Aachen - Umbau vom Horten-Haus im Quartier Büchel muss warten

Umbau vom Horten-Haus im Quartier Büchel muss warten

Von: Robert Esser
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Kacheln fallen: Kommendes Jahr wird die ehemalige Horten-Immobilie ihr typisches Erscheinungsbild komplett ändern. Foto: Michael Jaspers
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Leerstand: Seit Juni 2017 sind tausende Quadratmeter in dem fünfgeschossigen Kaufhaus verwaist – und viele benachbarte Ladenlokale. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Die Hortenkacheln werden fallen. So viel ist sicher. Wann dies geschieht, ist indes unklar. Frühestens im zweiten Quartal 2019 – und damit ein gutes Jahr später als ursprünglich geplant – könnte das verwaiste Kaufhaus nach dem Auszug der Kaufhof-Tochter „Lust for Life“ wiederbelebt werden.

Zentraler Kundenmagnet soll ein „Food Market“, eine Markthalle in den unteren Etagen, werden. „Ja, wir steigen jetzt in die konkrete Planung ein. Im ersten Quartal 2018 soll das detaillierte Konzept stehen, erst dann kann der Umbau beginnen“, erklärte Kolja Linden, Sprecher des Aachener Projektentwicklers Landmarken AG, am Mittwoch auf Anfrage der Aachener Zeitung.

Dem Vernehmen nach mussten erst einige planungsrechtliche Hürden – vor allem bezüglich der Abstandsflächenregelungen – genommen werden. Denn wenn die baulichen Eingriffe ein bestimmtes Maß übersteigen, greifen – vereinfacht formuliert – weitreichendere Abstandsregelungen. Da mussten die Vorstellungen des Investors mit Einwänden der Stadtverwaltung in Einklang gebracht werden – was offenbar nach einigen konstruktiven Gesprächsrunden mit dem Fachbereich Stadtentwicklung gelungen ist. „Die Eckpfeiler für die Schaffung von Baurecht sind besprochen“, bestätigt Linden.

Da nur die unterirdische Rosenquelle unter Denkmalschutz steht, kann der Komplex mit derzeit 18 500 Quadratmetern Nutzfläche verteilt auf fünf oberirdische Geschosse und ein Untergeschoss theoretisch komplett niedergelegt werden. Doch das will niemand.

Wohl aber soll der Bau auf dem 3210 Quadratmeter großen Grundstück zwischen Mefferdatisstraße, Bädersteig (Dahmengraben) und Komphausbadstraße ein neues Gesicht, ein modernes Profil erhalten. Überlegt wird von den Planern – federführend ist „kadawittfeld Architektur“ –, wie man natürliches Licht von oben In den Komplex leiten kann. In den oberen Etagen ist nämlich eine Bürolandschaft vorgesehen, die modernsten Ansprüchen gerecht wird und von kreativen Köpfen als durchaus „kultiges“ Domizil erobert werden könnte.

Die Beheimatung eines kleinen Hotels scheint hingegen vom Tisch. „Licht könnte durch ein Atrium hineingebracht werden, aber auch durch in den Baukörper geschnittene Lichthöfe – das ist noch nicht entschieden“, sagt Linden. Zweifellos wird der 1962 errichtete Horten-Bau nach der umfassenden Frischzellenkur kaum noch wiederzuerkennen sein.

Reihenweise verwaiste Läden

Für die Nachbarschaft entscheidend ist indes, dass der Komplex überhaupt schnellstmöglich wiederbelebt wird. Denn die Wege der Aachener Kundschaft führen nicht erst seit dem Aus für „Lust for Life“ im Juni dieses Jahres in einem weiten Bogen um das Areal. Entlang des Dahmengrabens, an der Mefferdatisstraße etc. stehen reihenweise Geschäftslokale leer. Das ehemals florierende Einkaufsviertel braucht dringend einen neuen zentralen Anziehungspunkt.

Da wäre das von der Landmarken AG favorisierte Nutzungskonzept mit einem „Food Market“ im Erdgeschoss (und möglicherweise auch darüber hinaus) eine überaus willkommene Lösung. Andere Städte wie Berlin und Rotterdam  haben bereits erfolgreich vorgeführt, wie durch ansprechende Markthallen-Konzepte mit qualitativ hochwertigen kleinteiligen Shops entscheidende Impulse für ganze Stadtviertel gesetzt werden können.

Die Landmarken AG betont, dass man die Entwicklung der alten Horten-Immobilie völlig unabhängig von der auf der Stelle tretenden Überplanung des benachbarten Rotlichtbezirks Antoniusstraße (Altstadtquartier Büchel) vorantreibt. „Da gibt es keinerlei Abhängigkeiten, die verhindern, dass es im ehemaligen Lust for Life vorangeht“, betont Linden.

Bekanntlich vertreten beim Altstadtquartier Büchel – dessen Entwicklung ebenfalls die Landmarken AG mit der Aachener Immobiliengesellschaft anschieben – die Investoren einerseits und die politische Mehrheit im Stadtrat andererseits unterschiedliche Ansätze, was den Verbleib der Prostitution in der Antoniusstraße angeht. Auch wenn das Rotlichtmilieu bleibt und weitgehend Stillstand bei der Überplanung des Büchel-Quartiers herrscht, will die Landmarken AG den Planungsprozess für die Horten-Immobilie zügig vorantreiben.

„Parallel führen wir bereits Gespräche mit potenziellen Nutzern, sowohl für die Markthalle mit ihren kulinarischen Angeboten als auch für die oberen Geschosse, wo zum Beispiel ganz neue Arbeitswelten entstehen könnten“, erläutert der Landmarken-Sprecher. All dies geschieht in enger Abstimmung mit dem renommierten Planungsbüro Dan Pearlman, das schon die enorm erfolgreiche Markthalle IX in Kreuzberg konzipiert hat.

Um das Angebot in Aachen präzise auf die erwartete Kundschaft abzustimmen, wurde auch der Aachen Tourist Service zu rate gezogen. Außerdem laufen bereits sogenannte „Zielgruppen-Analysen“.

Nichts soll dem Zufall überlassen werden. Zu wichtig ist das Projekt für den Investor und den Aachener Einzelhandel. Dann können die Kacheln fallen.

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