Aachen - Über 100.000 Euro für den „Hundeweg“

Über 100.000 Euro für den „Hundeweg“

Von: Oliver Schmetz
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Brückenschlag für den „Hundeweg“: Dr. Lothar Barth, Umweltdezernent der Stadt Aachen, und Professor Dr.-Ing. Wolfgang Firk, Vorstand des Wasserverbands Eifel-Rur (von rechts), haben das neue Bauwerk in einer etwas abgelegenen Ecke des Gillesbachtals vor kurzem offiziell eingeweiht. Foto: Michael Jaspers/Stadt Aachen-Rita Klösges
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Brückenschlag für den „Hundeweg“: Dr. Lothar Barth, Umweltdezernent der Stadt Aachen, und Professor Dr.-Ing. Wolfgang Firk, Vorstand des Wasserverbands Eifel-Rur (von rechts), haben das neue Bauwerk in einer etwas abgelegenen Ecke des Gillesbachtals vor kurzem offiziell eingeweiht. Foto: Michael Jaspers/Stadt Aachen-Rita Klösges

Aachen. Wer hier hingeht, macht das gezielt. Von Durchgangsverkehr keine Spur, denn dieser Weg ist ein Umweg. Und die meisten, die hier hinkommen, haben eine Leine in der Hand und einen Vierbeiner an ihrer Seite. An diesem Vormittag sind es fünf Frauen und Männer, die sich wie immer mit ihren Hunden in der etwas abgelegenen Ecke des Gillesbachtals gleich hinter der Luise-Hensel-Realschule in Burtscheid treffen. Wie immer?

Nicht ganz. Seit ein paar Tagen haben sie hier ein neues Gesprächsthema, denn auf dem „Hundeweg“, wie viele die Schleife abseits des Hauptweges nennen, hat sich eine Menge verändert. Und das hat einiges gekostet – worüber hier viele mit dem Kopf schütteln.

370.000 Euro haben die Stadt Aachen und der Wasserverband Eifel-Rur in diese Ecke gesteckt, in der der Gillesbach unter dem Bahndamm verschwindet. Ein massiver Zaun verhindert nun den Zugang zu diesem Durchfluss, vor dem als Wasserschutzmaßnahmen ein Sandfang und Rechen angelegt worden sind. Doch was viele Spaziergänger erstaunt und etliche verärgert, ist diese neue Brücke: Elf Meter lang, 1,5 Meter breit, dazu imposant schimmernde rot-braune Geländer aus zertifiziertem Bongossi-Hartholz – so spannt sie sich über den Gillesbach, der in diesen Tagen eher ein Rinnsal ist. „Das ist doch ein Witz“, sagt einer der Hundebesitzer. „Wir brauchen hier doch nicht so eine schicke Brücke, die so viel Geld kostet.“ Die anderen nicken dazu, und eine Frau erzählt noch, „dass wir hier früher auch immer mit den Gummistiefeln durchgelaufen sind“.

Laut Stadt kostet die Brücke alleine „nur“ 95.000 Euro – die ohne einen Cent Zuschuss aus dem Stadtsäckel fließen. 65.000 koste das Bauwerk, 15.000 seien für die Planung angefallen und mit weiteren 15.000 beteilige man sich an den 60.000 Euro für die Baustelle und die Erneuerung des Weges. „Den Rest zahlt der Wasserverband“, sagt Rita Klösges vom städtischen Presseamt.

Der Weg zur Brücke ist nun allerdings kein Weg mehr, sondern eher eine Teerstraße. Man könnte jetzt bequem mit großen Fahrzeugen bis in den letzten Winkel des Gillesbachtals fahren. Bei der Stadt sieht man das so: „Ältere Leute schätzen eher geteerte Wege“, sagt Klösges, „und jetzt kommen die Spaziergänger auch bequem aneinander vorbei.“ Letzteres gilt übrigens auch für die neue Brücke – nicht aber für die alte, nur wenige hundert Meter entfernte, die beispielsweise die schnellste Verbindung von der Schule aus durch das Bachtal ermöglicht. Denn diese ist seit vielen Jahrzehnten bloß ein schmaler Steg.

Die richtige Brücke also am falschen Ort? Diese zweite Querung sei noch nicht baufällig, heißt es von der Stadt dazu lediglich. Und das neue Bauwerk stehe, davon sei man überzeugt, genau an der richtigen Stelle. „Diese Brücke wird sehr stark benutzt“, sagt Rita Klösges, „das haben unsere Recherchen ergeben.“

Vor Ort, in dieser kleinen Gruppe von Hundebesitzern, hört sich das an diesem Vormittag allerdings etwas anders an. „Es ist ja schön, dass wir hier wieder eine Brücke haben“, sagt einer der Nutznießer, „aber für die paar Leute hier auf dem Hundeweg ist das eigentlich lächerlich.“

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