Umrüstung von über 430 Fahrgastunterständen hat begonnen

Von: Stefan Herrmann
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Die Umrüstung hat begonnen: Die Werbeflächen sind schon seit einigen Tagen leer, am Bushäuschen an der Monheimsallee wurden am Montag vom bisherigen Betreiber JCDecaux die Glaswände abmontiert. Foto: Michael Jaspers
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Bald baut der neue Ausstatter RBL 460 neue Unterstände sowie 153 Reklamevitrinen und sechs WC-Häuschen in Aachen auf. Foto: Michael Jaspers
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Eine Mammutaufgabe: Rolf Frankenberger von der Stadt koordiniert die Umrüstung der Stadtmöblierung.
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Ein alte Toilette am Elisenbrunnen.

Aachen. Wenn man die Zahlen zu Rate zieht, die unter Branchenkennern kursieren, dann kann man wohl festhalten: Die Stadt hat ein gutes Geschäft gemacht. Auch wenn es erstmal nach einem Schildbürgerstreich klingt, dass weit über 400 augenscheinlich intakte Wartehäuschen abgebaut werden, um wenige Tage später durch neue Modelle ersetzt zu werden.

Doch hatten auch externe Experten der Stadtverwaltung früh geraten, dass es wohl kaum ein besseres Angebot geben werde als das, was im vergangenen Jahr vom niederländischen Unternehmen Reclamebureau Limburg (RBL) reinflatterte. Denn eigentlich heißt es derzeit, Städte könnten zufrieden sein, wenn sie einen Werbepartner fänden, der pro 1000 Einwohner einen Fahrgastunterstand mit Werbeflächen an Bushaltestellen aufbaue. Damit käme Aachen auf maximal 260. Doch RBL rüstet in den kommenden Wochen 460 Bushäuschen um, daneben auch noch 153 Reklamevitrinen und sechs WC-Häuschen.

Keine Chance auf Übernahme

Am Montag hat somit eine der größten Tauschaktionen, die Aachen in seiner langen Geschichte gesehen hat, begonnen. Der Vertrag mit dem bisherigen Partner JCDecaux – Branchenriese in Deutschland und seit 1986 in Aachen für die sogenannte Stadtmöblierung zuständig – war zum Jahresende ausgelaufen und musste daher im Sommer 2015 europaweit ausgeschrieben werden. JCDecaux habe dabei von Anfang an kein ernsthaftes Interesse gezeigt, die Zusammenarbeit fortzusetzen, so Edmund Feiter, Chef des Immobilienmanagements der Stadt, am Montag. Und auch das Angebot der Stadt, zumindest einen Teil der Wartehäuschen zu übernehmen, schlug der bisherige Ausstatter aus.

Daher fand am Montag der offizielle Startschuss zum „Möbelrücken“ im XXL-Format statt. Als einen der ersten Unterstände steuerte ein Trupp von JCDecaux die Haltestelle Eurogress/Spielcasino an der Monheimsallee an und entfernte die Glasscheiben. Noch in dieser Woche wird die Stromversorgung deinstalliert, der Metallbau abmontiert und schließlich das Fundament erneuert. Im Anschluss rückt der neue Ausstatter RBL an und stellt einen neuen Unterstand auf, der dann am 14. Januar gewissermaßen seinen Betrieb aufnimmt. Für den Abbau aller rund 430 Wartehäuschen sind etwa fünf Wochen vorgesehen. „Das ist unser Idealplan“, sagt Rolf Frankenberger.

Der Leiter der Abteilung Strategisches Immobilienmanagement hat die gigantische Tauschaktion mit seinem Team seit Monaten vorbereitet. Nun blicken alle gen Öcher Winterhimmel und hoffen auf eine ruhige und vor allem schneefreie Wetterlage, damit die Umrüstung wie vorgesehen über die Bühne geht. Der Aufbau der neuen Unterstände, der nun leicht zeitversetzt beginnt, schlägt mit etwa acht Wochen zu Buche. Wichtig ist allen Akteuren: Die Buskunden sollen nur so kurz wie möglich „im Regen“ stehen gelassen werden. Meist steht das neue Häuschen zwei Tage nach Abbau des alten, so Frankenberger. „Bei der Planung und Koordinierung haben wir versucht, den Verkehr so gering wie möglich zu beeinträchtigen. Daher werden die Bautrupps an unterschiedlichen, voneinander entfernten Stellen eingesetzt und nicht gleichzeitig an einer Straße“, erklärt Frankenberger. Und auch der Linienverkehr laufe trotz des großflächigen Austauschs wie gewohnt, versichert Hermann Paetz, Centerleiter Verkehr bei der Aseag.

Für die neuen Unterstände gibt es unterdessen von Seiten der Stadt und der Aseag viel Lob. So sei das Design modern, die Seiten- und Rückwände geraten größer, womit sich der Windschutz für die wartenden Fahrgäste verbessere. Und ein Manko der alten Bushäuschen, über das sich Kunden immer wieder beschwerten, verschwindet auch: Der Fahrplan hängt künftig in Vitrinen neben der Sitzbank und nicht wie bisher genau darüber. Für die Zeit der Umrüstung müssen Aseag-Kunden übrigens nicht auf Fahrpläne verzichten. Seit Dezember hat das Unternehmen Ersatzpläne an die Haltestellenschilder montiert.

Zug um Zug werden dann auch die Werbeflächen der niederländischen Ausstatter bespielt werden. Klappt alles wie geplant, soll die komplette Tauschaktion Ende März abgeschlossen sein. Den in der Werbebranche viel beachteten Einstieg in den deutschen Markt lässt sich RBL einiges kosten: Rund sieben Millionen investiert das Unternehmen in den Aufbau der 460 neuen Unterstände, 153 Reklamevitrinen und sechs WC-Häuschen. Hinzu kommen die Wartungskosten in den kommenden 15,5 Jahren sowie eine jährliche Pacht in Höhe von 130.000 Euro, die RBL an die Stadt bezahlt – immerhin circa 50.000 Euro mehr pro Jahr als der bisherige Ausstatter JCDecaux. So ist es kein Wunder, dass viele Kommunen wie auch Werberiesen in Deutschland mit Interesse verfolgen, wie das neue Modell in Aachen anläuft.

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