Turbulente Zeiten: Stiller-Helden-Preis für drei Brückenbauer

Von: Nina Krüsmann
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Stiller-Helden-Preis 2017: Hugo Jules Michel Nijs (3. von links) wurde ebenso ausgezeichnet genau wie Şükrü Genç (links) und sein Aachener Amtskollege Marcel Philipp. Die Laudatio hielt NRW-Landtagspräsidentin Carina Gödecke. Dr. Okan Akin (rechts) und Reiner Bertrand (beide Eurotürk) hatten eingeladen. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Drei Brückenbauer der deutsch-türkischen Freundschaft wurden am Freitagabend mit dem Stille-Helden-Preis 2017 geehrt. „Das deutsche und das türkische Volk haben nie Feindseligkeiten gegeneinander gehegt. Unsere Völker mögen sich und haben Verständnis füreinander“, freut sich der Bürgermeister Sariyer, ükrü Genç.

Das Oberhaupt von Aachens Partnerstadt Sariyer hat den Internationalen Stille-Helden-Preis 2017 erhalten. Damit war er einer von drei Preisträgern an diesem emotionalen und von herzlicher Freundschaft geprägten Abend im Hause von Reiner Bertrand. Vorsitzender des Aachener Vereins Eurotürk. Wer die Auszeichnung erhält, wird traditionell erst bei der Laudatio bekannt gegeben, erklärte Bertrand.

Der zum zwölften Mal vergebene regionale Stille-Helden-Preis ging an den Belgier Hugo Jules Michel Nijs. „Er ist der erste Preisträger, der nicht aus Deutschland oder der Türkei kommt. Und trotzdem ist er der Deutsch-Türkischen Gesellschaft Eurotürk eng verbunden“, erklärte Oberbürgermeister Marcel Philipp in seiner Laudatio. Nijs studierte an der RWTH Aachen, schloss als Diplom-Ingenieur ab und hat sich danach ganz der Ausbildung junger Menschen an der RWTH verschrieben.

Legendär ist sein Satz, mit dem er scheinbar müde gewordene Studenten in den Vorlesungen wieder in die studentische Wirklichkeit zurückholte: „Ich bin der deutschen Sprache nicht mächtig.“. Im Akademischen Personalrat der RWTH war er bis zu seinem Ausscheiden tätig. Dort lernte er den Kollegen Dr. Okan Akin kennen, der ihn für die deutsch-türkische Freundschaft gewinnen konnte.

Es folgte sehr schnell der Eintritt in den damals noch „Hür Türk“ genannten Verein. Mit der Umbenennung in Eurotürk übernahm Nijs 2002 den Posten des Schatzmeisters – bis zu seinem Ausscheiden aus dem Vorstand 2016. „Er war als Pate für Migrantenjugendliche tätig, organisierte das Sportangebot für muslimische Frauen – ohne allerdings selbst bei der Schwimmgymnastik präsent zu sein“, sagte Philipp mit einem Augenzwinkern. Und nicht zuletzt habe der Preisträger den Stille-Helden-Preis aufgebaut.

Und deshalb hat er sich ganz besonders über den folgenden Programmpunkt gefreut: Zum ersten mal wurde der Stille-Helden-Preis in der Kategorie „International“ vergeben – an keine Geringeren als den Bürgermeister von Sariyer ükrü Genç und den Aachener Oberbürgermeister Marcel Philipp.

Seit 2013 besteht die von völkerverbindender Stimmung geprägte Städtepartnerschaft. Viele herzliche Umarmungen, persönliche Worte, kleine Anekdoten aus den vielen gemeinsamen Erlebnissen und manche Träne der Rührung unterstrichen das. Die Laudatio hielt die NRW-Landtags-Präsidentin Carina Gödecke persönlich.

„Anlass für die Würdigung der beiden Stadtoberhäupter ist das Festhalten an der traditionell guten Freundschaft zwischen Deutschland und der Türkei sowie insbesondere an der gelungenen Städtepartnerschaft“, betonte Gödecke. Durch die derzeitige politische Situation drohe die Beziehung Schaden zu nehmen.

Das verhinderten Philipp und sein Amtskollege durch die persönliche Freundschaft und gleiche Amtsvorstellung. „Sorge bereitet, dass die Ausreise von ükrü Genç so schwierig war. Aber gleichzeitig ist es ein Hoffnungsschimmer, dass er heute da ist“, betonte Philipp. Anlässlich der zweiten von Eurotürk organisierten Richterreise nach Istanbul 2009 lernten die Aachener den frisch gewählten Bürgermeister aus Sariyer kennen.

Auch der Aachener Protokollchefin Claudia Wellen dankte Genç auf der Bühne für ihr jahrelanges Engagement zum Gedeihen der Beziehungen zwischen Aachen und Sariyer. Im Anschluss an die Preisverleihung feierte die Gesellschaft noch lange bei türkischen Grillspezialitäten und Getränken die neuen Preisträger. Dabei wurden zur Freude von Gastgeber Reiner Bertrand manch neue Kontakte geknüpft. Und die politischen Amtsträger mischten sich volksnah unter die Leute und ließen die deutsch-türkische Freundschaft hochlebe.

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