Überfall auf Zacharias Grill: Drei Jahre Haft für brutale Tat

Von: Wolfgang Schumacher
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Aachen. Richterin Regina Böhme, Vorsitzende der 1. Großen Strafkammer am Aachener Landgericht, begann die Urteilsverkündung im Raubfall „Zacharias Grill“ mit einem Statement.

„Es sollte klar sein, dass sich die beiden Überfallenen nicht mehr ganz genau alles erinnern können. Sie waren eben Opfer“, antwortete die Richterin auf Vorhalte, die Überfallenen hätten bei ihren Aussagen einiges durcheinander gebracht.

Nun ist das nicht weiter verwunderlich, wenn man nachts von zwei maskierten Räubern um eine ganz erkleckliche Stange Geld gebracht werden sollte, wie es den Imbiss-Besitzern, die am nächsten Tag in Urlaub fahren wollten, in der Nacht zum 5. August 2013 geschah. Deshalb hatte sie mehr als die Tageseinnahmen dabei, von rund 10.000 Euro war die Rede.

Der mehrfach vorbestrafte Angeklagte Gökhan S. (32) bekam nun am Freitag die Quittung für den brutalen Überfall. S. war als einziger der drei Täter durch einen DNA-Abgleich – er hatte unterwegs einen Handschuh verloren – ermittelt worden. Seinen Komplizen und den Tippgeber behielt er für sich, gestand aber die ihm zur Last gelegte Tat.

Das Gericht verurteilte ihn am Freitag wegen des Überfalls und der dabei durch den Gebrauch von Pfefferspray bei den Opfern herbeigeführten gefährlichen Körperverletzung zur drei Jahren Haft. Darin war allerdings eine Strafe enthalten, zu der er bereits im September 2013 verurteilt worden war, die er aber noch nicht abgesessen hatte.

In der Tatnacht hatten er und sein Komplize hinter Mülltonnen dem langjährigen Betreiberehepaar des Grills im Frankenberger Viertel nach Geschäftsschluss aufgelauert, ein Fluchtwagen stand in der Goffartstraße. Als das Ehepaar nach Hause gehen wollte, fielen die beiden über die Opfer her. Der Haupttäter sprühte dann das Pfefferspray auf den Imbiss-Betreiber, der allerdings mit all seinen Kräften die Tasche mit dem Geld festhielt und sich auf die Tasche fallen ließ. Auch mit Tritten und Schlägen sei er nicht davon zu trennen gewesen, hieß es im Prozess.

S. hatte bei dem Überfall die Aufgabe, sich um die Frau zu kümmern, wie er berichtete. Der unter Drogen stehende S. konnte jedoch nicht verhindern, dass die Frau nach Hilfe schrie, er flüchtete schließlich. Auch sein Komplize vermochte nicht, die Beute an sich zu reißen. Die Eheleute seien „stark traumatisiert“ gewesen, schilderte der Nebenklagevertreter den Zustand des Paares. Trotzdem sei man am nächsten Tag in Urlaub nach Griechenland gefahren.

Der drogenabhängige Täter hatte sich damit einverstanden erklärt, in eine Therapie zu gehen, das Gericht folgte dem und ordnete seine Unterbringung in einer Entzugsanstalt an. Sein umfangreiches Geständnis und seine abrupte Flucht, die man – wie von Verteidiger Rainer Dietz beantragt – als Rücktritt von einem schweren Raub wertete, bewahrten Gökhan S. vor einer wesentlich höheren Strafe.

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