Aachen - Überraschende Ansichten in den Aachen Arkaden

Überraschende Ansichten in den Aachen Arkaden

Von: Ulrich Simons
Letzte Aktualisierung:
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Ich sehe was, was du nicht siehst: Fotograf Pit Siebigs vor einigen seiner Werke. Foto: Ulrich Simons

Aachen. Es könnte ein Christstollen sein. Die Wölbung in der Mitte, der weiße Puderzucker. Alles passt. Was nicht passt, sind die Metallgitterstäbe, die aus dem „Stollen“ ragen, und der rote Kunststoffboden mit den Fußabdrücken, auf dem das Weihnachtsgebäck zu liegen scheint.

In solchen Momenten hat Pit Siebigs Spaß. Wenn er die Irritation des Betrachters spürt, der manchmal erst im dritten oder vierten Anlauf sieht, was der Fotograf da vor der Linse hatte, und dann langsam erkennt: Der „Stollen“ ist ein Loch im Fußboden.

Entdeckt hat Pit Siebigs das Motiv beim Umbau der alten Nadelfabrik am Reichsweg in Aachen. Arbeiter hatten ein Stück des Fußbodenbelags herausgeschnitten und das 50 mal 50 Zentimeter große Loch in den Boden gestemmt, um den Aufbau und die Tragfähigkeit der Betondecke zu prüfen.

„Auf – zu“ heißt die aktuelle Ausstellung mit gut zwei Dutzend großformatigen Bildern des Aachener Fotografen, die seit Samstag in den Aachen Arkaden zu sehen ist. Der Titel ist eine Anspielung auf den fotografischen Prozess, bei dem der Verschluss der Kamera erst auf- und dann wieder zuschnappt.

Bei Pit Siebigs vergehen zwischen „auf“ und „zu“ oft Sekunden bis hin zu Minuten. Weil die Kamera Licht sammeln kann, macht er in seinen Langzeitaufnahmen Feinheiten sichtbar, die das menschliche Auge vor Ort nicht sieht. Sein wichtigstes Werkzeug ist neben der Kamera daher das Stativ.

In endlosen Stunden an „lost places“, in aufgegebenen Indus­trieanlagen, hat Siebigs seine Sicht der Dinge zur Perfektion entwickelt und spielt mit „unsichtbarem“ Licht, ungewohnten Perspektiven und unterschiedlichen Maßstäben in seinen Fotografien.

Herausgekommen ist kein fotografisches Fast Food, sondern Bilder, die zum Verweilen und zur Entdeckungsreise einladen.

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