Tuberkulose-Fall: DRK will bessere Untersuchungen

Von: Stephan Mohne
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Tuberkulose-Fall im „Schweizerhof“: Das DRK fordert verbesserte medizinische Untersuchungen. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Das hätte auch anders enden können. Für einen Asylbewerber aus Mazedonien ebenso wie für die anderen Bewohner der städtischen Flüchtlingsunterkunft im früheren Hotel Schweizerhof – und auch für die Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuzes, die diese Unterkunft im Auftrag der Stadt betreuen. Besagter mazedonischer Asylbewerber ist an Tuberkulose erkrankt.

Eine Krankheit, an der weltweit immer noch 1,5 Millionen Menschen pro Jahr sterben. Offenbar war die gefährliche Erkrankung bei der Erstuntersuchung des Mannes in einer zentralen Aufnahme- und Verteileinrichtung nicht aufgefallen. So etwas will das DRK nicht mehr hinnehmen. Zumal es nicht das erste Mal ist, dass eine ansteckende Krankheit offenkundig „übersehen“ worden war. Es gab auch schon einen Fall von Hepatitis in einer vom DRK betreuten Einrichtung.

„Wir wollen und müssen auch unsere Mitarbeiter schützen“, sagt Axel Fielen, Geschäftsführer des DRK in der Städteregion. Denn das nun zentralisierte Aufnahme- und Verteilsystem für Flüchtlinge führt augenscheinlich dazu, dass schwere Krankheiten – im Fall der Tuberkulose gar eine Seuchenkrankheit – nicht festgestellt werden. Das war vor einiger Zeit noch anders – und das, obwohl am Höhepunkt der „Flüchtlingskrise“ dutzende Busse pro Tag an den Notunterkünften anrollten.

Zu dieser Zeit war es so, dass alle ankommenden Flüchtlinge direkt vor Ort medizinisch untersucht wurden. Laut Fielen gibt es einen Schnelltest, mit dem man Tuberkulose, Hepatitis und weitere in den Herkunftsländern noch weiter als in Deutschland verbreitete Krankheiten erkennen kann. Im Blut kann man „Marker“ dieser Krankheiten ausmachen und schnell reagieren.

„Trotz der enormen Flüchtlingszahlen haben wir das hinbekommen“, so Fielen. Dazu habe es eine enge Kooperation mit dem Medizinischen Zentrum Bardenberg gegeben. Und auch die Zusammenarbeit mit dem städteregionalen Gesundheitsamt und der Stadt sei ausgezeichnet gewesen.

Doch noch belegte Notunterkünfte des Landes gibt es zumindest aktuell nicht mehr. Jene am Westbahnhof, die 1000 Menschen beherbergen konnte, ist in den vergangenen Tagen abgebaut worden. Die Flüchtlinge, die nach Aachen kommen, sind der Stadt seitens der Bundesländer zugewiesen worden. Seitens des Landes sei bekundet worden, dass eine medizinische Untersuchung der hier ankommenden Personen deswegen nicht mehr nötig sei, weil sie ja bereits in den Erstaufnahmezentren untersucht worden seien.

Doch damit will man sich beim DRK – es betreut derzeit sechs Flüchtlingseinrichtungen in Aachen und eine in Herzogenrath – wegen der gemachten Erfahrungen nicht zufrieden geben: „Wir wollen die Untersuchungen hier vor Ort wieder hochfahren“, so Fielen.

Denn er bezweifelt, dass die Erstuntersuchungen wirklich gründlich vorgenommen werden. Mancherorts gebe es lediglich „Sichtungen“ der Flüchtlinge durch einen Arzt. „Das heißt, dass der Arzt sich die Person anguckt und daraufhin beurteilt, ob derjenige gesund ist oder nicht“, so Fielen. Eine Krankheit wie Tuberkulose könne man so kaum feststellen.

In den kommenden Tagen will das DRK mit der Stadt ins Gespräch kommen, um die Kostenseite auszuloten. Dabei entstehen laut dem DRK-Geschäftsführer gar keine hohen Kosten, sondern nur jene für die Fahrten nach Bardenberg und jene für die Laboruntersuchung der Blutproben. „Ich bin sehr zuversichtlich, dass die Stadt hier mitziehen wird“, glaubt Fielen.

Keine akute Gefahr

Dem mazedonischen Asylbewerber geht es übrigens laut Gesundheitsamt gut. Er habe keine hochansteckende Form der Tuberkulose, so Städteregionssprecher Robert Flader. Im Januar sei er im Klinikum behandelt worden. Seine Familie sowie die Kontaktpersonen in der Unterkunft in Lichtenbusch seien untersucht worden – ohne Befund. Mittlerweile sei der Mann wieder dorthin zurückgekehrt und nehme noch Medikamente. Eine Gefahr bestehe nicht. Es hätte je nach Krankheit auch anders enden können.

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