Um 19.12 Uhr brandet Jubel auf

Von: Stephan Mohne, Albrecht Peltzer und Oliver Schmetz
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Das Ergebnis steht fest: Beste Stimmung bei den Bauhaus-Gegnern im gut gefüllten Krönungssaal des Rathauses. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Es ist 19.12 Uhr im Krönungssaal des Rathauses, nur wenige Meter von der Stelle entfernt, wo eigentlich das „Bauhaus Europa” gebaut werden soll. Plötzlich brandet Jubel auf, die Gegner des 31-Millionen-Projekts liegen sich in den Armen, stimmen Lieder an, tragen ihren Sprecher Darius Dunker auf den Schultern.

Auf der Leinwand steht eine Zahl: 37.258 - so viele „Ja”-Stimmen sind bis dahin gezählt bei diesem zweiten Bürgerentscheid in der Aachener Nachkriegsgeschichte. Da die Bauhaus-Befürworter zudem deutlich im Hintertreffen sind, steht schon zu diesem frühen Zeitpunkt fest: Der Bürgerwille hat die mehrheitliche Ratsentscheidung vom 16. August gekippt.

Am Ende wird das Ganze noch viel deutlicher aussehen: Insgesamt mehr als 71.000 Aachener sind an die Urnen gegangen, das ist eine sensationell hohe Beteiligung von 38,5 Prozent. Genau 56.532 (30,61 Prozent aller Wahlberechtigten) haben sich gegen das „Bauhaus” entschieden - das sind rund 80 Prozent der abgegebenen Stimmen.

„Das Ergebnis ist überwältigend”, sagt Darius Dunker in jedes der vielen Mikrofone, die ihm entgegengehalten werden. Küsschen gibt es für ihn von seinen Mitstreitern, Blumensträuße, Umarmungen. Und der junge Mann blickt schon einmal in die Zukunft: „Mit uns wird es nichts geben, was an den Bürgern vorbei geplant wird.” Mehr Bürgernähe sei seitens der Politik nötig - dieser Maßstab gelte auch für Projekte wie das „Haus für Musik”.

Bestens gelaunt zeigt sich auch Rolf Einmahl, Fraktionschef der CDU, die das „Bauhaus” abgelehnt hat. „Manchmal sind die Bürger eben klüger als die Ratsmehrheit”, lacht er - um dann auch den Erfolg abzuhaken und in die Zukunft zu blicken: „Wir müssen gemeinsam sehen, was wir für Aachen erreichen können.”

Während die Gegner feiern, herrscht bei denen, die über Jahre mit Herzblut für das Projekt gekämpft, Traurigkeit vor: OB Jürgen Linden tritt kurz nach halb acht ans Mikrofon und verkündet im Blitzlichtgewitter und umringt von den TV-Kameras, dass das Bürgerbegehren Erfolg hatte.

Danach eilt er zur Pressekonferenz mit den Ratsfraktionen, die für das „Bauhaus” waren. „Ich bin enttäuscht, ich bin auch deprimiert”, sagt der OB in gefasstem Ton. Das deutliche Votum sei zu akzeptieren, der Entscheid ein Instrument der Demokratie, für das man Jahrzehnte gekämpft habe.

Man werde nun schauen müssen, wie man „Aachen zukunfts- und wettbewerbsfähig” erhält. Einen Schnellschuss werde es aber nicht geben.
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