 auf den Nutzer zugelassen worden und eine Nachrüstung nicht möglich ist.

Zudem darf auf den Halter kein weiteres Fahrzeug gemeldet sein, das die Voraussetzungen für die grüne Plakette erfüllt. Auch muss man nachweisen können, dass die wirtschaftliche Existenz bedroht wäre, wenn man nicht mehr in den Innenstadtbereich fahren dürfte. Erst wenn alle vier Punkte erfüllt sind, kann eine Ausnahmeregelung erteilt werden. Regelungen gibt es darüber hinaus zum Beispiel auch für Oldtimer und Wohnmobile.

Erwartet die Stadt Probleme bei der Einführung der Zone am 1. Februar?

Das nicht. Allerdings macht OB Marcel Philipp weiterhin keinen Hehl daraus, dass man in Aachen die Umweltzone nicht für das Allheilmittel hält, um die Luftqualität in Aachen grundlegend zu verbessern. „Die Zone alleine wird das Thema nicht retten“, sagt Philipp und verweist auf den Luftreinhalteplan, der insgesamt 37 Maßnahmen auflistet.

Die Umweltzone, die nun auf Anordnung der Bezirksregierung eingeführt wird, ist eine davon. Philipp und die Verwaltung setzen dabei vor allem auf eine Karte: „Wir glauben, dass man mit dem Ausbau der E-Mobilität in Aachen viel erreichen kann.“

Wo genau gilt die Umweltzone?

Die Umweltzone wird für das gesamte Gebiet innerhalb des Außenrings gelten. Allerdings gibt es zwei Ausnahmen: Die Autobahn A544 inklusive Europaplatz bleibt frei. Dort allerdings dürfen Fahrzeuge ohne Plakette wie beschrieben nur eine Runde drehen und müssen theoretisch zurück Richtung Kreuz oder zumindest bis zur Abfahrt Rothe Erde fahren.

Die zweite Ausnahme ist die Einfallschneise Krefelder Straße. Dort kann man bis zum P&R-Platz am Tivoli auch ohne Plakette fahren. Das P&R-System möchte die Stadt im Zuge der Umweltzone stärker bewerben. Neue Flyer liegen ab kommender Woche in den Verwaltungsstellen und in der Tourist-Info am Elisenbrunnen aus. Insgesamt vier P&R-Plätze stehen zur Verfügung: neben dem Parkhaus Tivoli am Westfriedhof, am Waldfriedhof sowie an der Ecke Jülicher Straße/Berliner Ring.

Vor allem der Standort Tivoli werde immer besser angenommen, berichtet Uwe Müller, Leiter der Abteilung Verkehrsmanagement der Stadt. 6000 Tickets seien es im Jahr 2014 gewesen, im abgelaufenen Jahr hätten die Ticketzahlen bis November sogar bereits um 30 Prozent höher gelegen als im Vergleichszeitraum in 2014.

Richtet die Stadt nun Sondereinheiten ein, um zu überprüfen, dass Autos in der City die grüne Plakette besitzen?

Nein, betont Philipp. Das Ordnungsamt übernimmt die Überprüfung der Plakette nur als einen Teil der Aufgaben. „Stellen alleine zu diesem Zweck oder gar die Einrichtung einer gesonderten Einheit gibt es nicht“, fügt der Oberbürgermeister an. In Parkhäusern wird aus rechtlichen Gründen übrigens gar nicht kontrolliert.

Wo ist die Plakette erhältlich?

Sie kann persönlich oder online an folgenden Stellen in Stadt und Städteregion erworben werden: Straßenverkehrsamt der Städteregion, TÜV, Dekra, GTÜ oder bei autorisierten Kraftfahrzeugwerkstätten. Die Plakette kostet zwischen fünf und fünfzehn Euro, abhängig vom Anbieter. Beim Straßenverkehrsamt sowie bei TÜV und Dekra können die Plaketten auch online bestellt werden.

Diesen Service können auch Gäste aus dem benachbarten Ausland nutzen. In Aachen werden überdies nur wenige akut von der Einführung der Umweltzone betroffen sein: 92 Prozent der hier gemeldeten Fahrzeuge besitzen nämlich schon die Umweltplakette.

Leserkommentare

Leserkommentare (1)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert