U3: 50 Prozent bis 2017 nicht erreichbar

Von: Stefan Herrmann
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Kleine Kinder, große Herausforderung: Das 2013 gefasste Ziel, bis zum Jahr 2017 im U3-Bereich eine Versorgungsquote von 50 Prozent zu erreichen, schafft Aachen voraussichtlich nicht. Foto: dpa

Aachen. Der U3-Ausbau gilt als die Mammutaufgabe in der kommunalen Familienpolitik. Die Nachfrage nach Kita-Plätzen für Unterdreijährige ist ungebrochen hoch – ebenso wie die gesteckten Ziele der Stadt, was die Versorgungsquote angeht.

Doch nun muss die Verwaltung eingestehen, dass „das Ausbauziel einer Versorgungsquote von 50 Prozent bis 2017 voraussichtlich nicht erreicht werden kann“. So steht es in einer Vorlage, die am Dienstag im Kinder- und Jugendausschuss präsentiert wird (17 Uhr, Verwaltungsgebäude Mozartstraße, Raum 207/208).

Warum wird die Versorgungsquote von 50 Prozent voraussichtlich nicht erreicht?

Es gibt nicht den einen Grund, sondern mehrere Faktoren, die dafür sprechen, dass das Ausbauziel bis 2017 nicht erreicht wird. So wurden in den vergangenen Jahren zahlreiche Maßnahmen in Kibiz-geförderten Kitas ergriffen, um zusätzliche Plätze zu schaffen. Aber die verhältnismäßig einfacheren und schnellen Mittel und Wege, das U3-Angebot zu erweitern, sind so gut wie erschöpft.

Darunter fielen zum Beispiel die Umwandlung von Ü3- in U3-Plätze, die Erweiterung von vorhandenen Gruppen sowie der Anbau von U3-Gruppen an bereits existierende Kitas. Von nun an stehen größere Um- und Neubauten an. Das verschlingt nicht nur mehr Geld, es braucht auch mehr Zeit. Ein weiterer Grund: Durch die enorm hohe Zahl an Flüchtlingen, die in Aachen aufgenommen werden, erhöht sich auch die Zahl der Flüchtlingskinder im Kita-Alter. Wie viele das in den nächsten Monaten und Jahren sein werden, ist für die Verwaltung kaum einzuschätzen. Zu guter Letzt: Seit 2013 steigt die Zahl der Geburten in Aachen wieder. So plant die Stadt für das laufende Kita-Jahr 2015/16 mit 6730 U3-Kindern.

Zum Vergleich: 2012/13 waren es „nur“ 6564. All das führt dazu, dass letztlich mehr Plätze geschaffen werden müssen, um eine Versorgungsquote von 50 Prozent gewährleisten zu können. Und das, befürchtet der zuständige Fachbereich 45, sei bis 2017 nicht zu stemmen.

Wie ist der Stand der Dinge bei der U3-Betreuung?

Derzeit liegt die Versorgungsquote bei 43,63 Prozent. Damit ist sie innerhalb von gut zwei Jahren um fast sieben Prozent gestiegen. Obwohl für das laufende Kita-Jahr 152 zusätzliche U3-Plätze (102 an öffentlich geförderten Kitas und 50 in der Kindertagespflege) geschaffen wurden, stellt die Verwaltung aufgrund der oben erwähnten Entwicklungen fest, dass weiterhin ein Bedarf von rund 400 Betreuungsplätzen existiert.

Welche Projekte sind in Planung, um weitere U3-Plätze zu schaffen?

Die Stadt listet 18 Projekte auf, die sich in sehr unterschiedlichen Stadien befinden. Dabei handelt es sich um Erweiterungs-, Ersatz- oder Neubauten. In den Kitas Reimser Straße (10 Plätze), Düppelstraße (9), Aachener Straße (6) sowie Eintrachtstraße (30) ist die Fertigstellung zum Kita-Jahr 2016/17 geplant, am Eisenbahnweg zum 1. Januar 2017. Die weiteren Projekte befinden sich in einer frühen Planungsphase, so dass die Verwaltung noch keine Angaben machen kann, wann genau mit einer Fertigstellung zu rechnen ist. Rechnet man alle 18 Projekte zusammen, entstehen voraussichtlich 240 zusätzliche U3-Plätze.

Warum hakt es zusätzlich bei der Kindertagespflege?

Geplant ist, für das Kita-Jahr 2016/17 in der Kindertagespflege 50 weitere Plätze bereitzustellen. Damit würde die Gesamtzahl auf 700 Plätze steigen. Allerdings: Die Fachverwaltung hält „den Ausbau der Plätze in Kindertagespflege darüber hinaus zum jetzigen Zeitpunkt für nicht zielführend“. Es sei bereits jetzt schwierig, überhaupt geeignete Personen zu finden.

Die, die aktuell als Kindertagespfleger/in arbeiten, würden bereits fünf Kinder betreuen. Mehr sind nicht erlaubt. Hinzu kommt: Viele Eltern wünschen sich – wenn möglich – für ihren Nachwuchs lieber einen Platz in einer Kita. Wer sich als Kindertagespfleger/in qualifizieren möchte, soll künftig 300 statt aktuell 160 Stunden absolvieren. Auch deswegen gehen die Experten der familiären Tagesbetreuung laut Vorlage davon aus, „dass dies für Personen ein Hinderungsgrund sein könnte, diesen Weg einzuschlagen“.

Welche weiteren Baustellen gibt es beim U3-Ausbau?

Der Betrieb einer Kita ist in den vergangenen Jahren immer teurer geworden. Das macht vor allem den freien Trägern zu schaffen. Die Folge: Sie ziehen sich immer weiter aus dem U3-Ausbau zurück. Vor aufwendigen Neu- und Umbauten schrecken freie Träger oftmals zurück – alleine finanzieren können sie solche Projekte in der Regel sowieso nicht. Aber auch die laufenden Betriebskosten steigen und somit ebenso das finanzielle Risiko.

Die vom Land gezahlten Kindpauschalen, kritisieren die Träger, würden nicht ausreichen. Die Folge: Immer mehr freie Träger stellen Anträge, dass die Stadt Anteile der Betriebskosten übernimmt oder auch Baukostenzuschüsse übernimmt. Letztlich führt all dies zu mehr Unsicherheit, längeren Bearbeitungszeiten einzelner Projekte und – voraussichtlich – dem Umstand, dass im U3-Bereich die Versorgungsquote von 50 Prozent bis 2017 nicht erreicht wird.

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