Türsteher fast verblutet: Prozess neu aufgerollt

Von: Wolfgang Schumacher
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Verdeutlicht die Macht des Richters: ein hölzerner Hammer auf der Richterbank im Schwurgerichtssaal eines deutschen Gerichts. Symbolfoto: dpa/Uli Deck Foto: dpa

Aachen/Würselen. Zum zweiten Mal in diesem Jahr muss sich der 23-jährige Hysni A. aus Aachen vor dem Aachener Schwurgericht verantworten. Angeklagt ist seit Donnerstag ein heimtückischer versuchter Mord an einem Türsteher, der in einer bekannten Würselener Diskothek seinen Dienst tat.

Gegen 3 Uhr in der Frühe des 29. November 2015, so die Anklageschrift, ereignete sich der beinahe tödliche Messerangriff. Da habe A. den heute 36-jährigen Thomas K. bei einem Streit von hinten angefallen und versucht, dem 1,96 Meter großen Mann die Kehle durchzuschneiden.

Kameras liefern erste Eindrücke

Die Neuauflage des Prozesses war nötig geworden, weil der damalige Vorsitzende Richter der Kammer erkrankte und das Verfahren nicht weiterführen konnte. Mit dem Vorsitzenden Richter Markus Vogt begann nun am Donnerstag der Prozess erneut. Wieder musste Thomas K., er arbeitet im Hauptberuf als Steinmetz in Aachen, in den Zeugenstand und die Ereignisse dieser Nacht schildern. Zuvor hatte sich das Gericht anhand von Videoaufnahmen der Sicherheitskameras ein ungefähres Bild vom Geschehen unmittelbar vor der Tat machen können.

Der Angeklagte sagte bislang nichts zu den Vorwürfen, bei denen auch sein jüngerer Bruder Hassan A. beteiligt war. Hassan A. war ursprünglich wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt, weil er auch ein Messer gezückt haben soll, das Verfahren gegen ihn wurde jedoch zwischenzeitlich eingestellt.

Auffällig auf den Boden gespuckt

Wie kam es nun bei der gut besuchten „Ein-Euro-Party“ dazu? Kleine Auseinandersetzungen am Einlass einer Diskothek sind Alltag. Auch hier fing alles harmlos an, wie sich der Zeuge erneut erinnerte. Gegen 2.30 habe er seine Runde machen wollen, sei es recht voll gewesen.

Hysni A. habe er sogar persönlich gekannt, und nur deswegen hätten er und seine Brüder überhaupt Zugang zur Disko gehabt. Doch an dem Abend haben sich A. danebenbenommen und auffällig vor seinen Augen auf den Boden gespuckt, da habe er ihn vor die Tür gesetzt und die Kollegen informiert. K. gilt als Chef der Security-Truppe.

Als er vom Routinerundgang wieder zur Eingangstüre des Lokals gekommen sei, habe er bereits von Weitem das Palaver von Hysni A. gehört, gemischt mit wüsten Drohungen gegen ihn, er sei also immer noch vor Ort gewesen. Als er, K., dies monierte und begonnen habe, A. mit Körpereinsatz weiter nach draußen zu bugsieren, sei der Streit schließlich völlig eskaliert. A. habe ihm ins Gesicht gespuckt, ob er dies absichtlich getan habe, das wisse er nicht. Der Spucker handelte sich dafür jedenfalls eine spontane Ohrfeige von K. ein. Der Türsteher drängte den Angreifer auf die Straße. Der Andere habe dort noch reden wollen, das habe er sogar „freundlich“ vorgeschlagen.

Dann kam wie aus dem Nichts der jüngere Bruder hinzu, Türsteher-Kollegen warnten aufgeregt, dass er ein Messer in der Hand halte. Als K. sich umdrehte, habe er plötzlich Schnitte am Hals gespürt, doch nicht der jüngere Bruder hatte zugestochen, sondern offenbar Hysni A., der von hinten angriff. Sein Arm habe sich seitlich von hinten um ihn gelegt. „Haben sie denn das Messer gesehen?“, wollte Richter Vogt wissen. Nein, er sei völlig ahnungslos gewesen, antwortete K.

Neun Zentimeter tiefer Schnitt

Als er erschrocken seinen bluttriefenden Hals bemerkt habe, habe er sofort versucht, die klaffende Wunde – es war ein neun Zentimeter tiefer Schnitt – zuzudrücken und sei dann panisch zu seinen Kollegen am Eingang gelaufen. Dann sei er immer schwächer geworden, hielt aber durch, bis der Notarzt kam. „Ich hatte einfach Angst, dass ich die Wunde nicht mehr zupressen konnte“, meinte der Hühne, der heute noch unter den Spätfolgen des Angriffs zu leiden hat.

Der Prozess wird am Montag fortgesetzt.

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