Aachen - „Um zu Leben“: Geschichte von Flucht und Vertreibung

„Um zu Leben“: Geschichte von Flucht und Vertreibung

Von: Jari Wieschmann
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Haben ein eindrucksvolles Werk geschaffen: die Filmemacher Miriam Purcitta und Michael Chauvistré (Mitte) im Apollo-Kino mit ihren jungen Mitstreitern. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. In eindrucksvollen Worten erzählt Julio seine Geschichte, die ihn aus Kamerun nach Aachen geführt hat. Gemeinsam mit Abdallah, Abdel Ghafour, Abdoulaye, Abdulaja, Abdullah, Aram, Hekmattulah, Justin, Liya, Michelle, Mohammed, Muntaka und Seda ist er Hauptdarsteller in dem Film „Um zu Leben“, der am Sonntag im Apollo-Theater zum ersten Mal gezeigt wurde.

Aufgrund des großen Andrangs, knapp 400 Menschen wollten den Film sehen, wurden für die Premiere gleich drei Säle belegt. Im vergangenen Oktober hatten die unbegleiteten Flüchtlinge mit den Filmemachern Miriam Pucitta und Michael Chauvistré im Rahmen eines Workshops die Handlung erarbeitet und sich Kenntnisse im Umgang mit Kamera, Tontechnik und Bildgestaltung erarbeitet. Gedreht wurde dann an der Reformpädagogischen Sekundarschule am Dreiländereck, die am Projekt beteiligt war, auf Brachen, im Wald, in Unterkünften der Jugendhilfe und auf dem Zollgelände in Kooperation mit der Polizei.

Entstanden ist ein 22-minütiges Werk, das einen Blick auf Flucht, Vertreibung und den Start in ein neues Leben zeigt. Der 18-jährige Julio beschreibt gleich zu Beginn des Films, was ihn vor drei Jahren zur Flucht nach Deutschland bewogen hat: „Früher gab es nur Probleme zwischen uns und den anderen. Hier habe ich ein neues Leben gefunden und die Leute sind lieb und nett“. In Kamerun habe hingegen jeder nur an sich gedacht und Gewalt geherrscht. Die persönlichen Schilderungen der Jugendlichen werden von einer Rahmenhandlung umschlossen, die in verwackelten und zum Teil auch in schwarz-weiß gedrehten Bildern die konkreten Bedingungen einer Flucht in den Fokus rückt. Auf der Flucht zu sein, so beschreiben es die jungen Menschen, sei von immer wiederkehrenden Phasen des Wartens und des Rennens gekennzeichnet. In Deutschland angekommen, mussten sich die Flüchtlinge dann mit ganz alltäglichen Problemen beschäftigen und lernen, dass es zum Beispiel an einer Dusche eine Einstellung für kaltes und warmes Wasser gibt.

Von dem filmischen Ergebnis waren die Zuschauer sichtlich beeindruckt. „Wir kennen die Geschichten der Menschen, die bei uns ankommen, aber nicht die Schicksale derer, die es nicht schaffen“, sagte Knut Paul, der als Pressesprecher der Bundespolizeidirektion Aachen an der Entstehung des Films beteiligt war. Für Brigitte Drews, stellvertretende Leiterin des Fachbereichs Kinder, Jugend und Schule der Stadt Aachen, war der aktuelle Film der emotionalste in der Reihe. Zuvor waren bereits „Wie geht Deutschland“ und „eine Banane für Mathe“ ebenfalls in Zusammenarbeit mit Miriam Pucitta und Michael Chauvistré entstanden.

Für Julio, wie auch die anderen Hauptdarsteller, hat die Geschichte ein gutes Ende genommen. Er wird im September eine Ausbildung als Krankenpfleger beginnen.

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