Über 90 Leerstände im Aachener Zentrum

Von: Robert Esser
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Sorgenkinder: Der Dahmengraben (Bild) und der obere Teil der Adalbertstraße werden von Einzelhändlern und Kunden gemieden. Foto: Michael Jaspers
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Sorgenkinder: Der Dahmengraben und der obere Teil der Adalbertstraße (Bild) werden von Einzelhändlern und Kunden gemieden. Foto: Robert Esser

Aachen. Die Laune ist schwer getrübt. Ehemals blühende Einkaufslandschaften veröden zunehmend als Servicewüsten. Die Adalbertstraße neben dem Aquis Plaza, der Theaterplatz, Dahmengraben und die Großkölnstraße gelten schon lange als Sorgenkinder der ansonsten fröhlichen Aachener Einkaufsfamilie.

Bis zur Eröffnung des Konsumtempels Aquis Plaza verharrte der kaiserstädtische Einzelhandel quasi im Stillstand, nunmehr „zeigt die Stimmung aktuell eine Abwärtstendenz“, stellt Andrea Trebschuh fest. Die Geschäftsführerin der Initiative Aachen und Herausgeberin der jährlichen „Analyse zum gewerblichen Immobilienmarkt“ mahnt deswegen die schnelle Umsetzung von Neu- und Umbauprojekten an, um den Negativtrend zu stoppen.

Die neue Leerstanderhebung der Aachener Zeitung untermauert die Einschätzung: Über 90 Geschäftslokale im Zentrum (innerer Grabenring plus Adalbert-, Theater- und Bahnhofstraße) sind derzeit verwaist. Das sind Dutzende mehr als noch vor einem Jahr. Aber: Seit einem Jahr existieren mit dem Aquis Plaza knapp 130 zusätzliche Shops in Aachen.

Gleichzeitig liegen für viele leerstehende Ladenlokale fertige Nachnutzungspläne vor. Trotzdem gilt: Der Umbruch birgt Gefahren. Im Oktober 2015 standen 50 Geschäftslokale leer, 2014 waren es 71, im Jahr 2013 81. Ausgeklammert waren jahrelang über ein Dutzend Verkaufsräume zwischen der damaligen Großbaustelle Kaiserplatz und dem Willy-Brandt-Platz.

Entlang dieses Teils der Adalbertstraße reiht sich weiterhin Leerstand an Leerstand. An den Schaufensterscheiben kleben Computerzeichnungen – „moderne Architektur für ein 1a-Shopping-Erlebnis“. Projektentwickler Gerd Sauren schwebt eine „kleinteilige Struktur“ vor. Was im Besonderen für die Fassade der dahinterliegenden, durchaus großzügigen Einzelhandelsflächen gelten soll. Tatsache ist: Der ganze Straßenzug soll abgerissen werden. Wann das passiert, ist völlig unklar.

Auch im breiteren Teil der Adalbertstraße stehen mehrere Immobilien nebeneinander leer. „Ich gehe davon aus, dass Peek & Cloppenburg die ehemalige Wehmeyer-Fläche und weitere Nachbar-Immobilien nicht gekauft hat, um sie leerstehen zu lassen – auch wenn sie an der unteren Großkölnstraße genau dies schon mehr als zehn Jahre exerzieren“, sagt Herbert Kuck von der städtischen Wirtschaftsförderung. Und fügt hinzu: „Zu Fristen und Terminen kann ich jedoch leider noch nichts Konkretes sagen.“

Kuck stellt klar, dass Aachen insgesamt für den Einzelhandel – auch im bundesdeutschen Vergleich – eine hervorragende Figur macht. Die Leerstandsquote betrage lediglich sechs bis sieben Prozent. Dennoch: Leerstände an exponierten Stellen lassen einen schlechteren Wert vermuten.

Will sagen: Das Bild der Einkaufsstadt Aachen leidet. So auch entlang des Dahmengrabens: Bevor „Lust for Life“ Mitte 2017 das alte Horten-Haus verlässt und in den Jahren danach der Umbau zu einem modernen Einzelhandels- und Apartment-Komplex vollzogen ist, wird das Umfeld für Neuansiedlungen nicht attraktiver.

Deswegen treibt der Investor, die Aachener Landmarken AG, auch die Überplanung des Büchel-Quartiers mit Elan voran. Landmarken-Vorstand Norbert Hermanns wertet das Profil der Einkaufsstadt Aachen auch anderswo auf. Wenn am Theaterplatz – statt jetziger Leerstände am Kapuzinergraben – bald ein nagelneues Motel One nebst einer feinen Büro-Adresse im ehemaligen Bankgebäude stehen, sorgt das auch im Umfeld für mehr Zugkraft.

Und für steigende Mieten: Höchstpreise von über 100 Euro pro Quadratmeter sind derzeit laut Gewerbeimmobilienanalyse nur noch im Hauptteil der Adalbertstraße und am Holzgraben zu erzielen. Bis zu 80 Euro verlangen Hauseigentümer am Elisenbrunnen, in der Krämerstraße, am Markt und in der oberen Großkölnstraße. Jörg Hamel, Geschäftsführer des Einzelhandelsverbandes, macht aber mitnichten die Konkurrenz des Aquis Plaza für die vielen Leerstände verantwortlich.

„Geht man aufmerksam durch die Stadt, wird man auch neue Geschäfte finden, die sich mit innovativen Konzepten mutig dem Markt stellen“, erklärt er. Hamel betont: „Wichtig ist, dass wir alle gemeinsam Ja zu Aachen sagen, weil sich bei uns die Attraktivität einer historischen, gewachsenen City mit einem grandiosen und breiten Angebot an Sortimenten paart. Das macht den Reiz unserer Stadt und die Anziehungskraft auf die Besucher aus dem In- und Ausland aus.“ Grund für gute Laune.

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