Aachen - Umspannwerk: Millionenumbau bleibt für Bürger tabu

Umspannwerk: Millionenumbau bleibt für Bürger tabu

Von: Robert Esser
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Zwischen AM-Neubau und Kapuziner-Karree: Ab Juni wird das ehemalige Stawag-Umspannwerk an der Borngasse zu einem komfortablen Proberaum-Komplex für das Sinfonieorchester des Aachener Theaters umgebaut. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Entgegen den ursprünglichen Plänen soll das Umspannwerk an der Borngasse auch in Zukunft für die Öffentlichkeit tabu bleiben. Immerhin 2,4 Millionen Euro investiert die Stadt über den Bauherrn Eurogress in den Generalumbau des historischen Transformatorenhauses.

Schon im Sommer kommenden Jahres soll das Sinfonieorchester Aachen unter der Leitung von Marcus Bosch hier nahezu täglich proben. „Ende April wird die Feinabstimmung der Baupläne beendet sein, dann geht es zügig los”, freut sich der Verwaltungsdirektor des Theaters, Udo Rüber.

„Wir haben über elf Jahre nach einem adäquaten Proberaum für unser Orchester gesucht. Endlich ist das Ende der unwürdigen Probebedingungen im Ausweichquartier Elisabethhalle abzusehen.”

Stattliche 486 Quadratmeter misst der künftige Hauptproberaum im Umspannwerk. Daneben sind sechs Übungszimmer, zwei Stimmzimmer, eine Notenbibliothek und ein Aufenthaltsraum in der Planung des Architekturbüros Höhler & Partner vorgesehen.

Genug Platz für die 66 Stammmitglieder des Orchesters und rund zehn regelmäßige Praktikanten, den 22-köpfigen Chor des Theaters und gegebenenfalls bis zu 120 Chormitglieder bei Gastspielen. „Die Lage ist für uns Theaterleute bombig. Über den Zugang vom Kapuziner Karree ist das Umspannwerk schnell erreichbar, außerdem gibt´s eine Lkw-Zufahrt”, schwärmt Rüber. Und auch das Orchester dürfte nicht unglücklich darüber sein, dass es seine neue Heimat nicht mit der Öffentlichkeit teilen muss. „Sonst hätte man die kostbaren Instrumente immer wieder umräumen müssen”, erklärt Rüber.

Doch nicht etwa aus Bequemlichkeit, sondern allein aus Kostengründen werde man auf den Umbau zu einem kombinierten Probe- und Veranstaltungsraum verzichten müssen, betont der Theatermann. Schließlich dürfe man wegen der empfindlichen Instrumente auch keine Abstriche bei Klimatechnik und Akustik riskieren. Die gesetzlichen Vorgaben bei Veranstaltungsräumen für mehr als 199 Personen inklusive neuer Fluchtwege sowie größer dimensioniertem Lüftungs- und Heizungssystem seien ungleich größer - und enorm teuer.

Somit scheidet das Umspannwerk mit seiner einzigartigen Atmosphäre im Interieur - mit historischen Großtransformatoren, alten Schwerlastkränen und gewaltigen Stromleitungen, die an Kulissen aus Fritz Langs Stummfilm-Klassiker „Metropolis” erinnern - als hochkarätige Veranstaltungsstätte für bis zu 400 Besucher erstmal aus.

Den Plan, Aachens Sinfoniker in den Backsteinbau zwischen ehemaligem Posthof und Borngasse, unmittelbar neben dem Mammutneubau der Aachen Münchener Versicherungen, einziehen zu lassen, hatten CDU, SPD, Grüne und FDP gemeinsam gefasst. Der fertige Proberaum soll dann vom Bauherrn Eurogress ans Theater für 200.000 Euro pro Jahr untervermietet werden. Dieses Geld wollen die Politiker noch auf den jährlichen Theaterzuschuss von 15 Millionen Euro draufsatteln.
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