Aachen - Umsteigen auf die Bahn? Eine Frage der Kosten

Umsteigen auf die Bahn? Eine Frage der Kosten

Von: Daniel Gerhards und Valerie Barsig
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Spannende Diskussion: Die AZ-Redakteure Stephan Mohne (links) und Oliver Schmetz lenken die zweistündige Debatte zu den kritischen Punkten. Foto: Michael Jaspers
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Wenn die Aachener die Campusbahn wollen, hat sie eine Menge Arbeit: Regina Poth, Geschäftsführerin der Campusbahn-Gesellschaft, gibt viele Infos zum geplanten 240-Millionen-Projekt.

Aachen. Als Ursula Lüthe in den Bus steigt, ist sie noch vollkommen unentschieden. Ob sie am 10. März für oder gegen die Campusbahn stimmen wird, weiß sie noch nicht. Dabei könnte sie unmittelbar von der Bahn profitieren: „Ich wohne in Brand und fahre oft mit dem Bus in die Stadt“, sagt sie.

Bei der AZ-Aktion „Talk im Bus“ informiert sie sich – wie rund 40 andere Leser – zum Planungsstand in Sachen Stadtbahn. Wo könnte man besser über das Projekt reden als auf der geplanten Strecke: Der AZ-Bus fährt von Brand bis zum Driescher Gässchen über die Strecke, auf der die Campusbahn einmal rollen könnte. Moderiert wurde die Diskussion im Bus von den AZ-Redakteuren Stephan Mohne und Oliver Schmetz.

Endstation der Bahn soll in Brand sein. Dort könnten Leute, die aus dem Südraum kommen, in die Bahn umsteigen. Regina Poth, Geschäftsführerin der Campusbahn-Gesellschaft, erklärte, dass das Umsteigen deutlich leichter werden soll: Beim Einstieg sei die Spalte zwischen Bahnsteig und Bahn sehr klein. Auf den 60 Meter langen und 30 Zentimeter hohen Bahnsteig gelange man – auch mit Rollator, Kinderwagen oder Rollstuhl – bequem über ein Rampe. Und: In der Bahn fahre es sich ziemlich komfortabel. Ohne das Bus-typische „Ruckeln“.

Das ist auch für Ursula Lüthe einer der positiven Aspekte. „Es gibt sicher viele Punkte, die dafür sprechen. Aber einige Dinge sind heute noch gar nicht klar. Wenn ich entscheiden soll, dann muss ich auch wissen, wie die Strecke nachher aussehen soll“, sagt sie. Offen ist zum Beispiel noch, an welchen Stellen an den sogenannten Nebenanlagen gearbeitet werden muss. Das heißt: Wo verschmälern sich Gehwege? Wo müssen Laternen und Ampeln versetzt werden? Und wo werden Bäume gefällt?

Keine Kettensägen werden auf dem Stück zwischen Josefskirche und Elsassstraße kreischen: Poth erklärt, dass die Allee dort erhalten bleibe. In Forst könne es dagegen eher nötig sein, Bäume zu fällen. „Wenn wir die breiten Nebenanlagen erhalten, müsste sich die Bahn eine Spur mit den Autos teilen“, sagt Poth. Werden die Nebenanlage kleiner, könnte es dagegen eine eigene Spur für die Bahn geben. Solche „Detailfragen“ könnten erst nach einer positiven Entscheidung erörtert werden. Jetzt gehe es um die Grundsatzentscheidung: Wollen sich die Aachener die Campusbahn leisten oder nicht?

Eins ist schon jetzt klar: Billig wird die Bahn nicht. 240 Millionen Euro soll sie insgesamt kosten. Die Planer gehen davon aus, dass der Bau der Trasse 130 Millionen Euro kosten wird, das sind 10,5 Millionen Euro pro Kilometer, wie Hermann Paetz, Geschäftsführer der Campusbahn-Gesellschaft, vorrechnet. 90 Prozent davon übernehmen Bund und Land. Für die Stadt Aachen blieben Kosten von insgesamt 130 Millionen Euro. Denn für Fahrzeuge und den Betriebshof gebe es beispielsweise keine Förderung.

Für so viel Geld soll man dann flotter von Brand in die Innenstadt und zum Klinikum kommen. Heute braucht man von Brand bis in die Innenstadt 24 Minuten mit dem Bus. Mit der Bahn wäre man sechs Minuten schneller. Bis zum Klinikum spare man sogar zwölf Minuten, sagt Paetz. Das könne die Bahn trotz 23 Haltestellen auf der Strecke leisten.

Dazu kann die Bahn mehr Fahrgäste befördern: Sind zwei Waggons gekoppelt, passen 400 Passagiere rein. Das könne die Kapazitätsprobleme lösen, die das Bussystem in Aachen schon heute habe. 220.000 Personen steigen täglich on die roten Busse ein. „Aachen ist unter den deutschen Städten, die keine Stadtbahn haben, die mit den meisten Fahrgästen“, erklärt Paetz. An einigen Stellen können wegen der engen Taktung nicht mehr Busse fahren. Aber was ist dann die Alternative zur Campusbahn? Paetz: „Wenn wir kein leistungsfähiges Verkehrssystem haben, müssen die Leute am Straßenrand stehen bleiben.“

Das möchte Ursula Lüthe nicht. Nach dem AZ-„Talk im Bus“ hat sie sich trotzdem entschieden: Sie will gegen die Campusbahn stimmen. „Die Kosten sind für mich ein großes Problem“, sagt sie. Den Berechnungen der Planer traut sie nicht ganz, sie seien zu wenig nachvollziehbar.

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