Über dem Stadtpark tönt das Jubelgeschrei

Von: Valerie Barsig
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Volle Ränge: Bei idealen äußeren Bedingungen erlebten über 2000 Tennis-Fans den Weg auf die Anlage des TK Kurhaus einen Tennis-Krimi. Bereut hat den Besuch ganz sicher niemand. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Am Abend gleicht der Stadtpark einem Tollhaus, der Jubel ist unbeschreiblich - der TK Kurhaus hat die Deutsche Tennismeisterschaft wieder nach Aachen geholt. Über 2000 enthusiastische Fans sind schier aus dem Häuschen.

Und die Spieler tragen ausgelassen Teammanager Alex Legsding über den Court. Mit 4:2 ist die Hitzeschlacht gegen Halle gewonnen. Und ein unvergesslicher Nachmittag geht in die Annalen der Öcher Sportgeschichte ein.

Der eine oder andere wird in den Stunden zuvor neidisch gewesen sein auf die Schweißbänder der Tennisstars: Bei hochsommerlichen Temperaturen kämpfen die Aachener in der „Endschlacht” um den Meistertitel. Mit der Saison „absolut zufrieden” ist vorab schon der Ehrenvorsitzende des TK Kurhaus und Verantwortliche für die Bundesliga im Verband, Karl-Dieter Fister. Da ahnt er nicht, was der Tag noch bringen sollte. „Die Chancen heute stehen 50 zu 50”, sagt er - vor dem ersten Ballwechsel. „Es wäre natürlich ein Highlight, wenn wir den vierten Meistertitel holen würden, gefeiert wird heute Abend aber so oder so.” In gewisser Weise wird er da vielleicht geahnt haben, dass die Feier „etwas” größer ausfallen sollte.

Von der Resonanz der Fans zeigt er sich von Anfang an begeistert. Sogar auf den Mauern hinter den Zäunen des Tennisareals haben sich einige von ihnen postiert und stecken ihre Nasen über den Maschendraht, um einen Blick auf die Spiele zu erhaschen. Aber auch innerhalb der Clubanlage weiß sich der geneigte Fan die besten Plätze zu sichern: Kein Schiedsrichterstuhl oberhalb des Spielfeldes bleibt leer, und sogar auf die weißen Sitzbänke wird sich gestellt, um den besten Blick zu haben - selbstverständlich barfuß.

Weniger Zeit zum Zusehen, dafür aber eine umso wichtigere Aufgabe haben die kleinen Helfer auf dem Spielfeld. Jeannie Sieprath ist zwölf Jahre alt und Ballmädchen beim Turnier. „Die ganze Zeit aufrecht neben dem Netz knien, das ist schon anstrengend”, weiß sie zu berichten. Sie muss die Spieler mit Bällen versorgen und auch schon mal das Schweißhandtuch reichen: „Immer dann, wenn der Spieler mit der Hand vor seinem Gesicht hin und her wedelt”, lacht sie. „Die Geste sieht immer wieder lustig aus.” Ballmädchen oder -jungen sind zwischen 6 und 16 Jahre alt und leben nicht immer ungefährlich: „Manchmal erwischt einen auch mal ein Aufschlag - und der hat Schwung”, erzählt Katrin Lubberich (14), die an diesem Finaltag gemeinsam mit Jeannie im Team ist. Und dabei ihren eigenen, kleinen Anteil am Titelgewinn hat.

„Geteilte Sympathien”

Nach den ersten Aufwärmschlägen von Matthias Bachinger und Daniel Gimeno-Traver ist das Publikum bereits in den Bann gezogen, die Köpfe fliegen hin und her, und eifrig wird das Aachener Team beklatscht. Da bewahrheitet sich die Feststellung: „Die Zeiten, in denen Tennis noch piano war, sind vorbei.” Der Verlauf schreibt dabei seine eigene Dramaturgie. 4:2 muss Kurhaus gewinnen, nach den Einzeln steht es 2:2. Die Spannung steigt minütlich. Auch Udo Mülheims freut sich über die tolle Atmosphäre. Er ist in Aachen geboren, wohnt inzwischen aber in der Nähe von Halle. „Da hat man schon geteilte Sympathien”, meint er. Selbst hat er während seines Studiums Tennis gespielt und später als Trainer gearbeitet. „Das ist doch live was ganz anderes und viel besser als im Fernsehen.”

Er wird die Verteilung seiner Sympathien vielleicht überdenken müssen. Denn am Ende werden beide Doppel gewonnen. Und Mülheims Aachen schlägt Mülheims Halle - an einem denkwürdigen Nachmittag.
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