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„Ulli” und „Andrea” stürmen kräftig um die Wette

Von: Matthias Hinrichsund Stephan Mohne
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Manege frei? Von wegen! Beim gestrigen Sturm ließen die Zirkusleute auf dem Bendplatz Vorsicht walten und sagten beide Vorstellungen des Aachener Weihnachts-Circus-Festivals ab. Das Publikum stand enttäuscht vor verschlossenen Türen.

Aachen. Nicht nur Profi-Seiltänzer Freddy Nock ließ sich am Dienstag, ausnahmsweise und vorsichtshalber, erst gar nicht aus der Balance bringen durch „Ulli” und Co: Wer konnte, ging dem aktuellen Sturmtief, das seit Dienstagfrüh auch durchs Dreiländereck fegt, aus dem Wege.

Verdutzte Mienen gab es somit weniger bei den Spaßmachern des Weihnachts-Circus-Festivals auf dem Bendplatz als vielmehr bei zahlreichen Manegen-Fans, die vor dem großen Zelt an der Kühlwetterstraße vergebens Einlass begehrten. Wegen der akuten Wetterwarnungen - gemeldet wurde Windstärke 11, Tendenz keineswegs nachlassend - mussten die Vorstellungen abgesagt werden.

Dabei kamen die Aachener zunächst glimpflich davon. Bis zum früheren Nachmittag meldete die Feuerwehr nicht mehr als acht kleinere Einsätze ohne größere Schäden; zwei kleinere Bäume waren abgestürzt, Äste fegten über die Fahrbahnen, vereinzelt wurden lose Dachziegel ausgemacht und entfernt. Heftiger traf es kurz darauf den Boxgraben: Weil dort Teile eines Daches herabgeweht wurden, musste die wichtige Verkehrsader vorübergehend gesperrt werden. Zu diesem Zeitpunkt sah das knapp jenseits der Stadtgrenzen schon deutlich heftiger aus. In Würselen wurde ein Lastwagen regelrecht vom Winde verweht und kippte zur Seite. Den Feuerwehrleuten aus der Düvelstadt eilten auch die Aachener Kollegen zu Hilfe - mit ihrem großen Bergungskran. In Stolberg erwischte eine Böe unterdessen einen Kleinwagen. Er wurde regelrecht „ausgehoben”, flog 40 Meter weit und überschlug sich, bevor er auf einer Wiese zum Stehen kam. Vielerorts kippten große Bäume auf wichtige Straßen und mussten flugs zersägt werden.

Nachmittags schaltete die Unwetterwarnzentrale die Warnstufe für die Stadt hoch. Von 14.30 Uhr an galt „Rot”. Das ist nach der Stufe „Violett” die zweithöchste Warnstufe. Und so ging dann auch schon ein munterer Einsatzreigen los. Gegen 16 Uhr eilten die Brandschützer Richtung Elsa-Brandström-Straße am Lousberg, weil dort ein großer Baum drohte, auf ein Haus zu stürzen. Zunächst wollte die Feuerwehr ihn zersägen. Doch der Gigant wankte schließlich derart, dass die Helfer Vorsicht walten ließen, ihn an die „Leine” legten, um ihn schließlich „kontrolliert” neben das Haus zu bugsieren. An einem Haus in der Stift-straße lösten sich fast zeitgleich Teile einer Fassade. Eine Zeitlang bestand die Gefahr, dass sie auf den Gehweg direkt vor einem Supermarkt stürzten. Im Tittardsfeld in Laurensberg konnte dann von „kontrolliert” keine Rede mehr sein, denn ein großes Gehölz stürzte um, bevor die Feuerwehr vor Ort war. Der Baum krachte auf zwei geparkte Autos, die schwer beschädigt wurden.

Es kommt auch Starkregen

Insbesondere im Südraum hielten sich mehrere Löschzüge der Feuerwehr bereits am frühen Nachmittag in Alarmbereitschaft. Denn die Experten gehen davon aus, dass „Ullis” Nachfolgerin „Andrea” ab Donnerstag mindestens ebenso heftig wüten könnte: Auch morgen werden wieder Windstärken von über 100 Stundenkilometern erwartet; die Fachleute sprechen bei diesem Turbulenzentempo von orkanartigem Sturm. Schon am Dienstag wurde die Marke von 100 km/h überschritten.

Da werden durchaus Erinnerungen wach an jenen Tag vor fast genau fünf Jahren. Es war der 17. Januar 2007 als Orkan „Kyrill” nicht nur Aachen durcheinanderwirbelte. Laut Meteorologen gibt es aber einen wichtigen Unterschied zu „Ulli” und „Andrea”. Während „Kyrill” unmittelbar über Deutschland lag, bewegen sich die aktuellen Sturmtiefs über der Nordsee, die Böen dieser Tage sind also eher Ausläufer. Und dennoch alles andere als harmlos. Ein Spaziergang im Wald wäre wohl eine falsche Entscheidung. Zumal: Ab Mittwochabend gilt auch noch eine Unwetterwarnung wegen erwarteter Starkregenfälle. Verabschieden sollen sich „Ulli” und „Andrea” dann erst am frühen Freitagmorgen.
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