Tuareg-Band Tamikrest aus Mali spielt im Musikbunker

Von: Christina Handschuhmacher
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Elektro-Gitarren treffen auf Djembés: Die Band Tamikrest um Ousmane Ag Mossa (l.) spielt im Musikbunker. Foto: Glitterhouse Records

Aachen. Es ist ein anderes, ein ungewohntes Leben, das Ousmane Ag Mossa und seine Bandkollegen derzeit führen. Tagsüber frieren sie, die an das Leben in der Wüste gewohnt sind, in der Kälte des europäischen Winters. Abends stehen sie in kleinen Clubs auf der Bühne, im Scheinwerferlicht. Greifen zu Gitarre und Mikrophon. Tausende Kilometer weit weg von ihrem Zuhause in Mali – aber in Gedanken stets dort.

Die Band Tamikrest tourt durch Europa, während in ihrer Heimat der Krieg tobt. Mittwochabend ab 20 Uhr geben die Musiker ein Konzert in Aachen, im Musikbunker an der Goffartstraße 26.

Tamikrest sind acht junge Musiker aus Mali – sechs Männer und zwei Frauen – und sie sind Nomaden vom Volk der Tuareg. Mit den Tuareg begann der Aufstand im Norden Malis vor gut einem Jahr. „Ich bin überhaupt nicht glücklich über das, was dort zurzeit geschieht“, sagt Frontmann Ousmane Ag Mossa im Vorfeld des Auftritts in Aachen. „Man unterscheidet nicht mehr zwischen den Islamisten und den Tuareg.“

Ousmane und seine Bandkollegen haben Angst. Sie alle haben noch Familie und Freunde vor Ort, in Kidal, einer Wüstenstadt, die heute überwiegend von sesshaft gewordenen Nomaden bevölkert wird. Telefonisch halten die Bandmitglieder von Tamikrest Kontakt zu ihren Angehörigen. Informationen über die politische Situation im Land bekommen sie über die internationalen Medien. Sie selbst haben Kidal schon länger den Rücken gekehrt – mit den Islamisten kehrten andere Sitten in Kidal ein: Die Männer mussten einen Bart tragen. Musik machen wurde verboten. Tamikrest gingen.

„Bündnis“ oder „Knotenpunkt“ heißt ihr Bandname übersetzt aus Tamaschek, der Sprache der Tuareg. Und ihre Gruppe ist nicht nur dem Wortsinne nach ein Bündnis. 2006 fanden die Musiker in der Stadt Kidal im Nordosten Malis zusammen. Auch damals erschütterten Unruhen ihr Land – erneut. Schon während der Tuareg-Aufstände zwischen 1990 und 1995 hatten einige der Band-Mitglieder Freunde und Angehörige verloren.

Doch Ousmane entscheidet sich zur Gitarre zu greifen statt zur Waffe. Musik statt Aufstand. Mit ihrer Musik wollen sie das Andenken ihrer Vorfahren bewahren und sie haben ein Vorbild: Die Tuareg-Band Tinariwen, die bereits seit den 1980er Jahren weltweit Erfolge feiert und für deren Musik Kritiker das Label „Tuareg Blues“ erfanden.

Tamikrest thematisieren in ihren Liedern genauso die Weite der Wüste und die Schönheit der Liebe wie das Leid der Nomaden, auf deren Lebensweise die Regierung Malis keine Rücksicht nimmt. Die Einflüsse westlicher Pop- und Rockmusiker verschmelzen bei Tuareg mit den traditionellen Klängen ihrer Volkes: Elektro-Gitarren treffen auf traditionelle westafrikanische Bechertrommeln – Djembés. Musik-Legenden wie Bob Marley und Bob Dylan nennt Sänger und Songschreiber Ousmane als Vorbilder, genauso wie mehrfachen Grammy-Gewinner Marc Knopfler von den Dire Straits.

Mittwochabend Aachen, Donnerstag Köln, davor Konzerte in Belgien, Frankreich, Großbritannien: Ihre Heimat haben Ousmane und seine Band-Kollegen trotzdem stets im Blick. Welche Wünsche, welche Hoffnungen hat er für die Zukunft? Ousmane Ag Mossa zögert, lässt sich Zeit mit seiner Antwort: „Ich hoffe, dass die malinesische Regierung den Tuareg die Freiheit gibt, damit sie wieder in Ruhe und autonom in ihrer Heimat, der Wüste, leben können.“ Ousmane hat Angst, dass sein Volk, die Tuareg, ausgelöscht werden könnten. Es soll nicht nur in der Musik weiterleben.

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