Über dem Minigolf-Platz schweben dunkle Wolken

Von: Sebastian Dreher
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Wohin geht die Reise? Der Minigolfball findet irgendwann den Weg ins Loch, doch für die Anlage der WABe e.V. im Stadtpark ist die Zukunft ungewiss. Möglicherweise bedrohen aktuelle Pläne der Bundesregierung ihre Existenz. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Trotz Platzregens und Hagelschlags tummeln sich am Gründonnerstag rund 40 Menschen auf dem Gelände der Minigolfanlage im Stadtpark, um die Eröffnung der Bahn zu feiern.

Als gemeinnützige Organisation betreibt die WABe e.V. die neben dem Casino gelegene Anlage mit Hilfe von Langzeitarbeitslosen und gibt ihnen dadurch die Gelegenheit, aus dem Alltagstrott zwischen Hartz IV und Fernsehsessel herauszukommen.

„Für Menschen mit psychosozialen Problemen ist es wichtig, einer geordneten Tagesstruktur zu folgen”, sagt Katrin Bauermeister, Fachbereichsleiterin für Arbeit und soziale Integration. „Die Mitarbeit bei Projekten wie der Minigolfanlage motiviert sie zu eigenständigem Handeln und gibt ihnen das Gefühl, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.”

Detlef Houben ist nach langer Arbeitslosigkeit seit nun schon acht Jahren auf der Anlage tätig, allerdings in verschiedenen Anstellungsverhältnissen. „Ich war Ein-Euro-Jobber, auf Kombi-Lohn und jetzt als 16e”, erklärt er. Hinter E 16 verbirgt sich der von Karl-Josef Laumann, Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales in NRW, verabschiedete Paragraph 16e nach SGB II. Das Gesetz soll Menschen mit besonders schweren Vermittlungshemmnissen eine Perspektive in Form einer längerfristigen Anstellung verschaffen.

„Bei diesem Gesetz zahlt die Arge 75 und der Arbeitgeber 25 Prozent des Lohns plus die Sozialversicherung. Für den Staat ist das teilweise sogar günstiger, als Hartz IV weiterzuzahlen, und die Menschen kommen in Arbeit”, begeistert sich Bauermeister.

Für Detlef Houben bedeutet 16e, dass er für seine Arbeit, die neben Hausmeistertätigkeiten auch Bedienung und Verkauf beinhaltet, gutes Geld bekommt und darüber hinaus Sozialversicherung zahlt. Leider steht das Gesetz wieder zur Debatte und könnte gekippt werden. Das wäre das Aus für die Minigolfanlage und für weitere WABe-Projekte wie die Möbel- und die Fahrrad-Recyclingwerkstatt, das Sozialkaufhaus oder die Radstation am Bahnhof. Auch dort werden arbeitsmarktferne Arbeitslose durch einfache Helfertätigkeiten auf eine mögliche Rückkehr in den Arbeitsmarkt vorbereitet.

In diesem Jahr kann die Anlage jedenfalls noch zum Golfen oder für Betriebsfeiern und Kindergeburtstage genutzt werden.
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